Holzspielzeug: Die Hälfte birgt Gefahren

Robust, sicher, natur­nah — Spielzeug aus Holz hat einen guten Ruf. Oft zu Unrecht, wie ein Test von 30 Holz­spielsachen für Kinder bis drei Jahre zeigt. Mehr als die Hälfte enthält gefähr­liche Substanzen – in Lack, Sperr­holz oder Schnüren. Zwei Spielzeuge enthalten Kleinteile, an denen Kinder ersti­cken können. Nicht einmal jedes zweite geprüfte Produkt ist gut oder befriedigend.

Unsicheres Spielzeug aus Deutsch­land

Im Test waren Greiflinge und Wagen­schmuck für die Kleinsten, außerdem Bauklötze, Puzzle sowie Nach­zieh- und Schiebetiere für Ein- bis Dreijäh­rige. Gerade vom Spielzeug für die Kleinsten dürfen sich keine Kleinteile lösen. Kinder könnten sie verschlu­cken, im schlimmsten Fall daran ersti­cken. Das Motorik­spiel Teich und der Wagen­schmuck Clown am Ring der Firma Hess aus Sachsen setzen Kinder dieser direkten Gefahr aus. Beim Wagen­schmuck Clown zerbrachen in der gesetzlich vorgeschriebenen Schlagprüfung zwei Holz­ringe. Beim Hess-Motorik­spiel Teich ließen sich kleine Figuren zu leicht heraus­ziehen. Die Teile waren so klein, dass sie in den Prüf­zylinder passten, der den Rachen eines Kindes nach­ahmt. Kinder könnten sie verschlu­cken. Beide Hess-Produkte sind mangelhaft und dürften nicht verkauft werden.

Gefähr­liche Substanzen in Lacken, Schnüren und Sperr­holz­platten

Mängel wie verschluck­bare Teile gefährden kleine Kinder sofort. Schad­stoffe entfalten ihre Wirkung oft erst nach Jahren. Das Fatale: Ob ein Spielzeug kritische Stoffe enthält, kann man ihm nicht ansehen und nur selten riechen. Kinder atmen die gefähr­lichen Substanzen ein und nehmen sie über Mund und Haut auf, während sie am Spielzeug lutschen, knabbern oder es einfach nur anfassen. Die Schad­stoffe stecken in Lacken, Nieten, Schnüren oder im Sperr­holz — dazu gehören poly­zyklische aromatische Kohlen­wasser­stoffe (PAK), Nickel, nitrosier­bare Stoffe, Organozinn­verbindungen oder Form­aldehyd. Sie können Krebs erzeugen, das Erbgut oder die Fort­pflan­zungs­fähig­keit schädigen und sollten nicht in Spielzeug enthalten sein.

Holz­frosch nicht verkehrs­fähig

Vor allem die Lacke der getesteten Spielzeuge hatten es in sich. Das Labor hat sie abge­schabt und analysiert. Im grünen Lack des Holz­froschs von New Classic Toys zum Beispiel fand das Labor krebs­erzeugendes Chrysen, einen PAK. In seiner roten Schnur steckte krebs­erzeugendes Benzidin als Bestand­teil eines Farb­stoffs. Benzidin ist in der EU verboten, der Frosch ist nicht verkehrs­fähig. Wegen kritischer Funde mangelhaft waren auch drei von vier Holz­zügen im Test sowie ein Fahr­zeug, dessen Holz­teile sich zusammen­stecken lassen. Einige Puzzles gaben zudem aus ihren Sperr­holz­platten höhere Mengen Form­aldehyd ab. Auch das Gas Form­aldehyd steht im Verdacht, Krebs zu erzeugen.

14 Spielzeuge sind gut und befriedigend

Es gab acht gute und sechs befriedigende Produkte im Test. Die gut bewerteten Spielsachen sind sicher und unbe­lastet. Sie kommen häufig aus Deutsch­land, aber auch aus China und Vietnam. Akzeptabel ist zudem Spielzeug, das im Test befriedigend abge­schnitten hat. Die Kleinen können damit spielen. Die Test­ergeb­nisse zeigen: Es ist möglich, Spielzeug zu produzieren, dass die Gesundheit der Kinder nicht gefährdet. Hier sind vor allem die Hersteller gefordert. Sie sollten zur Vorsorge aktiv nach alternativen, unkritischen Stoffen suchen und gefähr­liche Stoffe voll­ständig ersetzen.

EU-Grenz­werte für Schad­stoffe in Spielzeug oft zu hoch

Im Juli 2013 traten neue chemische Anforderungen der EU-Spielzeug-Richt­linie in Kraft. Sie enthält jetzt Rege­lungen für mehr Substanzen als zuvor. Experten in der EU diskutieren aber weiter über die Risiken gefähr­licher Stoffe in Spielzeug wie bestimmte PAK, Schwer­metalle oder stark krebs­erzeugende Nitrosamine – letztere können bei der Herstellung von Gummi entstehen. Deutsch­land hat zum Beispiel durch­gesetzt, dass es seine strengeren Grenz­werte für gefähr­liche Nitrosamine erst einmal beibehalten darf. Denn die in der Spielzeug-Richt­linie genannten Grenz­werte sind für bestimmte Stoffe immer noch zu hoch. Weitere Nachbesserungen sind nötig. Ein großes Problem sind vor allem Schad­stoffe, die als krebs­erzeugend, erbgutver­ändernd und fort­pflan­zungs­gefähr­dend einge­stuft sind. So erlaubt die Spielzeug-Richt­linie beispiels­weise für viele krebs­erzeugende Stoffe einen Gehalt von bis zu 1 000 Milligramm pro Kilogramm. Für Kinder sind diese Grenz­werte, die aus dem Chemikalienrecht abge­leitet sind, nicht angemessen — vor allem in Spielzeug, das sie in den Mund nehmen können. Kinder reagieren wesentlich empfindlicher auf gefähr­liche Stoffe als Erwachsene.

Darauf können Eltern achten

Eltern sollten Spielzeug mit Prüfsiegel bevor­zugen. Unabhängige Institute vergeben das GS-Zeichen für geprüfte Sicherheit und eigene Siegel. Sie stellen höhere Anforderungen und bieten mehr Schutz als das CE-Zeichen. Mit diesem versichern die Hersteller nur, dass sie sich an die gesetzlichen Vorgaben der EU halten. Unabhängige Kontrollen finden nicht statt. Allerdings wiesen nur fünf der 30 geprüften Spielzeuge ein GS-Zeichen auf. Drei davon sind gut, je eins befriedigend und eins ausreichend. Ein deutlich besseres Ergebnis als das Gesamt­feld und damit eine Empfehlung für das GS-Zeichen.

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