Historischer Test Nr. 44 (August 1967) Meldung

“Billige Kameras besser als erwartet“, titelte test im August 1967. Erst­mals hatte die Stiftung Warentest „Laienkameras“ geprüft. Digitalkameras mit ihrem Komfort waren damals noch in weiter Ferne. Daher sollten die 30 Foto­apparate im Test (Preise: 2,95 - 112 Mark) vor allem “narrensicher“ sein: Roll­film oder Kassette einlegen – und drauf los knipsen. 13 Geräte machten gute Bilder und waren gleich­zeitig einfach zu hand­haben. Ganz vorn mit dabei: eine Instamatic.

Inzwischen testet die Stiftung Warentest nur noch Digitalkameras. Welche davon gut sind, verrät der Produktfinder Digitalkameras. Er enthält Test­ergeb­nisse, Preise und Ausstattungs­details zu insgesamt 1653 Kameras.

Verzicht auf Schnick­schnack

Auszug aus test 8/1967:

Der schiefe Turm von Pisa hat zwar manchmal eine zusätzliche Krümmung, und der Bade­strand unter wolkenlosem Himmel zeigt in den Ecken leichte Schatten. Dennoch erfreuen sich bereits über drei Millionen Deutsche ihrer Bild-Ausbeute: Sie sind stolze Besitzer einer einfachen Kamera, die fast von selbst Urlaubs­erinnerungen auf die Platte bannt.

Von 2,95 Mark bis 112 Mark kosten solche von uns geprüften Laienkameras, Nach­folger der guten alten Box. Man darf keine Wunder von ihnen verlangen. Für perfekte Profi-Aufnahmen sind sie nicht gebaut. Haupt­sächlich bei schönem Wetter aber sollen sie Fotos liefern, die man getrost ins Album kleben kann. Und: Die Bedienung muß so einfach wie möglich sein. Wir ließen 30 Foto­apparate dieser Preisklasse testen. Welche Kameras die besten Bilder machten, welche am einfachsten zu hand­haben waren, welche Schwierig­keiten es sonst noch gab – unsere Tabelle sagt es. Die meisten Käufer einer Kamera – so sie Fotografieren nicht gerade als Hobby betreiben – scheuen vor komplizierter Technik zurück. Sie wollen mit Begriffen wie Blenden­einstellung, Licht­messung, Schärfentiefe usw. nichts zu tun haben. Diese Anforderung wird nur von zwei Kamera-Gruppen erfüllt: von den Auto­matiks, für die man viel bezahlen muß und mit denen man viel anfangen kann. Und von den Laienkameras unseres Tests, die weniger kosten, aber auch weniger können. Ein »normaler« Foto­apparat hat viele Hebel und Schalter. Die wichtigsten Hand­griffe:

  • Film einlegen,
  • Verschluß spannen,
  • Entfernung einstellen,
  • Belichtungs­zeit wählen,
  • Blende einstellen,
  • Bild­ausschnitt fest­legen,
  • Auslöser drücken.

Für einen routinierten Foto­amateur ist das sicher kein Problem. Im Gegen­teil: Er mag das Spiel mit der Technik und knobelt beispiels­weise gern neue Kombinationen zwischen Belichtungs­zeit und Blende aus. Denn von der richtigen Abstimmung dieser beiden hängen Dauer und Menge des Licht­einfalls auf den Film und damit die Qualität des späteren Bildes ab. Leute aber, die ohnehin nur bei strahlendem Sonnen­schein auf Foto­jagd gehen, verzichten lieber auf tech­nischen Zauber. Sie möchten knipsen. Und genau für solche Käufer – sie bilden nach der Statistik die Mehr­zahl – wurden von der Industrie »narrensichere« Kameras gebaut, bei denen man fast nur noch auf den Auslöser drücken muß. Selbst die Wahl der Belichtung ist oft keine Qual mehr: Leicht­verständliche Wetter­symbole, wie Sonne für schönes und Wolken für weniger schönes Wetter, nehmen bei vielen Kameras dem »Fotografen« das Denken ab.

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