Hinterbliebene Special

Ein Trauerfall ist für Angehörige heraus­fordernd: Sie müssen den Verlust bewältigen, Bestattungs­fragen klären, das Erbe regeln, Verträge abwi­ckeln und Behörden informieren – darunter das Finanz­amt.

Wenn ein Mensch stirbt, über­nehmen Erben seine steuerlichen Rechte und Pflichten. An die Erklärung für die Erbschaft­steuer denken die meisten. Doch Hinterbliebene müssen sich um mehr kümmern. Die steuerlichen Rechte und Pflichten des Verstorbenen gehen auf seine Erben über. Oft müssen diese noch mindestens eine Einkommensteuererklärung für ihn abgeben. Es kann auch sein, dass sie Einkünfte in ihrer Steuererklärung berück­sichtigen müssen. Hier beant­worten wir die wichtigsten Fragen.

Offene Erklärungen einreichen

Wann geben Erben eine Steuererklärung für den Verstorbenen ab?

Die Steuer­pflicht eines Menschen endet mit seinem Tod. Erben über­nehmen seine steuerlichen Rechte und Pflichten und müssen noch offene Einkommensteuererklärungen einreichen, mindestens die für den Zeitraum zwischen Jahres­beginn und Todes­tag des Verstorbenen, eventuell auch für Vorjahre. Das gilt zumindest, wenn ihr Angehöriger steuer­pflichtige Einkünfte bezog, für die er noch keine Lohn- oder Kapital­ertrag­steuer gezahlt hat. Zeit haben sie bis zum 31. Juli des Jahres, das auf das Todes­jahr folgt. Wenn ein Mensch im Jahr 2018 gestorben ist, geben seine Erben die Steuererklärung also bis zum 31. Juli 2019 ab. Selbst wenn keine Abgabe­pflicht besteht, fordert das Finanz­amt unter Umständen eine Erklärung für den Verstorbenen an und setzt dafür eine individuelle Frist.

Was passiert, wenn Erben die Frist nicht einhalten?

Wer die Unterlagen des Verstorbenen nicht recht­zeitig abgibt, bekommt eine Erinnerung. Verzögert sich die Abgabe weiter, brummt das Finanz­amt den Erben eventuell einen Verspätungs­zuschlag auf. Sie können aber beim Finanz­amt formlos um Frist­verlängerung bitten. Das ist insbesondere dann sinn­voll, wenn es schwierig ist, alle notwendigen Belege für die Erklärung ausfindig zu machen.

Wann lohnt es sich, freiwil­lig eine Steuererklärung abzu­geben?

Eine Steuererklärung macht Arbeit – insbesondere die für einen anderen Menschen. Der Aufwand kann sich für Erben aber rentieren: War der Verstorbene etwa Arbeitnehmer und der Arbeit­geber hat bereits mit jedem Gehalt Lohn­steuer abge­führt, fiel der monatliche Steuer­abzug wahr­scheinlich zu hoch aus. Wenn Erben eine freiwil­lige Erklärung einreichen, erhalten sie meist eine Erstattung. Für eine solche freiwil­lige Erklärung haben sie nach Ende des Todes­jahres vier Jahre Zeit.

Unser Rat

Frist. Wurde auf Einkünfte des Verstorbenen nicht bereits Lohn- oder Kapital­ertrag­steuer gezahlt, müssen Sie als Erbe eine letzte Steuererklärung für ihn abgeben. Frist ist der 31. Juli des Jahres, das auf das Todes­jahr folgt. Besteht keine Abgabe­pflicht, lohnt sich meist eine freiwil­lige Erklärung.

Über­blick. Als Hinterbliebener sollten Sie die Unterlagen des Verstorbenen umge­hend sichten. Fehlende Informationen können Sie bei Ämtern, Banken und anderen Institutionen erfragen, wenn Sie der Erbschein als Rechts­nach­folger legitimiert.

Auswirkung. Fließen nach dem Tod Ihres Angehörigen Einkünfte wie Miet­einnahmen an Sie als Erbe, müssen Sie diese versteuern.

Ehegatten- und Witwen­splitting

Können Verwitwete noch vom Ehegatten­splitting profitieren?

Verwitwete dürfen im Todes­jahr ihres Part­ners die güns­tigere Zusammen­ver­anlagung wählen. Ergibt sich jedoch eine Steuer­nach­forderung, kommt grund­sätzlich der hinterbliebene Partner dafür auf – egal, von wem von beiden die Schuld stammt. Bei mehreren Erben treten alle gemein­sam an die Stelle des Verstorbenen. Das Amt führt die Zusammen­ver­anlagung nur durch, wenn alle dem Antrag geschlossen zustimmen. Im Jahr, das auf das Todes­jahr folgt, mildert das sogenannte Witwen­splitting die Steuerlast. Es gilt natürlich auch für Witwer. Das Finanz­amt veranlagt den Hinterbliebenen alleine und berechnet die Steuer nach dem Splitting­tarif. Im zweiten Jahr nach dem Tod des Part­ners gilt wieder der Grund­tarif.

Was muss die Erklärung für einen Verstorbenen enthalten?

Damit die Finanz­beamten die Steuer in der richtigen Höhe fest­setzen können, müssen alle Einkünfte des Verstorbenen aufgeführt werden, etwa Löhne, Einnahmen aus einem Gewerbe­betrieb oder Kapital­einkünfte.

Entsprechend können die Erben Ausgaben des Verstorbenen ansetzen. Neben Jobkosten reduzieren Sonder­ausgaben wie Versicherungs­beiträge, Spenden und Kirchen­steuer das zu versteuernde Einkommen. Ebenso wirken sich außergewöhnliche Belastungen wie Gesund­heits- und Krank­heits­kosten aus. Ausgaben für Haus­halts­hilfen und Hand­werker mindern die Steuer direkt und bergen besonderes Spar­potenzial.

Wo erhalten Erben die nötigen Informationen?

Nicht immer ist der Nach­lass gut sortiert, sodass es Erben mitunter schwerfällt, alle steuerlich relevanten Unterlagen aufzuspüren. Mit dem Erbschein können sie gegen­über Institutionen wie Kranken- und Rentenkassen und Banken nach­weisen, dass sie Erben sind. Das berechtigt diese Stellen, ihnen Auskunft über das Vermögen und den Zahlungs­verkehr des Verstorbenen zu erteilen. Um unrichtigen oder unvoll­ständigen Erklärungen vorzubeugen, darf das Finanz­amt legitimierten Erben auch Kopien alter Bescheide ausstellen. Diese geben eventuell Aufschluss über Einkünfte, von denen Erben nichts wussten.

Das Amt darf die Informationen aber nur heraus­geben, wenn der Verstorbene bis zum Tod nur Steuererklärungen für sich alleine abge­geben hat. Hat er sie bis dahin gemein­sam mit dem Ehepartner einge­reicht, müssen Witwe oder Witwer der Weitergabe der Bescheide zustimmen, damit das Amt ihr Steuer­geheimnis nicht verletzt. Hat die verstorbene Person die Erben noch zu Lebzeiten berechtigt, bei Elster Belege für sie abzu­rufen, können sie die Funk­tion auch noch nach dem Tod nutzen und auf Daten zugreifen, die der Finanz­verwaltung bereits über den Verstorbenen vorliegen.

Erstattung, Nach­zahlungen, regel­mäßige Einkünfte

Wem steht eine Erstattung zu? Wer über­nimmt Nach­zahlungen?

Wenn sich aus der Erklärung des Verstorbenen eine Steuererstattung für die Erben ergibt, müssen sie die Betrag entsprechend ihrer Erbquote aufteilen. Weist das Finanz­amt im Bescheid offene Forderungen aus, müssen die Erben auch diese über­nehmen und aus dem vererbten Vermögen begleichen. Ihre Nach­zahlung können sie in der Erbschaft­steuererklärung als Nach­lass­verbindlich­keit abrechnen.

Reicht das Erbe nicht für die Nach­zahlung aus, müssen die Nach­lass­empfänger unter Umständen in die eigene Tasche greifen. Sie haften für Schulden des Verstorbenen sogar mit ihrem privaten Vermögen. Das lässt sich nur verhindern, indem sie das Erbe ausschlagen. Der Haken: Dafür haben sie nur sechs Wochen Zeit, nachdem sie vom Erbfall erfahren haben – in der Regel steht da noch gar nicht fest, ob Steuern nach­zuzahlen sind.

Immerhin lässt sich die Haftung aber auf das vererbte Vermögen beschränken, etwa indem Erben eine kosten­pflichtige Nach­lass­verwaltung beim zuständigen Nach­lass­gericht beantragen. Zuvor sollten sie aber die steuerlichen Folgen mit einem Steuerberater oder Rechts­anwalt klären.

Was passiert mit Einkünften des Verstorbenen, die weiter fließen?

Manchmal wirkt sich ein Todes­fall direkt auf die eigenen steuerlichen Verhält­nisse der Erben aus. Regel­mäßige Einkünfte des Verstorbenen können auch nach seinem Tod weiterfließen. Hatte er eine vermietete Immobilie, wird an seiner Stelle der Erbe zum Vermieter. Miet­einnahmen teilt er in seiner eigenen Steuererklärung mit.

Erben mehrere Personen, gehören ihnen die Einkünfte gemein­sam. Sie müssen sich zusammen um die Besteuerung kümmern. Dazu gibt die Erben­gemeinschaft eine spezielle Fest­stellungs­erklärung beim Finanz­amt ab, das Formular ESt 1 B. Die Beamten ermitteln dann getrennt von anderen Verfahren rund um den Verstorbenen und für alle Erben zusammen, wie hoch ihre Einkünfte waren und zu welchen Anteilen sie ihnen jeweils zuge­ordnet werden. Die Erkennt­nisse teilt das Amt anschließend in einem Bescheid mit, der für die jeweilige Einkommensteuererklärung der beteiligten Erben verbindlich ist.

Erben­gemeinschaften mit Kapital-, Vermietungs- und sons­tigen Einkünften schi­cken ihre Fest­stellungs­erklärung an das Amt, in dessen Zuständig­keits­gebiet die Erträge verwaltet werden. Bei Gewinn­einkünften ist das Betriebs­stätten­finanz­amt zuständig.

Kosten der Bestattung

Wie können Erben die Kosten der Bestattung absetzen?

In der Regel zahlen Hinterbliebene die Bestattung aus dem Nach­lass und ziehen die Kosten in der Erbschaft­steuererklärung als Nach­lass­verbindlich­keit bis zu einer Höhe von 10 300 Euro vom Wert der Erbmasse ab.

Lassen sich die Kosten nicht aus dem Erbe oder etwa der Auszahlung einer Lebens­versicherung decken, können sie eine außergewöhnliche finanzielle Belastung sein. Diese dürfen die Erben in ihrer Einkommensteuererklärung geltend machen. Voraus­setzung: Die Kosten entstehen ihnen zwangs­läufig, weil sie verpflichtet sind, die Bestattung zu bezahlen. Das ist der Fall bei Erbberechtigten, wenn sie das Erbe annehmen und bei anderen Personen zum Beispiel dann, wenn sie dem Verstorbenen Unterhalt zahlen mussten.

Die Zahlungs­pflichtigen ziehen nur Kosten ab, die unmittel­bar für das Begräbnis anfallen, also etwa für Grabstätte, Sarg oder Urne und Trauerfeier. Sie wirken sich nur aus, soweit sie die individuelle zumut­bare Belastung des Steuerzah­lers über­schreiten.

Ratgeber und Leitfaden für Hinterbliebene

Hinterbliebene Special

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