Wenn die Flut den Job beein­trächtigt

Hoch­wasser Special

Schlagen die Naturge­walten zu, sind immer auch Firmen und Arbeitnehmer betroffen. test.de erklärt, ob man seinen Job riskiert, weil man zu Hause Sandsäcke schleppt – oder ob der Chef das Gehalt kürzen darf, weil die Arbeits­stätte über­flutet ist.

Wohnung unter Wasser

Wenn ein Arbeitnehmer sein Hab und Gut sichern oder den Evakuierungs­anordnungen der Katastrophenbehörde Folge leisten muss und deswegen nicht zur Arbeit kommen kann, darf der Chef ihm nicht das Gehalt kürzen. Denn der Arbeitnehmer behält seinen Vergütungs­anspruch, der ihm nach Paragraf 616 Bürgerliches Gesetz­buch zusteht, weil der Grund für das Versäumen der Arbeit nicht „in seiner eigenen Person liegt“. Damit Betroffene keine Probleme bekommen, sollten sie aber sofort ihren Arbeit­geber informieren und auch abklären, wie lange sie zu Hause noch gebraucht werden.

Straßen unter Wasser

Kann der Arbeitnehmer wegen über­schwemmter Straßen oder ausfallender Zugverbindungen nicht zur Arbeit kommen, hat er grund­sätzlich keinen Anspruch auf seinen Lohn, denn das Wegerisiko, den Arbeits­platz (pünkt­lich) zu erreichen, trägt der Arbeitnehmer (BAG, Az. 5 AZR 283/80). Eine Abmahnung riskieren Arbeitnehmer, die wegen des Hoch­wassers zu spät oder gar nicht zur Arbeit erscheinen, aber nicht auto­matisch. Sie darf nur bei Verschulden des Arbeitnehmers ausgesprochen werden. Daran fehlt es bei einer akuten Notlage.

Betrieb unter Wasser

Anders sieht es aus, wenn der Arbeitnehmer zur Arbeit erscheint, der Betrieb aber wegen des Hoch­wassers lahmgelegt ist. In diesem Fall trägt der Unternehmer das Risiko. Er muss seinen Angestellten trotzdem den Lohn weiter zahlen (BAG, Az. 5 AZR 810/07). Der Arbeit­geber kann aber in solchen Fällen für seine Angestellten Kurz­arbeitergeld bei der Bundes­anstalt für Arbeit beantragen und so sein Risiko minimieren. Die Anträge können bei der Bundesagentur für Arbeit herunter­geladen werden. Die Industrie- und Handels­kammern empfehlen allen betroffenen Unternehmen, die Schäden sofort und sorgfältig zu dokumentieren. Die Kredit­anstalt für Wieder­aufbau (KfW) bereitet gerade ein ein Soforthilfeprogramm vor. Die Bundes­regierung hat 100 Millionen Euro bewil­ligt.

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