Heuschnupfen Test

Mit der Birkenblüte erreicht die Pollensaison im April ihren ersten Höhepunkt. Gegen tränende Augen und triefende Nasen helfen Medikamente. Für manche Patienten kann auch eine „Allergie-Impfung“ sinnvoll sein.

Der kalte Winter mit Minustemperaturen bis weit in den Februar hinein hat Pollenallergikern eine Atempause verschafft. Haselsträucher und Erlen blühten in diesem Jahr erst im März. Wenn in den nächsten Tagen und Wochen die Temperaturen allmählich steigen, rüsten auch die Birken auf – der April ist ihr klassischer Monat. Der Blühbeginn kann jedoch um bis zu drei Wochen schwanken.

Generell sind Allergiker zunehmend mit einer längeren Pollensaison konfrontiert. In den vergangenen 25 Jahren hat sich die Blühphase der Birken um etwa zehn Tage nach vorn verschoben. Das haben die Meteorologen der Freien Universität Berlin dokumentiert. „Unsere langfristigen Tempe­ratur- und Pollenmessungen zeigen, wie die Klimaveränderungen sich auswirken“, erklärt Thomas Dümmel, Diplommeteorologe an der FU Berlin. Weltweit ist die Temperatur in den zurückliegenden 100 Jahren um etwa ein Grad angestiegen.

Der Wind trägt die Pollen weit

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Für die meisten Allergien in unseren Breitengraden sind vor allem sieben Pflanzentypen verantwortlich (siehe Grafik), fast alle werden vom Wind bestäubt. Der Blütenstaub der windbestäubenden Pflanzen enthält in großer Menge besonders kleine und leichte Pollen, die vom Wind sehr weit getragen werden können. So fliegen Birkenpollen beispielsweise bis zu 500 Kilometer weit. Eine einzige Birke produziert rund eine Milliarde Pollen. Die allergische Belastung gilt als sehr stark, wenn ein Kubikmeter Luft mehr als 50 Birkenpollen enthält.

Ambrosia ist aggressiv

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Die Pollen der Ambrosiapflanze sind besonders aggressiv. Dieses Wildkraut breitet sich zunehmend auch in Deutschland aus. In Bayern, Baden-Württemberg, Berlin und anderen Bundesländern bemühen sich Behörden, die Pflanzen auszureißen und das Wachstum einzudämmen.

Noch aggressiver sind die Pollen der Ambrosiapflanze – schon zehn Pollen pro Kubikmeter Luft können bei Allergikern starke Beschwerden verursachen. Mehrere aufeinanderfolgende warme Sommer haben dazu geführt, dass Ambrosia sich zunehmend auch in Deutschland ausbreitet und die Pollensaison bis weit in den Herbst hin­ein verlängert. In verschiedenen Bundesländern gibt es inzwischen Aktionspläne und „Ambrosia-Scouts“, die dabei helfen sollen, die Pflanzen aufzuspüren und mit Stumpf und Stiel auszureißen.

Überempfindliches Immunsystem

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Birkenpollen sind besonders klein und leicht und können vom Wind bis zu 500 Kilometer weit getragen werden. Wenn ein Kubikmeter Luft mehr als 50 Birkenpollen enthält, können bei empfindlichen Personen sehr starke allergische Symptome auftreten.

Die Zahl der Allergiker hat in den vergangenen Jahrzehnten stark zugenommen. Ihr Immunsystem reagiert besonders empfindlich auf verschiedene körperfremde Stoffe, obwohl sie – anders als Krankheitskeime – die Gesundheit gar nicht bedrohen. Neben Blütenpollen können auch Tierhaare, Hausstaubmilben und Lebensmittel allergische Reaktionen auslösen. Das Immunsystem bildet Antikörper, um die Eindringlinge zu bekämpfen, unter anderem das Immunglobulin E (IgE). Die vermehrte Ausschüttung von IgE setzt eine Kaskade von entzündlichen Prozessen in Gang, die Juckreiz und Schwellungen am Auge, in der Nase und im Mund zur Folge haben.

Heuschnupfen ist eine ernstzunehmende Krankheit, besonders, wenn er regelmä­ßig auftritt und länger anhält. Wenn die allergischen Symptome unbehandelt bleiben, kann die Allergie sich im Lauf der Zeit intensivieren und es können sich neue Auslöser hinzugesellen. Problematisch ist vor allem der sogenannte Etagenwechsel, bei dem die Beschwerden vom Nasen-Rachen-Raum auf die Bronchien übergreifen und allergisches Asthma verursachen.

Pollenallergiker sollten den Kontakt mit dem Blütenstaub nach Möglichkeit auf ein Minimum senken. Pollenflugkalender geben einen Überblick, welche Pflanzen zu welcher Zeit blühen. Noch genauer sind tagesaktuelle Pollenflugvorhersagen, die über Tageszeitungen, Radio und Internet verbreitet werden (siehe auch „Infos im Internet“). In fast allen europäischen Ländern werden an verschiedenen Messstellen regelmäßig Luftproben analysiert.

Pollenflugvorhersagen nutzen

In Deutschland sind die dafür genutzten Pollenfallen über das ganze Land verteilt, von Aukrug in Schleswig-Holstein bis Zusmarshausen in Bayern. Mittels einer Pumpe saugen sie jeden Tag so viel Luft an, wie ein Mensch täglich einatmet. Da sich auch die aktuelle Wetterlage auf das Allergierisiko auswirkt, werden die Vorhersagen über die Pollenbelastung in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Wetterdienst erstellt, häufig auch mit regionalen Wetterdiensten. An warmen, trockenen Tagen mit strahlender Sonne und leichtem Wind schwirren zum Beispiel besonders viele Pollen durch die Luft.

Gute Diagnose, gezielte Therapie

Wenn die Symptome zum ersten Mal auftreten oder man nicht genau weiß, ob es sich um einen normalen Schnupfen oder um eine Pollenallergie handelt, sollte immer ein Arzt aufgesucht werden. Er kann mithilfe verschiedener Tests feststellen, ob es sich tatsächlich um eine Allergie handelt. Eine rechtzeitige Diagnose ermöglicht eine gezielte und frühzeitige Behandlung allergischer Beschwerden.

Eine sorgfältige Allergiediagnostik besteht aus verschiedenen Bausteinen. Zunächst sollte der Arzt wissen, wann welche Beschwerden auftreten. Diese Information ist die wichtigste Grundlage für alle weiteren Untersuchungen. Selbstbeobachtungen oder ein Allergietagebuch können dem Arzt wichtige Hinweise geben. Hilfreich ist auch ein Pollenkalender der FU Berlin, in dem Patienten parallel zur Blühphase der wichtigsten Allergene ihr körperliches Befinden eintragen können. Er liegt in Arztpraxen aus oder kann aus dem Internet ausgedruckt werden (siehe „Infos im Internet“).

Haut- und Bluttests sichern Diagnose

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Mit einem Hauttest kann der Arzt feststellen, welche Stoffe bei dem Patienten Allergien auslösen können. Wenn Quaddeln oder Ekzeme auftreten, besteht zumindest eine erhöhte Empfindlichkeit. Um festzustellen, ob der Patient tatsächlich allergisch reagiert, können weitere Tests sinnvoll sein.

Aufgrund der beschriebenen Symptome, wann und wie heftig sie auftreten, kann der Arzt das Spektrum der möglichen Aller­ge­ne eingrenzen und eine Verdachtsdiagnose erstellen. Haut- und Bluttests können dann verdächtige Allergieauslöser überführen.

Hauttest: Verdächtige Allergenextrakte werden auf die Haut aufgebracht (Prick-Test). Treten Ekzeme oder Quaddeln auf, besteht eine erhöhte Empfindlichkeit. Achtung: Hauttests führen zu falschen Ergebnissen, wenn gleichzeitig Antihistaminika oder Kortison eingenommen werden. Drei bis vier Tage vor einem Hauttest absetzen.

Bluttest: Zusätzlich kann ein Bluttest durchgeführt werden. Dabei wird der Gehalt der Immunglobulin-E-Antikörper (IgE) bestimmt oder nach allergiespezifischen Immunglobulin-E-Antikörpern (sIgE) gefahndet. Sie zeigen eine Allergieneigung an. Bei Säuglingen und Kleinkindern kann der Blut- den Hauttest ersetzen, weil er weniger belastend ist. Das gilt auch bei Verdacht auf eine hochgradige Sensibilisierung mit drohendem allergischen Schock.

Provokationstest: Wenn Haut- und Bluttest unklar oder widersprüchlich sind, kann ein Provokationstest sinnvoll sein. Er zeigt, ob das verdächtige Allergen tatsächlich zu einer klinisch bedeutsamen Reaktion beim Patienten führt. Bei einem Provokationstest werden durch kontrollierte Reize Krankheitssymptome ausge­löst. Zum Beispiel sprüht der Arzt Birken-, Gräser- oder Beifußpollen in die Nase, um zu sehen, ob der Patient reagiert. Provokationstests sind jedoch immer mit Risiken verbunden, da sich die allergischen Symptome durch den Test verstärken können. Wie intensiv ein Patient auf den inhalierten, geschluckten oder gespritzten Stoff reagiert, ist nicht vorherzusehen. Ein Test sollte deshalb in einer spezialisierten Praxis gemacht werden, wo ein erfahrener Arzt in einem Notfall sofort eingreifen kann.

Geeignete und günstige Medikamente

Für die Behandlung einer Allergie stehen viele geeignete Medikamente zur Verfü­gung. Sie können helfen, die lästigen allergischen Symptome zu unterdrücken oder zumindest abzumildern. Eine konsequente Arzneimitteltherapie kann auch verhindern, dass der Heuschnupfen sich zum Asthma auswächst. Die Beschwerden können vorbeugend oder auch im akuten Fall behandelt werden. Wir haben eine Auswahl geeigneter und preisgünstiger rezeptfreier Medikamente zusammengestellt (siehe „Konsequent behandeln“, und Arzneimitteltabellen).

„Impfung gegen Allergie“

Die gängigen Arzneimittel können die Beschwerden deutlich lindern, die Allergien beseitigen können sie nicht. Die einzige Therapie, die bei den Ursachen von Allergien ansetzt, ist die „Allergie-Impfung“ – die spezifische Immuntherapie, auch als Hyposensibilisierung bezeichnet.

Der Arzt startet die Immuntherapie meist im Herbst nach dem Ende der Pollensaison, damit der Patient während der Behandlung keiner zusätzlichen Pollenbelastung ausgesetzt ist. Zunächst spritzt er dem Allergiker wöchentlich, später monatlich „sein“ Allergen in steigender Dosis unter die Haut. Es gibt Allergenextrakte aus Gräserpollen und Pollen frühblühender Sträucher und Bäume – Hasel, Erle, Birke. Die Behandlung erstreckt sich über drei bis fünf Jahre und hält viele Jahre vor. Die Patienten sollen sich nach und nach an den Allergieauslöser gewöhnen, um unempfindlich zu werden, nicht mehr allergisch zu reagieren.

Erfolg bei Allergie auf einzelne Stoffe

Die Hyposensibilisierung ist wirksam bei Kindern und Erwachsenen mit Heuschnupfen und beginnendem Asthma. Kinder unter fünf Jahren sollten jedoch möglichst nicht behandelt werden, auch Schwangere nicht. Besonders wirkungsvoll ist die Behandlung bei Allergien gegen Bienen- und Wespengift. Die Erfolgsaussichten sind am größten, wenn die Allergie auf einzelne oder wenige Stoffe begrenzt ist. Unabdingbare Voraussetzung für eine entsprechende Behandlung ist deshalb eine eindeutige Diagnose (siehe Überschrift „Haut- und Bluttests sichern Diagnose“). Die Impfung kann allergische Beschwerden mildern und den Medikamentenverbrauch reduzieren. Möglicherweise lässt sich durch die Hyposensibilisierung auch verhindern, dass die Allergie sich verstärkt und zum allergischen Asthma auswächst (siehe „Allergisches Asthma“). Bei bereits vorhandenem allergischen Asthma bessern sich nach einer Hyposensibilisierung die Beschwerden, und die Patienten brauchen weniger Medikamente. Unklar ist jedoch, ob die Therapie auch langfristig dazu beiträgt, dass die Lungenfunktion von Asthmatikern sich nicht weiter verschlechtert.

Heuschnupfen Test

Ausführlich informiert der Ratgeber „Allergien: Diagnose, Vorbeugung, Behandlung“. Stiftung Warentest 2007. 285 Seiten, 16,90 Euro.

Doch die Hyposensibilisierung kann Nebenwirkungen haben, auch schwerwiegende. Möglich sind zum Beispiel allergische Reaktionen an der Einstichstelle, Übelkeit, Juckreiz am ganzen Körper, aber auch lebensbedrohliche Reaktionen mit Atemnot, Blutdruckabfall, Kreislaufzusammenbruch und Bewusstlosigkeit. Wegen dieser Risiken sollte die Hyposensibilisierung erst erfolgen, wenn die allergischen Beschwerden mit Medikamenten nicht mehr ausreichend behandelt werden können. Die Behandlung gehört ausschließlich in die Hände erfahrener Ärzte mit der Zusatzbezeichnung „Allergologie“.

Bei Allergien gegen Gräserpollen ist eine Hyposensibilisierung auch mit Tropfen oder Tabletten möglich. Patienten geben die Medikamente unter die Zunge, wo sie ihren Wirkstoff freisetzen. Sie können allergische Symptome lindern, wie zum Beispiel eine laufende Nase oder gerötete Augen. Ob die Wirkung über einen längeren Zeitraum anhält und ob die Behandlung eine Verschlimmerung der Allergie verhindern kann, ist unklar. Allergie-Fachärzte bevorzugen deshalb in ihrer Behandlungsleitlinie weiterhin eine Injektionsbehandlung.

Seit Anfang des Jahres sind Tabletten für die Behandlung von Gräserpollenallergie auch für Kinder ab fünf Jahren zugelassen. Allergologen bleiben aber zurückhaltend und wollen in den Leitlinien, die zurzeit überarbeitet werden, wahrscheinlich nur eine Behandlung „in begründeten Einzelfällen“ tolerieren, wenn eine Injektionstherapie nicht infrage kommt. Einer der Gründe: Erkenntnisse über die Wirkung bei Kindern liegen lediglich für eine Pollensaison vor. Ob die Behandlung auch langfristig hilft, ist daher unklar.

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