Hoch­druck­reiniger Test

Viel Druck. Je kraft­voller die Sprühlanze, desto größer der Spaß.

Vier von elf Hoch­druck­reinigern im Test machen echte Freude bei der Arbeit. Die anderen schwächeln oder verenden viel zu früh.

John Wayne mit der Winchester, Clint Eastwood mit dem Colt und ich mit dem Kärcher. So mag sich mancher fühlen, wenn er vorm Haus seine Hoch­druck­reiniger­pistole zückt, den Bajonett­verschluss der Sprühlanze einrastet und den Griff durch­zieht. Ein kräftiger Rück­stoß – schon schießt ein scharfer Strahl in Richtung des anvisierten Ziels. Yippie-ya-yeah, so schön kann Putzen sein!

Die Verkaufs­zahlen sind nicht nur rational zu erklären. Rund eine halbe Million Hoch­druck­reiniger finden jedes Jahr in Deutsch­land ihre Abnehmer. Der typische Kunde ist männ­lich und hat beste Argumente auf seiner Seite: endlich den Gehweg von Schmutz befreien, die Fassade gegen Grün­algen verteidigen, die Gartenmöbel vor dem Vergrauen retten, die Kinder­fahr­räder vor Dreck­krusten schützen. Und das sogar umwelt­schonend: mit Hoch­druck statt Chemie.

Hoch­druck­reiniger Test

Geräusch. Die Lärm­messung zeigt, wie stark die Nach­barn leiden müssen.

Spaß­bremsen könnten fragen, ob nicht ein Garten­schlauch zum Säubern reicht. Antwort: Je hartnä­ckiger der Schmutz, desto mehr spricht für den Hoch­druck­reiniger. Der Schlauch muss mit dem Leitungs­druck auskommen, den das Wasser­werk zur Verfügung stellt. Das sind zum Beispiel 5 bar – so viel, als würde das Wasser aus einem 50 Meter hohen Turm herunter­drücken. Ein guter Hoch­druck­reiniger hat mehr Power. Er wird auch an den Garten­schlauch ange­schlossen, aber seine Hoch­leistungs­pumpe erhöht den Betriebs­druck auf über 100 bar. So viel, als wäre der Wasser­turm mehr als 1 000 Meter hoch.

Es muss kein Kärcher sein

Viele, die einen Hoch­duck­reiniger kaufen wollen, denken an den Markt­führer. „Kärchern“ gilt als Synonym fürs Arbeiten mit der Kraft­spritze. Im Test treten drei Kärcher-Modelle gegen acht Konkurrenten an. Spannend: Zu den gelb-schwarzen Geräten gibt es zwei gute Alternativen – von Kränzle und von Stihl. Doch Vorsicht vor Billiggeräten. Auf dem Prüf­stand erweisen sich die meisten vermeintlichen Schnäpp­chen als Fehl­investition. Die Mängel­liste reicht von schwächlicher Reinigungs­leistung bis zu kurzer Halt­barkeit. Am Ende lauten die test-Qualitäts­urteile viermal Gut, dreimal Befriedigend, zweimal Ausreichend und zweimal Mangelhaft.

Mit Dreck­fräse und Flach­strahl

Hoch­druck­reiniger Test

Tiefen­reinigung. Oft muss anschließend feiner Fugensand nachgestreut werden.

Der Gehweg vorm Prüf­institut ist nach diesem Test so sauber wie seit vielen Jahren nicht mehr. Kleiner Schön­heits­fehler: Die Fläche ähnelt jetzt einem Schach­brett­muster. Die Prüfer haben viele einzelne Test­quadrate gereinigt – jeweils mit einem Gerät und einer Düse. Fast alle Geräte im Test arbeiten mit zwei Düsen, die sich wahl­weise auf die Sprühlanze montieren lassen: eine mit rotierendem Wasser­strahl, die andere mit fächerförmigem Flach­strahl. Die Prüfer beur­teilen die Reinigungs­leistung beider Zubehör­teile.

Tipp: Nutzen Sie den Flach­strahl eher für leichte Anschmut­zungen. Die rotierende Düse eignet sich für hartnä­ckigen Schmutz auf unempfindlichem Unter­grund.

Gute reinigen schneller

Hunderte von Beton­pflaster­steinen abzu­spritzen, ist eine eher mono­tone Tätig­keit. Auch die zweite Aufgabe im Test, die mit weißer Farbe bepinselten Betonplatten zu reinigen, bereitet den Prüfern nicht wirk­lich Spaß. Doch der Aufwand lohnt. Gleich­artiger Schmutz auf gleich­artigem Unter­grund garan­tiert einen fairen Vergleich. Die besten Hoch­druck­reiniger im Test erledigen die Arbeit in einem Drittel der Zeit, die schwache Geräte benötigen. Die Siegermodelle von Kärcher und Kränzle über­zeugen oben­drein mit gleich­mäßig sauber gereinigten Oberflächen.

Der Kränzle schafft am meisten

Große Unterschiede in der Reinigungs­leistung belegt auch eine Unter­suchung auf dem Prüf­stand. Hier sind hell­blaue Kunst­stoff­platten von schwarzer Farbe zu befreien. Wie weit darf sich die Düsenspitze vom Unter­grund entfernen, ohne die optimale Farb­entfernung zu gefährden? Der Kränzle-Reiniger ermöglicht mit seiner rotierenden Düse den weitesten Abstand. Entsprechend breit ist der von Farbe befreite Streifen, der beim Bewegen der Lanze entsteht. Schwächere Geräte schaffen weniger als halb so große Flächen. Der Vorteil der Stärke lässt sich auch in Zeit bemessen: Ist die gereinigte Fläche doppelt so groß, spart das die Hälfte der Arbeits­zeit.

Tipp: Je öfter Sie einen Hoch­druck­reiniger verwenden und je größer Ihre Projekte sind, desto mehr lohnt der Kauf eines Geräts mit hoher Reinigungs­leistung. Lassen Sie sich bei der Auswahl nicht zu sehr von Werbung mit hohen Betriebs- oder gar Maximaldrücken beein­drucken. Unser Test zeigt: Wichtiger für das tatsäch­liche Reinigungs­vermögen ist das optimale Zusammen­spiel von Pumpe und Düse.

Die vier Schlapp­macher

Eine gute Kraft­spritze sollte so konstruiert sein, dass die Arbeit mit ihr viele Jahre lang Spaß macht. Sie sollte solide genug sein, um sie getrost auch an Nach­barn und Freunde ausleihen zu können.

Die Halt­barkeit prüfen wir nach dem Zeitrafferprinzip. So lässt sich ermitteln, ob die Geräte voraus­sicht­lich im Laufe der Zeit auch erhöhten Arbeits­beanspruchungen standhalten. Ziel für jedes Modell ist es, die im Prüf­programm vorgesehenen 300 Test­zyklen zu über­stehen So haben wir getestet. Das schafften die Test­kandidaten weit­gehend problemlos – bis auf vier Ausnahmen: Einhell, Güde, Lux HD-150/2000 und Top Craft. Erfreulich: Sogar einige der billigsten Geräte im Test über­lebten den Dauer­test: Nilfisk, Kärcher K2 basic und Lux HD-100/1400.

Tipp: Viele Hoch­druck­reiniger halten zwar hohem Wasser­druck stand, nicht aber der Spreng­kraft von Eis. Ihnen droht der Kälte­tod in der Garage. Sorgen Sie für frostsicheres Über­wintern des Geräts. Wenn Sie es in der kalten Jahres­zeit nicht nutzen, sollten Sie es im Herbst komplett entleeren.

Eine Frage der Sicherheit

Wasser und Strom in einem Gerät? Sofort stellt sich die Frage nach der elektrischen Sicherheit. Die Tester kontrollierten, was passiert, wenn der scharfe Wasser­strahl den Hoch­druck­reiniger selbst trifft. Die meisten Geräte sind so konstruiert, dass kein Wasser ins Gehäus­einnere dringt. Anders bei den Modellen von Einhell, Güde und Lux: Hier können unter ungüns­tigen Bedingungen Spritzer hinein­gelangen und auf spannungs­führende Teile treffen. Die Folge wäre zum Beispiel ein Kurz­schluss. Da der Nutzer bei der Arbeit aber normaler­weise nur mit elektrisch nicht leitenden Kunst­stoff­teilen in Kontakt kommen kann, lautet unser Urteil für die Sicherheit nicht mangelhaft, sondern ausreichend.

Ein Top Craft brannte im Dauer­test

Ein anderes Problem hatte ein Top-Craft-Hoch­druck­reiniger von Aldi (Nord): Er geriet auf dem Dauer­prüf­stand in Brand Die Macken der vier Schusslichter. Die Tester waren alarmiert und untersuchten weitere Top Crafts. Dabei fiel im Dauer­test nochmals ein Gerät vorzeitig mit Motorschaden (Lagerschaden) aus – mit Über­hitzungs­spuren. Bei allen Top Crafts bemerkten die Tester, dass sie sich auf dem Prüf­stand stärker erwärmten als Konkurrenzmodelle. Grund ist die vergleichs­weise­geringe Luft­kühlung des mehr als 1 300 Watt ziehenden Motors. Anderer­seits geriet bei den Unter­suchungen kein weiteres Aldi-Modell in Brand. Die Ursache für das Feuer bleibt letzt­lich ungeklärt.

Tipp: Für übliche Arbeits­einsätze können Sie den Top Craft verwenden. Bei starker Erhitzung, Qualm, Druck­verlust oder untypischem Lärm sollten Sie aber sofort abschalten und den Kunden­dienst kontaktieren.

Aufsplitterndes Holz, gelöster Putz

Frust bereiten können auch kraft­voll arbeitende Hoch­druck­reiniger. Kommen ihre Düsen empfindlichen Oberflächen zu nahe, drohen böse und teure Schäden. Ein zu scharfer Wasser­strahl kann zum Beispiel Sand­stein verunstalten, Holz­oberflächen aufsplittern, Fassadenputz lösen und sogar Beton aufrauen. An Fahr­rädern kann das Spritzen Schmutz und Wasser durch Dichtungen drücken oder Lager zerstören. Auto­mobil­hersteller warnen vor Schäden an Lack, Gummi­dichtungen und Reifen. Eine Daimler-Sprecherin empfahl auf Nach­frage, grund­sätzlich einen Mindest­abstand von 40 Zenti­metern einzuhalten.

Tipp: Reinigen Sie im Zweifel mit Vorsicht und Gefühl. Zur Auto­wäsche besser in die Wasch­anlage fahren. Das schont das Auto und die Umwelt. Vieler­orts ist das Reinigen am Straßenrand sogar verboten. Grund: Ölreste und Chemikalien könnten ins Grund­wasser sickern oder über einen Regen­wasser­kanal im nächsten Bach landen.

Schutz vor Quer­schlägern

Hoch­druck­reiniger Test

Zubehör. Flächen­reiniger (Lux HD-150, Kärcher K7) verhindern Drecks­pritzer.

Umwelt­schonend im direkten Wort­sinn fanden unsere Tester die Flächen­reiniger von Kärcher und Lux. Deren Kunst­stoff­hauben hindern die darunter rotierenden Düsen daran, als Dreck­schleudern die Fassaden und anderes zu verschmutzen. Nachteil: Das „Kärchern“ wirkt so vergleichs­weise uncool. Immerhin: Es drohen weder Fehl­schüsse noch Quer­schläger.

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