Historischer Test Nr. 34 (Mai 1967) Auch einfache Platten­spieler geben guten Klang

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Historischer Test Nr. 34 (Mai 1967) - Auch einfache Platten­spieler geben guten Klang
© Stiftung Warentest

Als die Stiftung Warentest 1967 zum ersten Mal Platten­spieler untersuchte, waren die Prüfer erstaunt vom guten Ergebnis: Von 17 getesteten Geräten (Preise: 45-175 Mark) schnitten nur zwei Modelle von Quelle und Neckermann „nicht zufrieden­stellend“ ab: „Sie verzerren sogar Beat­musik“, urteilten die Tester. An der Spitze des Felds: Geräte von Dual und Elac. Drei Platten­spieler reichten „in der Brillanz der Wieder­gabe an die Anforderungen der Hi-Fi-Bedingungen heran“.

Inhalt

Die Technik verdrängt den Klavier­lehrer

Auszug aus test 5/1967:

„Die »Aufforderung zum Tanz« von Carl Maria von Weber, einge­richtet für Geige, Bratsche und Klavier, und das »Ständ­chen« von Heykens gehörten vor 60 Jahren zum Repertoire jeder gutbürgerlichen Familie, in der nach Feier­abend musiziert wurde. Heute macht kaum noch jemand seine Haus­musik selber. Dennoch ist es nicht still geworden in Deutsch­lands Wohnungen. Zwar bleibt im sozialen Wohnungs­bau kein Platz mehr für den Flügel, dafür steht in jedem dritten Haushalt – neben Radio und Fernseher – ein Platten­spieler. Und jähr­lich kommen rund eine Million neue – aller Bauarten und Preislagen – hinzu. Die Technik verdrängt den Klavier­lehrer.“

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punne am 30.05.2017 um 21:16 Uhr
Magnet- vs Piezo-Tonabnehmer

Dass Piezo- bzw Kristall-Tonabnehmer keine Tiefen wiedergeben können, ist so nicht richtig. Piezo-TAs haben eine nichtlineare Kennlinie, die tatsächlich im Groben der RIAA-Entzerrung in handelsüblichen Phono-Vorverstärkern entspricht. Dies und die Tatsache, dass sie eine weitaus höhere Ausgangsspannung als Magnettonabnehmer haben, ermöglicht den Betrieb an einem normalen Line-Eingang ohne gesonderten Vorverstärker (ältere Verstärker haben meist noch einen speziellen "Kristall"-Eingang). Schließt man einen Piezo-TA an einen Phono-Eingang an, wird dieser übersteuert, und der Klang verzerrt stark.
Grundsätzlich haben Piezo-TAs dennoch wenig mit HiFi zu tun - die nichtlineare Charakteristik sorgt nicht unbedingt für hohe Klangtreue, und die benötigten hohen Auflagekräfte (5g und mehr) sind auch nicht gerade plattenschonend. Aus diesem Grund wurden (und werden gelegentlich immer noch) Kristall-Tonabnehmer hauptsächlich in Einfach- und Koffergeräten verwendet.

Profilbild Stiftung_Warentest am 06.02.2015 um 17:36 Uhr
Entzerrende Tonabnehmer

@erfahrungen
Ohne Entzerrer-Vorverstärker gibt es bei Schallplatten auch kein High Fidelity. Die Töne mit den tiefen Frequenzen müssen bei Schneiden der Platten-Master abgesenkt werden (siehe Schneidkennlinie und RIAA-Kurve respektive DIN 45541, ein Standard seit 1952), weil die Tonrillen sonst viel zu breit geschnitten werden müssten, was nicht nur zulasten der Kapazität der Schallplatte ginge - die Tonabnehmer (egal ob elektrodynamisch oder elektromagnetisch oder piezoelektrisch) müssten auch riesige Ausschläge wegstecken und verarbeiten können.
Alte Schellackplatten (78 Umdrehungen pro Minute) wurden ohne eine solche Korrektur aufgenommen und in der Regel mechanisch (Grammophon) oder piezoelektrisch abgetastet. Wird eine „moderne“ Vinyl-Schallplatte (33 1/3 oder 45 Umdrehungen pro Minute) mit einem Kristalltonabnehmer (also piezoelektrisch) abgespielt, fehlen in Ermangelung der Entzerrung die Tiefen, und so klingt es dann auch…
(aci)

erfahrungen am 02.02.2015 um 21:23 Uhr
Entzerrer

Die Frage ist, ob auch alle getesteten Plattenspieler entzerrende (Kristall-)Tonabnehmer hatten? Ein Plattenspieler ohne diese Funktion verzerrt natürlich. Ich glaube bis Mitte 1965 hatten es jedoch die meisten.

Profilbild Stiftung_Warentest am 02.02.2015 um 15:47 Uhr
Weshalb Quelle schlecht abschnitt

Vielen Dank für diesen interessanten "Insider"-Einblick!
(aci)

Dackel64 am 02.02.2015 um 15:41 Uhr
Weshalb Quelle schlecht abschnitt

Ich habe bis 1968 in der Fabrik von Telefunken gearbeitet, in der auch Plattenspieler mit Verstärker für Quelle gebaut wurden. Da wurde im Inneren alles eingespart, was nur möglich war.
Ich erinnere mich, dass im Deckel des Original-Plattenspielers vier Lautsprecher, in der Quelle-Version nur zwei waren.
Das wundert nicht, dass man das im Vergleich zu anderen hören konnte!