Hoch verzinste Anleihen Meldung

Mit solchen Broschüren werben einige Herausgeber von Direktanleihen.

Mit 7 bis 7,8 Prozent Zinsen pro Jahr werben Herausgeber von Direktanleihen in Zeitungen und im Videotext. Doch die Papiere sind nicht so sicher, wie sie wirken.

So hohe Zinsen? Das interessiert viele Anleger, denen aus der Berliner Morgenpost eine Werbebeilage der Firma „DM Beteiligungen“ entgegenkommt. 7 Prozent Zinsen pro Jahr bietet das Unternehmen Anlegern, die eine Direktanleihe der Firma mit einer Laufzeit bis März 2008 kaufen.

Die „ISS AG“ bietet im Videotext des Fernsehsenders n-tv sogar 7,8 Prozent Zinsen im Jahr, ebenfalls für eine Direktanleihe. Solche Offerten toppen gute Angebote von Banken und Sparkassen um rund drei Prozentpunkte. Kein Wunder, dass viele Sparer das Werbematerial studieren. „Kein Kursrisiko“, „fester Zinssatz“ oder „keine Haftung für Verbindlichkeiten der Gesellschaft“, heißt es da.

„Die Papiere werden verkauft wie eine sichere Geldanlage. Das sind sie aber nicht“, kritisiert Thomas Bieler von der Verbraucher-Zentrale Nordrhein-Westfalen. Mit dem Kauf einer Anleihe gewährt der Anleger dem Herausgeber der Wertpapiere einen Kredit. Ob er seine Zinsen bekommt und später das eingesetzte Kapital zurückerhält, hängt von der wirtschaftlichen Entwicklung des Unternehmens ab.

Geht das Unternehmen Pleite, muss der Anleger Verluste hinnehmen.

Das Geschäft der Firma DM Beteiligungen sind Investitionen in Immobilien und in andere Firmen. In ihrer Werbebroschüre schreibt DM Beteiligungen: „Keine Haftung für Verbindlichkeiten der Gesellschaft.“ Das mag beruhigend klingen, nützt Anlegern im Fall einer Pleite aber nichts. Bei Insolvenz ist ihr Geld meist verloren. Denn bevor die Anleihebesitzer Geld zurückbekommen, sind nach dem Gesetz erst einmal alle anderen Gläubiger an der Reihe. Reicht das Vermögen von DM Beteiligungen dafür nicht, kann auch das Kapital der Anleger dran glauben.

Anders als die Einlagen auf Girokonten oder in Sparbriefen sind Unternehmensanleihen nicht durch eine Einlagensicherung geschützt.

Unkalkulierbares Risiko

Wie hoch das Insolvenzrisiko eines Unternehmens ist, können Kleinanleger, die Direktanleihen kaufen, kaum einschätzen. Normalerweise helfen unabhängige Ratingagenturen wie Moody's oder Standard & Poors. Sie bewerten die Zahlungsfähigkeit, die Bonität von Unternehmen. Bei Firmen mit guten Noten, etwa dreifach A, ist die Rückzahlung einer Anleihe sehr sicher.

Doch für ein Rating müssen die Unternehmen bezahlen. Kleine Unternehmen wie etwa ISS AG, DM Beteiligungen oder die PCC GmbH können sich dies kaum leisten.

Sie geben sich deshalb viel Mühe, in ihrem Informationsmaterial sicher auszusehen, um Abnehmer für ihre Papiere zu finden. Dabei bedienen sie sich ganz unterschiedlicher Maschen:

Die PCC GmbH, eine Firma, die mit Rohstoffen von Basischemikalien bis Kohle handelt und auch im Strommarkt mitmischt, wirbt mit einer sehr guten Platzierung beim Bonitätsindex von Creditreform. PCC verkauft Anleihen mit einer Laufzeit bis Oktober 2007 und bietet einen Zinssatz von 6,5 Prozent jährlich.

Im Werbeprospekt soll die Bewertung von Creditreform Vertrauen schaffen. 100 Punkte vergibt der Wirtschaftsinformationsdienst für die beste Bonität, 600 für die schlechteste. PCC hat immerhin 189 Punkte. Das klingt nach einer sicheren Anlage.

„PCC hat unseren Bonitätsindex zweckentfremdet“, sagt aber Michael Bretz, Pressesprecher von Creditreform. „Dieser Index ist auf keinen Fall als Rating zu verstehen, sondern es handelt sich um eine Zeitpunktbetrachtung.“ Ob PCC in vier Jahren die Anleihe mit einem Gesamtvolumen von 20 Millionen Euro zurückzahlen kann, darüber sagt der Bonitätsindex nichts aus. Er bewertet lediglich die aktuelle Kreditwürdigkeit. Die ist zum Beispiel für Lieferanten wichtig, die wissen wollen, ob eine Firma ihre Ware bezahlen kann.

Die Firma ISS AG, die bei n-tv wirbt, ersteigert gebrauchte Immobilien und verkauft sie wieder. Um die Sicherheit ihrer Wertpapiere zu betonen, nennt sie diese in einem Atemzug mit Bundesschatzbriefen. Doch damit ist das Risiko der Anlage nicht vergleichbar.

Eine andere Firma, die Wohnungsbaugesellschaft Leipzig-West, wurde für eine ähnliche Werbung vom Verbraucherzentrale Bundesverband schon einmal abgemahnt. Inzwischen hat sie ihren Prospekt geändert.

Verkaufsprospekt genau lesen

Sparer, die beim Geldanlegen ein hohes Risiko eingehen, erhalten normalerweise eine hohe Verzinsung. Beim Kauf einer Direktanleihe kann der Anleger jedoch nicht beurteilen, ob er mit den ­lukrativ klingenden Zinsen für sein Risiko ausreichend entlohnt wird.

Beim Anleihenkauf über die Börse kann er wenigstens die Rendite von Papieren mit gleichem Rating und damit ähnlichem Risiko vergleichen.

Einige Hinweise über Risiken von Direktanleihen liefert immerhin der Verkaufsprospekt. „Viele Anleger lesen ihn aber nicht gründlich genug durch“, sagt Finanzexperte Thomas Bieler.

In den Werbeprospekten von DM Beteiligungen und der ISS AG steht zum Beispiel „frei übertragbares Wertpapier“. Das klingt, als könne der Anleger frei über das Papier verfügen und es jederzeit wieder verkaufen. Wer aber die umfassenden Verkaufsprospekte liest, erfährt, dass es ungewiss ist, ob sich ein privater Markt für das Papier entwickelt. „Es muss daher damit gerechnet werden, dass der Kapitalrückfluss ... nicht vor Ablauf der vertraglichen Laufzeit stattfindet“, heißt es im Prospekt von ISS. Der Anleger geht also das Risiko ein, sein Papier während der Laufzeit nicht loszuwerden.

In der Risikoaufklärung von DM Beteiligungen steht, dass die Rückzahlung der Anleihe davon abhängt, ob die Gesellschaft „am Ende der Laufzeit den mit dieser Anleihe aufgenommenen Kredit zurückzahlen kann“. Sofern DM Beteiligungen die Anleihe nicht zurückzahlen kann, „verlängert sich die Verzinsung ... bis zu dem Tag der tatsächlichen Tilgung“. Hat der Anleger Pech, sieht er sein Geld erst wieder, wenn DM Beteiligungen flüssig ist. Es wird aber verzinst.

DM Beteiligungen hat offensichtlich einen hohen Finanzbedarf. Bis 30. September lief die Emission einer Anleihe mit einem Volumen von 10 Millionen Euro. Ende Februar muss DM Beteiligungen eine andere Anleihe in gleicher Höhe an die Anleger zurückzahlen.

Im Prospekt steht zur Verwendung des Anleihekapitals: Die Anleihe dürfe auch „zur Tilgung von sonstigen Verbindlichkeiten“ genutzt werden. Hierzu können auch die Zinszahlungen an die Anleger gehören.

Hohe Provision entzaubert Zinsen

Die ISS AG gibt gerade eine sechs Jahre laufende Anleihe mit einem Zinssatz von sogar 7,8 Prozent im Jahr heraus. Was so lukrativ klingt, entpuppt sich als weniger schillernd, wenn man das Agio, eine Art Verkaufsprovision, berücksichtigt. Die ISS AG schlägt einmalig zu Laufzeitbeginn auf den Anlagebetrag noch 4,5 Prozent drauf. Rechnet man diesen Aufschlag mit ein, bleibt dem Anleger eine Rendite von rund 7 Prozent pro Jahr.

Bei DM Beteiligungen muss sich der Anleger selbst darum kümmern, dass er seine Zinsen bekommt. Er erhält einen Zinskupon, den er zum Zinstermin an die Firma schicken muss. Erst dann werden ihm die Zinsen überwiesen. Verliert er den Kupon, hat er kein Anrecht auf Rückzahlung seines Geldes.

Die ISS AG bietet ab einem Anlagebetrag von 25 000 Euro eine Sicher­heit durch eine Grundschuldeintragung und eine Abwicklung über einen Treuhänder an. Laut Treuhänder Rechtsanwalt Bernhard Brand werden die Ansprüche dieser Anleger für den Fall der Insolvenz gesondert befriedigt.

Im Verkaufsprospekt steht: „Wird die ISS AG zahlungsunfähig, wird der ... belastete ... Grundbesitz durch Verkauf oder Zwangsversteigerung verwertet. Erfahrungsgemäß können ... bei Verkäufen mehr als 70 Prozent der Verkehrswerte realisiert werden.“

Diese Anleihen sind zwar weniger riskant als ungesicherte Papiere. Eine Garantie, dass ein Anleger sein Geld zurückerhält, gibt es jedoch nicht.

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