Erst konstruieren, dann programmieren und dabei spielerisch Neues entdecken – all das bieten die sechs Hightech-Spielebaukästen, die zehn junge Leute für uns ausprobiert haben. Aber nur mit Lego hat es ihnen auch richtig Spaß gemacht.

Sieben Jungen und drei Mädchen zwischen 10 und 16 Jahren ließen sich nicht lange bitten, für uns Baukästen in Hightechausführung zu testen. Mit Feuereifer konstruierten sie mobile Roboter, bauten Ampelanlagen, die über den Computer gesteuert werden, und schlüpften in die Rolle eines Agenten, der mit seinem Spybotic-Fahrzeug geheime Missionen erfüllen muss.

Zwei Favoriten

Nach tagelangem Spiel standen ihre Favoriten fest. Lego Mindstorms Robotics und das Agentenauto Snaptrax aus der Spybotics-Serie kamen am besten an, beim Grundschüler Jonas genauso wie bei der Gymnasiastin Tabea. Mit einer Einschränkung: Spybotics macht nur richtig Spaß, wenn man zu zweit spielt. Auf den Plätzen drei und vier landeten die beiden Kästen von fischertechnik. Im Vergleich zum Lego-System sind die Kons­truktionen hier aber für die meisten komplizierter, mehr Arbeit als Vergnügen. Da bleibt der Spielspaß öfter mal auf der Strecke. Wenig animierend fanden unsere jungen Tester auch den Lasy-Education-Kasten. Da winkt der pädagogische Zeigefinger. Die Anleitung ist lückenhaft, teils englischsprachig, sehr technisch und die Installation der Software klappte auch nicht auf Anhieb.

Ein Langweiler

Gegen Null tendierte der Spaßfaktor beim Kosmos-Kasten Elektroplus für Versuche rund um Volt, Ampere, Watt und Ohm. Ihn mochte eigentlich keiner der 10- bis 16-Jährigen. Mit ihm müssen die Spieler mehr experimentieren als kons­truieren. Die didaktisch gut gemachte, fast hundert Seiten starke Anleitung spricht mit ihrer eingebetteten Detektivgeschichte in sehr kindlicher Manier in erster Linie auch Jüngere an. Mit dem bieder wirkenden Kasten konnten die meisten unserer prüfenden Teenager wenig anfangen. Da sprang kein Funken über. Auch die Anleitung auf CD-Rom und das Simulieren der Versuche am PC fanden sie nicht wirklich spannend. Der Computer ist hier entbehrlich. Langweilig, nichts Neues, wenn überhaupt, dann für Kleinere geeignet, so die nahezu gleich lautenden Kommentare.

Von 60 bis 550 Euro

Sowohl vom Konzept als auch im Preis (von 60 bis 550 Euro) sind die getesteten Baukästen sehr unterschiedlich. Mit Lego Mindstorms, fischertechnik und Lasy Education lassen sich verschiedene Modelle konstruieren, entweder die vorge­ge­benen nach Plan oder eigene Kreationen. Lego Spybotics Snaptrax hingegen ist ein Bausatz nur für ein einziges Agentenauto. Dabei wird die Fantasie wenig beansprucht, denn auch die Missionen auf der CD-Rom stehen fest, können nicht verändert werden. So erstaunte es nicht, dass ein Snaptrax allein wenig Beifall fand. Schnell bauten die Kinder ein zweites Fahrzeug zusammen und spielten miteinander. Erst dann kam richtig Freude auf. Das Ganze hat Ähnlichkeit mit einem Computerspiel, bei dem Fingerfertigkeit und Geschick mit der Fernbedienung entscheidend sind.

Um die Modelle in Bewegung zu versetzen oder um Steuerungen zu programmieren, ist ein Computer mit CD-Rom- oder DVD-Laufwerk erforderlich. Bis auf Lasy Education, das auch auf einem Apple funktioniert, brauchen alle Windows-Programme, also den PC. Die höchsten Ansprüche an den Rechner hinsichtlich Grafik, Soundkarte, freien Speicherplatz und Ge­schwindigkeit des CD-Rom-Laufwerks stellt Lego. Das muss schon beim Kauf bedacht werden.

Einfach zu programmieren

Wie wichtig das gute Zusammenspiel zwi­schen der Anleitung auf Papier und dem Computereinsatz ist, zeigte sich deutlich bei Lego. Mit dem Mindstorms Robotics Invention System 2.0 für stolze 250 Euro klappt nicht nur der Zusammenbau dank detaillierter, schrittweiser Doku­menta­tion. Sogar das Programmieren geht einfach. Durch schnelles Ziehen und Ablegen (Drag & Drop) kommen auch Anfänger ans Ziel. „Die Software ermöglicht einen schnellen Einstieg in die Welt der Robotik“, kommentierte ein Experte für computergesteuerte Roboter.

Solche fixen Erfolgserlebnisse machen Mut für eigene Kreationen, spornen an, sich komplizierte Modelle zuzutrauen. Pä­dagogen nennen das spielerisches Ler­nen. Es gilt als besonders wertvoll. Weil das, was Kinder im Spiel durch Versuch und Irrtum erfahren, gut haften bleibt. Je mehr sie selbst machen, umso mehr lernen sie. Wenn zum klassischen Konstruktionsspiel das Selber-steuern-Können am Computer hinzukommt, steigt der Lerneffekt noch. Den Computer zu beherrschen, wird heute fast überall in der Berufswelt vorausgesetzt. So gesehen könnte man die Baukästen als gute Investition in die Zukunft betrachten.

Doch als eine Art Nachhilfelehrer eignen sich die Baukästen kaum. Auch nur ausnahmsweise, um ein Kind für den Ingenieurberuf zu begeistern. Es sei denn, es hat bereits großes Interesse für technische Themen. Viele unserer jugendlichen Tester wollten jedenfalls keinen Kasten auf ihren Wunschzettel setzen.

Dieser Artikel ist hilfreich. 1557 Nutzer finden das hilfreich.