Historischer Test Nr. 26 (Februar 1967) Meldung

Wer heut­zutage „Kaffee­fahrt“ hört, denkt unweigerlich auch an Heiz­decken. „Vertreter, die bei Werbe­ver­anstaltungen häufig das Doppelte des Einzel­handels­preises verlangen, nennen das auch noch »Einführungs­preis«“, empörte sich test schon 1967 über die unseriösen Praktiken mancher Anbieter. Auch die untersuchten Heiz­decken fanden wenig Gnade vor den Augen der Tester: 16 von 29 waren elektrisch nicht ausreichend sicher, 15 davon nicht genügend gegen Feuchtig­keit geschützt.

Siehe auch Historischer Test Nr. 3 (Mai 1966): Heizkissen – Elektrogeräte zum Kuscheln

Pseudo-Mediziner bitten zur Kasse

Auszug aus test 02/1967:

„Während früher »der gefähr­liche Ruf« der Heiz­decken ihren Absatz hemmte, geht dem Handel heute ein Teil des Umsatzes durch unseriöse Geschäfts­methoden einzelner Firmen und Vertriebs­gesell­schaften verloren. Durch Verkäufe bei Kaffee­fahrten und in Kinos haben Heiz­decken­vertreter mit wenig bekannten Geräten einen erwähnens­werten Umsatz­anteil. Die verlangten Preise sind dabei – wie die Preisstelle beim Berliner Senat vor einiger Zeit fest­stellte – oft erheblich über­höht. (...) Vertreter, die bei Werbe­ver­anstaltungen häufig das Doppelte des Einzel­handels­preises verlangen, nennen das auch noch »Einführungs­preis«. Der Kunde soll glauben, das Erzeugnis sei später nicht mehr so »billig« zu haben. Nur in wenigen Fällen können die Ordnungs­behörden gegen solche Verkaufs­ver­anstaltungen vorgehen. Auch »pro honore«, der Verein für Treu und Glauben im Geschäfts­leben (Hamburg), warnt immer wieder vor Veranstaltungen dieser Art. Mehr als warnen kann man nicht. Anzeigen haben kaum Erfolg, Ungesetzliches ist den Geschäftemachern selten nach­zuweisen. Seit einiger Zeit haben diese Vertriebs­firmen für ihre Geräte neue Absatz­märkte entdeckt. Ihre Vertreter­sprechen vorwiegend Rentner und alte Leute an, gehen in Wohnungen und Alters­heime. Hier werden Heiz­decken – oder auch Bett­wärmer – als Allheil­mittel angepriesen, gut gegen Zipperlein, Glieder­schmerzen, kalte Füße oder Rheumatismus. Teil­nahms­volle Gespräche über Krankheiten (Einleitung: »na, Mütterchen, siehst ein bißchen blaß aus...«) geben der Käuf­erwerbung einen pseudo-medizi­nischen Charakter.“

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