Das Hoch­wasser in weiten Teilen Süd- und Ostdeutsch­lands richtet große Schäden an. Die Bundes­regierung hat ein Hilfs­paket von rund acht Milliarden Euro zugesagt. Betroffenen soll zudem auch durch steuerliche Maßnahmen geholfen werden. test.de erklärt, wie das funk­tioniert.

Steuerschuld kann zinslos gestundet werden

Die Finanz­ministerien der Länder Baden-Württem­berg, Bayern, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen haben im Internet veröffent­licht, mit welchen Steuererleichterungen die Opfer der Hoch­wasser-Katastrophe rechnen können. So können Steuerschulden beispiels­weise zinslos gestundet werden, wenn Betroffene bis zum 30. September 2013 einen entsprechenden Antrag beim Finanz­amt stellen. Zudem werden die Finanz­ämter bei den steuerlichen Nach­weis­pflichten groß­zügig verfahren. Als Spenden­nach­weis genügt ein Konto­auszug als Beleg – eine originale Spenden­bescheinigung ist nicht nötig. Und auch bei Verlust von Buch­führungs­unterlagen sollen Flut­opfer keine Nachteile befürchten müssen.

Wichtige Steuer­vorteile für Arbeitnehmer

In Not geratene Arbeitnehmer können vom Chef finanzielle Unterstüt­zung bekommen, ohne das sie dem Finanz­amt davon abgeben müssen. Bis zu einem Betrag von 600 Euro im Jahr sind steuerfrei. Die Finanz­ämter in Bayern, Brandenburg, Sachsen und Thüringen verzichten aufgrund des Notfalls auf die Grenze von 600 Euro für steuerfreie Unterstüt­zung. Hier werden auch Beträge über 600 Euro als steuerfrei verbucht.

Die Kosten für die Wiederbeschaffung von Hausrat und Kleidung sind als außergewöhnliche Belastung absetz­bar, sofern diese nicht von einer Versicherung ersetzt werden. Steuerlich begüns­tigt sind aber nur Ausgaben für Neukauf und Reparatur von existenziellen Sachen wie Wohnung, Möbel, Hausrat und Kleidung. Aufwendungen für Außen­anlagen, die Garage, den Pkw oder das Wochen­endhaus werden nicht berück­sichtigt.

Katastrophen­erlass und Billigkeits­regelung

Normaler­weise erkennen die Finanz­ämter Ausgaben für Hausrat und für Schäden in der eigenen Wohnung oder im eigenen Haus nur dann als außergewöhnliche Belastung an, wenn für den entstandenen Schaden keine „allgemein übliche Versicherungs­möglich­keit“ bestand. Eine Hausratversicherung ist zwar eine allgemein übliche Versicherung – zahlt aber nicht bei Schäden durch Hoch­wasser. Eine Elementarschaden-Versicherung hingegen über­nimmt Hoch­wasser-Schäden. Diese Police gilt aus steuerrecht­licher Sicht aber nicht als allgemein zugäng­lich. Geschädigte müssen deshalb keine Angst haben, dass die Finanz­ämter Aufwendungen für existenzielle Dinge nicht über­nehmen. Die Finanz­beamten verfahren bei Katastrophen wie Hoch­wasser zudem nach anderen Regeln und über­prüfen dabei die Frage der Versicherung meist gar nicht.

Auch Selbst­behalt absetzen

Wenn die eigene Versicherung für die Schäden aufkommt, der betroffene Steuerzahler aber einen Selbst­behalt tragen muss, kann er den Betrag des Selbst­behalts ebenfalls in der Steuererklärung geltend machen. Gleiches gilt, wenn die Versicherung nur bis zu einer bestimmten Schadens­summe zahlt, die eigene finanzielle Belastung durch das Hoch­wasser aber darüber hinaus­geht. Der Differenz­betrag kann dann ebenfalls steuer­mindernd geltend gemacht werden.

Tipp: Auf Antrag trägt das Finanz­amt die außergewöhnliche Belastung auch als Frei­betrag in die Lohn­steuerkarte ein.

Sonder­abschreibungen für Vermieter und Pächter

Vermieter und Pächter können für den Wieder­aufbau von Gebäuden Sonder­abschreibungen bis zu 30 Prozent der Kosten beim Finanz­amt beantragen. Aufwendungen für die Beseitigung von Schäden an Gebäuden und am Grund und Boden werden ohne nähere Nach­prüfung als sofort als abzugs­fähige Werbungs­kosten behandelt, wenn sie den Betrag von 45 000 Euro nicht über­steigen.

Regeln für Selbst­ständige und Land­wirte

Selbst­ständige und Land­wirte können für Kosten zum Wieder­aufbau von Betriebs­gebäuden Sonder­abschreibungen bis 30 Prozent beantragen. Für Neuanschaffungen von verlorenen oder zerstörten beweglichen Anlagegütern wie zum Beispiel Betriebs­fahr­zeuge, EDV-Anlagen oder Büro­einrichtungen, gibt es Sonder­abschreibungen bis 50 Prozent der Anschaffungs- oder Herstellungs­kosten. Ausgaben für die Wieder­herstellung beschädigter Betriebs­gebäude und beschädigter beweglicher Anlagegüter, sowie Aufwendungen für Beseitigung und von Schäden an Grund und Boden werden als Erhaltungs­aufwand anerkannt und können damit als Werbungs­kosten abge­schrieben werden. Es gilt aber auch hier die Grenze von 45 000 Euro.

Tipp: Alle Betroffenen sollten sich wegen möglicher steuerlicher Hilfs­maßnahmen mit ihrem zuständigen Finanz­amt in Verbindung zu setzen.

Weitere Infos im großen Hoch­wasser-Special

Wer für Hoch­wasser­opfer spendet, kann das steuerlich vergüns­tigend geltend machen. Wie Spender seriöse Spenden­organisationen finden, steht im Artikel Spenden für Flutopfer: Seriöse Organisationen erkennen. Tipp: Umfassende Informationen rund ums Hoch­wasser finden Sie im Special Hochwasser: Infos und Tipps für Betroffene.

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