Holzpelletkessel Test

Holzpellets: Hand voll Energie.

Sie gelten als die „grünen“ Vertreter unter den modernen Heizkesseln. Aber das Heizen mit Holzpellets ist meist noch nicht effizient genug.

Schuld an allem ist der Installateur. Er hatte zu einem Informationsabend über Holzpelletheizungen eingela­den. Auch Sabine und Reinhold Vogel aus Hattingen gingen hin. Wenige Tage später stand ihr Entschluss fest: Der 13 Jahre alte Gasheizkessel sollte einem Holzpelletkessel Platz machen. Nachdem die Förderanträge bewilligt waren und der Schornsteinfeger zugestimmt hatte, wurde der neue Kessel im Keller installiert – und auf dem Dach noch eine Solaranlage. Im Dezember 2004 war nach zwei Tagen das Energie sparende und umweltschonende Heizsystem fürs Haus betriebsbereit.

„Ich kann jedem einen Holzpelletkessel empfehlen“, sagt Sabine Vogel nach dem ersten Winter. Drei Tonnen Holzpellets, gebunkert in einem separaten Raum, hätten für die etwas verkürzte Heizperiode gereicht, um es warm zu haben. Nur zweimal musste Familie Vogel den Aschekasten leeren. Jetzt aber macht der Heizkessel Pause und die Solaranlage bereitet das warme Wasser für Dusche und Bad.

Wie die Vogels heizen heute über 30 000 deutsche Haushalte mit den Presslingen aus gemahlenen Sägespänen (siehe Artikel Bennstoff Holzpellets). Der feste Brennstoff Holz lässt sich mit den normierten Pillen fein dosieren und ist zu einer ernsthaften Alternative für Heizöl und Erdgas geworden. Mehr noch: Nur Holz verbrennt kohlendioxid-neutral. Beim Verbrennen wird so viel Kohlendioxid (CO2) freigesetzt, wie die Pflanze während des Wachstums gebunden hat. Würde das Holz im Wald verrotten, gelangte dieselbe CO2-Menge in die Luft wie beim Verbrennen.

Verbesserungen erwünscht

Holzpelletkessel Test

Brenner für einen Pellet-Einzelofen. Die Holzwürmlinge gelangen mithilfe einer Förderschnecke oder eines Sauggebläses in den Pelletspeicher. Die Pelletzufuhr wird automatisch je nach Wärmebe­darf geregelt.

Bei den Vogels ging der Start in die neue Heizzeit reibungslos über die Bühne. Anders in unserem Test von zehn Holzpelletkesseln für Einfamilienhäuser. In einigen Montageanleitungen lasen wir, dass nur ein „Werksvertreter“, ein „autorisierter Fachmann“ oder „Kompetenzpartner“ die Kessel erstmals in Gang setzen darf. Für unseren Test im Prüfinstitut konnten wir natürlich nicht auf Personal der Anbieter zurückgreifen. Warum auch? Anhand der zugehörigen Montage- und Bedienungsanleitung sollte es jeder Fachmann schaffen, den Kessel richtig zu ins­tallieren und einzustellen.

Doch weit gefehlt. Die Montageanleitungen von Hargassner und Gilles waren unzureichend, bei Biotech fehlten Angaben zur Installation, bei Wagner waren die Angaben widersprüchlich. Erst nach etlichen Telefonaten mit dem Service der Anbieter schafften es die Prüfingenieure, mit den Kesseln problemlos zu heizen. Ein Aufwand, wie wir ihn von Öl- und Gaskesseln nicht kennen – und Käufern und fachkundigen Heizungsbauern auch nicht zuzumuten sind.

Dass noch manches zu verbessern ist, zeigt auch die Energieausnutzung. Während moderne Öl- und Gasheizkessel unter den idealen Bedingungen eines Prüfstands in den letzten Tests bei mindestens 95 Prozent liegen, fallen die Nutzungsgrade der Holzpelletkessel im Test mit höchstens 88 Prozent deutlich ab. In der Praxis sind die Werte fast immer noch niedriger. Trotzdem geht die Branche mit Wirkungsgraden von um die 90 Prozent auf Kundenfang. Grund: Diese hohen, irgendwann einmal bescheinigten Werte garantieren dem Kunden staatliche Zuschüsse für den neuen Holzpelletkessel.

„Befriedigende“ Energieausnutzung

Wer sich für Holzpellets als Brennstoff entscheidet, muss noch Abstriche beim Energiesparen machen. Wir haben die Energieausnutzung bestenfalls mit „befriedigend“ bewertet. Der Gilles-Kessel erhielt wegen schlechterer Werte in diesem Prüfpunkt sogar ein „Ausreichend“.

Nächster Knackpunkt: die Einstellungen der Kessel ab Werk. Die voreingestellten Minimalwerte waren vielfach zu hoch, um eine Teillast von 30 Prozent zu erreichen (Fröling, Hargassner, KWB). Sie ist typisch für das Heizen in der Übergangszeit und bei anderen Heizkesselarten normal. Falls nicht am Aufstellort nachjustiert wird, heizt der Kessel mehr als nötig. Er verschwendet Energie, falls kein Pufferspeicher im Heizsystem die überschüssige Energiemenge zurückhält, bis sie gebraucht wird (siehe Tipps).

Stand-by-Verbrauch zu hoch

Wenig sparsam ist auch ein Stand-by-Verbrauch von 16 bis 18 Watt (Biotech, Gilles, Hargassner), wenn Mitkonkurrenten mit nur 3 (Wagner) oder 4 Watt (Windhager) in der Bereitschaftszeit auskommen. Das führt zu Abwertungen.

Schlecht für die Umwelt ist ein hoher Staubgehalt im Abgas. Für die Vergabe des Umweltzeichens Blauer Engel für Holzpelletkessel dürfen 30 Milligramm pro Kubikmeter Abgas bei Nennleistung nicht überschritten werden. Hier zeigten sich alle Pelletkessel von ihrer sauberen Seite.

Mindestens 10 000 Euro

Ein Holzpelletkessel mit Regelung und Fördersystem kostet mindestens 10 000 Euro. Die preiswerte Ausnahme im Test: ÖkoFen für 9 360 Euro. Installateure unterbieten die Listenpreise der Anbieter in der Tabelle oft um 5 bis 20 Prozent. Nicht enthalten in den Kosten ist ein Pufferspeicher, das Lager und die Montage.

Die Wirtschaftlichkeit der Pelletzentralheizung wird aber durch Zuschüsse des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) und der Kreditanstalt für Wiederaufbau verbessert. Der BAFA-Zuschuss beträgt 60 Euro je Kilowatt installierter Nennwärmeleistung, mindestens 1 700 Euro für Anlagen mit 90 Prozent Kesselwirkungsgrad (nach Anbieterangabe). Auch einige Bundesländer gewähren eine Förderung. Wichtig: Erst Förderan­trag stellen, dann Vertrag ab­schließen.

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