Flücht­lingen helfen: Steuerliche Fragen

Wer sich ehren­amtlich engagiert, tut dies in erster Linie aus Hilfs­bereitschaft und Mitmenschlich­keit. Doch Spenden lassen sich auch von der Steuer absetzen. Dasselbe gilt für freiwil­lige Unter­halts­zahlungen an Bürger­kriegs­flücht­linge.

Unter­halts­zahlungen an Bürger­kriegs­flücht­linge absetz­bar

Wer an Flücht­linge, die in Deutsch­land eine Aufenthalts- oder Nieder­lassungs­erlaubnis nach § 23 Aufenthalts­gesetz bekommen, Unterhalt zahlt, kann die Zahlungen als außergewöhnliche Belastungen von der Steuer absetzen. Normaler­weise können Unter­halts­zahlungen nur abge­zogen werden, wenn der Unterstützer gegen­über dem Empfänger gesetzlich zum Unterhalt verpflichtet ist. Das Bundes­ministerium für Finanzen macht aber eine Ausnahme, wenn Bürger­kriegs­flücht­linge unterstützt werden.

Abzugs­möglich­keit gilt rück­wirkend

Sollten Sie eine Verpflichtungs­erklärung nach § 68 Aufenthalts­gesetz abge­geben haben und danach sämtliche Kosten des Lebens­unter­halts tragen, steht Ihnen auch der Abzug von außergewöhnlichen Belastungen zu (BMF-Schreiben vom 27.05.2015, Az. IV C 4 – S 2285/07/0003). Diese Abzugs­möglich­keit gilt rück­wirkend ab dem 1. Januar 2013.

Folgende Höchst­beträge sind abzieh­bar:

2013: 8 130 Euro

2014: 8 354 Euro

2015: 8 472 Euro

Tipp: Sammeln Sie die Belege über geleistete Ausgaben für die unterstützte Person zur Vorlage beim Finanz­amt. Etwas anderes gilt, wenn Sie Flücht­linge in Ihrem Haushalt aufgenommen haben. Dann geht der Fiskus davon aus, dass Ihnen Unter­halts­aufwendungen in Höhe des Höchst­betrages entstanden sind.

So unterstützt der Fiskus Spenden

Um die Spenden­bereitschaft der Bevölkerung zu belohnen, hat die Bundes­regierung die steuerlichen Regeln für die Absetz­barkeit von Geld- und Sach­spenden für Flücht­linge gelo­ckert. So können nun auch Zuwendungen an nicht steuer­begüns­tigte Spenden­sammler als Sonder­ausgaben abzieh­bar sein. Außerdem sind Zuwendungen, die ausschließ­lich mild­tätigen Zwecken gewidmet sind, von der Schenkung­steuer befreit.

Für die Absetz­barkeit von Spenden gelten folgende Voraus­setzungen:

  • Spenden­nach­weis. Künftig sind auch Zuwendungen auf Spenden­konten nicht steuer­begüns­tigter Spenden­sammler steuerlich als Sonder­ausgaben abzieh­bar, wenn die Spenden­sammler das Konto als Treu­hand­konto führen und die Gelder der Samm­lung an eine gemeinnützige Organisation zur Förderung der Hilfe für Flücht­linge weiterleiten. Das ist vor allem für lokale Initiativen wichtige, die sich in Gemeinden zu Vereinen zusammengetan haben und zu einem einheitlichen Spenden­konto aufgerufen haben. Für alle Sonder­konten zur Flücht­lings­hilfe gilt der vereinfachte Zuwendungs­nach­weis – ohne betrags­mäßige Beschränkung. Das heißt, zum Nach­weis für die Steuer reichen Bareinzahlungs­belege, Konto­auszüge oder PC-Ausdrucke beim Online-Banking. Bei Einzahlung auf Sonder­konten nicht steuer­begüns­tigter Spenden­sammler ist noch der Nach­weis zur Weiterleitung an steuer­begüns­tigte Organisationen beizufügen (bspw. Kopie der Über­weisung).
  • Spenden­aktionen von Sport­ver­einen. Es ist unschädlich für die Steuer­begüns­tigung einer gemeinnützigen Körperschaft wie Sport-, Musik-, Kleingarten- oder Brauchtums­ver­eine, die nach ihrer Satzung keine mild­tätigen Zwecke oder die Förderung von Hilfe für Flücht­linge verfolgen, wenn die Spenden an eine mild­tätige Organisation weitergeleitet werden und abweichend vom Satzungs­zweck für Flücht­linge verwendet werden.
  • Arbeits­lohn­spenden. Verzichten Arbeitnehmer auf die Auszahlung eines Teils ihres Lohnes, den der Arbeit­geber dann spendet, bleibt dieser Lohn­teil lohn­steuerfrei. Der steuerfreie Lohn­anteil wird dann allerdings in der Einkommensteuererklärung nicht mehr als Spende berück­sichtigt.

So werden ehren­amtliche Tätig­keiten steuerlich berück­sichtigt

  • Übungs­leiterfrei­betrag. 2 400 Euro im Jahr dürfen viele Ehren­amtler ohne Abzug von Steuern und Sozial­abgaben dazu­verdienen. Das gilt etwa für Pfleger alter, kranker und behinderter Menschen, Betreuer mit pädagogischer Ausrichtung für Senioren oder Kinder, zum Beispiel Spiel­kreis­betreuer, Ferien­betreuer, Vereins­trainer und Familien­helfer, Betreuer in Kirchen, Kultur­stätten, im Umwelt- und Katastrophen­schutz.
  • Betreuerfrei­betrag. Den Frei­betrag von 2 400 Euro gibt es auch für ehren­amtlich tätige recht­liche Betreuer, Vormünder und Fürsorgepfleger.
  • Ehren­amts­pauschale. Ohne Steuern und Sozial­abgaben zahlen zu müssen, können sozial engagierte Menschen zum Beispiel in einem gemeinnützigen Verein 720 Euro im Jahr dazu­verdienen. Das gilt, wenn sie etwa als Vorstand, Kassierer, Platz­wart oder Schieds­richter im Verein aktiv sind. Auch für Betreuer in öffent­lichen Jugend­clubs, Seel­sorger in Kirchen oder Helfer in Wohl­fahrts­organisationen ist das möglich. Die Pauschale gibt es allerdings nicht, wenn der Ehren­amtliche bereits den Übungs­leiterfrei­betrag und Zahlungen aus öffent­lichen Kassen bean­sprucht.
  • Fahrt­kosten. Fahrt­kosten und andere im Zusammen­hang mit ehren­amtlicher Tätig­keit stehende Aufwendungen können nicht von der Steuer abge­setzt werden.

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