Streit um „GreenCard“: Lohn-Dumping

Unter den Beteiligten ist die neue „Greencard“ für Hilfskräfte heftig umstritten. „Da machen Polinnen unter dem Deckmantel der Haushaltshilfe dann doch Pflegearbeit“, glaubt Birgit Mayer, Referentin für Krankenpflege beim Diakonischen Werk. Sie fürchtet, notwendige Leistungsstandards würden nicht erreicht. Zu Recht würden Pflegedienste genau kontrolliert: „Ausgebildete Pfleger haben medizinische Kenntnisse, die für die Pflege unabdingbar sind.“

Dagegen fehlt es Osteuropäerinnen oft schon an Deutschkenntnissen, hat Marianne Otte, Vizepräsidentin des Sozialverbandes Deutschland, beobachtet.

„Da werden Löcher gestopft und Symptome kuriert“, ärgert sich Franz Wagner, Bundesgeschäftsführer des Berufsfachverbands für Pflegeberufe: „Es fehlt eine Grundsatzlösung.“ Wegen schlechter Arbeitsbedingungen, geringer Bezahlung, ständigen Zeitdrucks geben 80 Prozent der Pflegekräfte innerhalb von fünf Jahren den Beruf auf. Die Zeitvorgaben pro Patient werden immer knapper. Einer Seniorin mal ein wenig zuzuhören, weil sie sonst niemanden hat, ist nicht drin. Denn schon wartet der nächste Zuckerpatient auf seine Insulinspritze.

Es fehlt Geld. Viele Pflegeheime können ihre Leistungen heute nur noch über ehrenamtliche Arbeit aufrechterhalten. Während für eine Autoreparatur klaglos 50 Euro Stundenlohn bezahlt werden, erhält ein Pflegedienst oft nur die Hälfte, obwohl er elementare Grundbedürfnisse von Menschen erfüllt.

Die Dienste fürchten, die Billigkonkurrenz werde mit Dumpinglöhnen die Preise auf ein Niveau drücken, mit dem kein deutscher Pfleger leben kann.

Dieser Artikel ist hilfreich. 1446 Nutzer finden das hilfreich.