Hitze­schutz Special

Ventilatoren, Klimageräte, Sonnen­schutz­folien, Jalousien – es gibt vieles gegen Hitze. Was hilft wirk­lich, was kostet es? Wie Sie jetzt einen kühlen Kopf bewahren.

Wenn das Thermo­meter schon morgens über die 25-Grad-Marke klettert, heißt es in vielen Klassen­zimmern: Hitzefrei – raus aus der Schule, rein ins Schwimm­bad. Doch nicht jeder freut sich über eine Hitzewelle. Wer im Büro arbeiten muss oder zuhause krank im Bett liegt, sehnt sich oft noch in der Nacht vergeblich nach ein wenig Kühle.

Ein Arsenal an Möglich­keiten

Irgend­wann fragt sich auch der Geduldigste: Was kann ich gegen die Hitze tun? Ein Blick in den Baumarkt­katalog verspricht schnelle Hilfe. Ventilatoren, Klimageräte, Rollos, Sonnen­schutz­folien – der Markt bietet ein ganzes Arsenal an Möglich­keiten. Wir haben es getestet: Einiges wirkt gut, anderes weniger. Manches ist teuer, anderes kostet kaum etwas. Und am Ende zeigt sich: Wer ernst­haft für sommerlichen Hitze­schutz sorgen will, muss an die Substanz – sprich ans Gebäude, um zum Beispiel die Wärmedämmung zu verbessern.

Mietern jedoch sind bei baulichen Veränderungen meist die Hände gebunden. Wohl auch daher gilt ihr erster Gedanke oft einem Ventilator. Der kostet in der Regel nicht viel und ist schnell gekauft. Wir haben drei verschiedene Modelle miteinander verglichen: einen Standventilator ohne Rotorflügel von Dyson, einen klassischen Standventilator mit großem Rotorblatt und einen Turmventilator mit einer innenliegenden Rotorwalze.

Ventilator: Es fühlt sich kühler an

Alle drei Ventilatoren haben wir von jeweils vier Prüf­personen testen lassen, die in einem 27 Grad warmen Zimmer saßen. Jedes Modell hat seine Vor- und Nachteile (siehe „Ventilatoren“). Generell sorgt ein Ventilator für ein Gefühl von kühler Luft auf der Haut. Der Effekt ist am stärksten, wenn man bereits schwitzt, da ein Ventilator im Grunde die Wirkung des Schwitzens verstärkt: Der Schweiß auf der Haut verdunstet im Luft­strom schneller und führt so die Körperwärme schneller ab. Kurzum: Es wird zwar nicht kühler im Zimmer, aber es fühlt sich kühler an, da der Körper abkühlt – solange der Ventilator die Luft im Raum bewegt.

Klimagerät: Kühl­schrank fürs Zimmer

Wer die Wärme wirk­lich aus seinem Zimmer vertreiben will, braucht mehr als einen Ventilator. Das schafft nur ein Klimagerät. Die sind allerdings umstritten. Die Gründe: Zum einen bekämpfen sie nur die Symptome der Hitze, nicht die Ursachen. Zum anderen fressen viele Klimageräte sehr viel Strom, bringen aber nur wenig Abkühlung. Ein Klimagerät funk­tioniert ähnlich wie ein Kühl­schrank. Damit sich das Zimmer abkühlt, trans­portiert es die Wärmeenergie nach draußen ins Freie. Es gibt zwei unterschiedliche Systeme: zwei­teilige Splitgeräte und einteilige Mono­block­geräte (siehe „Test Klimageräte“).

In unserem letzten Test von Klimageräten (test 06/2008) haben nur Splitgeräte gute Noten erzielt. Die Mono­block­geräte kühlten nicht ordentlich. Das liegt an ihrer unzu­läng­lichen Funk­tions­weise. Von den getesteten Modellen ist heute keines mehr auf dem Markt. Die prinzipielle Funk­tions­weise neuer Geräte ist aber noch immer die gleiche. Die warme Luft wird über einen Schlauch zum Fenster hinaus­geblasen. Da so ein Unter­druck im Raum entsteht, strömt permanent warme Luft nach.

Splitgeräte sind daher nach wie vor die bessere Wahl. Sie haben aber einen Nachteil: Ihre Installation ist aufwendig. Die Außenwand muss durch­brochen werden, um Innen- und Außen­teil zu verbinden.

Tipp: Als Mieter sollten Sie die Installation eines Splitgeräts unbe­dingt vor dem Kauf mit dem Vermieter absprechen und sich schriftlich genehmigen lassen.

Bedarf berechnen

Um das passende Klimagerät auswählen zu können, heißt es, vor dem Kauf den Kühlbedarf der Räume zu berechnen. Wie viel Kühl­leistung das Gerät bringen muss, hängt von vielen Faktoren ab. Wichtig sind vor allem Größe und Lage des Raumes, Anzahl und Größe der Fenster, Beschaffenheit der Außenwände, vorhandene Sonnen­schutz­vorrichtungen und die Wärme, die Geräte und Menschen in dem Raum erzeugen. Eine über­schlägige Berechnung der Kühllast hilft, ein Klimagerät gemäß den individuellen Wünschen zu finden.

Tipp: Einige Anbieter von Klimageräten haben „Kühllast­rechner“ ins Internet gestellt. Suchen Sie sich per Such­maschine einige aus und nutzen Sie die Rechner, um sich selbst ein Bild zu machen. Natürlich helfen auch professionelle Berater.

Neue Energielabel für Klimageräte

Klimageräte verbrauchen Strom und machen ein Geräusch. Sie müssen ein Energielabel tragen, das Auskunft über Stromeffizienz und Laut­stärke gibt. Zurzeit gelten noch die Label mit den Energieklassen A bis G. Die effizientesten Geräte tragen ein A. Ab 2013 gelten neue Label. Die spar­samsten Geräte werden mit A+, A++ und A+++ versehen. Strom­fresser der Klassen E bis G verschwinden dann schritt­weise vom Markt. Schon heute nutzen einige Anbieter die neuen Label freiwil­lig.

Energieklasse B besser als A

Die Kriterien des Energielabels für zwei­teilige Splitgeräte unterscheiden sich jedoch von denen für Mono­block­geräte. Das ist verwirrend. Die Energielabel von Mono- und Splitgeräten lassen sich nicht miteinander vergleichen. Die Label gestatten nur Vergleiche inner­halb der jeweiligen Bauart – Mono- mit Mono­gerät also, Split- mit Splitgerät. Im Handel führt das zurzeit zu absurden Situationen. Bei gleicher Energieeffizienz­klasse bringen die Splitgeräte meist mehr Abkühlung als Mono­geräte. Das heißt, im Alltag kühlt ein gutes Splitgerät der Energieklasse B meist effizienter als ein Mono­block­gerät der vermeintlich spar­sameren A-Klasse.

Im besten Fall schon bei der Planung

Besser, als die Wärme in den Räumen zu bekämpfen, ist es, sie gar nicht erst hinein­zulassen. Im besten Fall heißt das: Schon bei der Planung eines Gebäudes an den Hitze­schutz denken. Große Fens­terflächen, schlechte Gebäudedämmung, Südfassaden ohne Beschattung, falsch konzipierte Wintergärten – Bauherren und Architekten treffen so manche Entscheidung, die im Sommer schweiß­treibende Konsequenzen hat. Nicht alles lässt sich im Nach­hinein noch verbessern. Einiges aber schon.

Hitze in der Dach­geschoss­wohnung

Oft betrifft die Fehl­planung Dach­geschoss­wohnungen. Hier dominieren Leicht­baustoffe, die sich bei Hitze schnell erwärmen. Besser sind massive Baustoffe wie Ziegel oder Kalk­stein. Sie können viel mehr Wärme speichern und wirken als kühlender Puffer. Das größte Problem sind allerdings zu üppig bemessene Glasflächen. Bauherren sollten auf über­dimensionierte Schräg­fenster auf der Sonnenseite verzichten. Optimal sind senkrechte Dachgauben­fenster mit viel Dach­über­stand. Der schirmt die hoch­stehende Sommersonne ab, lässt aber die tief­stehende Wintersonne durch.

Tipp: Wenn Sie Solarkollektoren schräg an der Fassade montieren, liegen die Fenster darunter im Schatten. Solar­anlagen eignen sich außerdem auch gut als schützendes Dach von Wintergärten.

Dämmen hilft gegen Hitze und Kälte

Wichtig ist eine gute Wärmedämmung unterm Dach. Sie sorgt nicht nur im Winter für wohlige Wärme, sondern schützt auch vor der Sommer­hitze. Je dicker die Dämm­schicht, desto besser (siehe „Dachdämmung“ aus test 04/2012). Als Material bieten sich zum Beispiel Holz­faserdämm­stoffe an. Sie können die Wärme gut speichern. So gelangt die Sommer­hitze weniger und lang­samer ins Haus. Im Angebot sind groß­formatige massive Aufdachdämm­platten, die sich relativ einfach ober­halb der Sparren anbringen lassen.

Mit Jalousien, Roll­läden und Markisen lässt sich die Sonne vorüber­gehend aussperren – das ist ideal für tags­über selten genutzte Räume, in denen der zeit­weise fehlende Durch­blick nicht stört. Sie lassen sich einfach nach­rüsten und sind auch für Dach­fenster oft die beste Lösung.

Auch Sonnen­schutz­folien schützen vor Hitze, verdunkeln aber den Raum. Besser, aber auch deutlich teurer ist eine Sonnen­schutz­verglasung. Sie wirkt ähnlich wie eine Folie, lässt aber bei gleichem Hitze­schutz mehr Licht durch.

Tipp: Achten Sie bei der Wahl von Sonnen­schutz­glas auf die Gesamt­energiedurch­lässig­keit, den g-Wert. Je größer die Fens­terfläche, desto nied­riger sollte er sein.

Dieser Artikel ist hilfreich. 199 Nutzer finden das hilfreich.