Heuschnupfen

Interview: „Eigentlich ist immer Pollen­saison“

26.02.2021
Heuschnupfen - Diese Medikamente helfen und sind günstig
Professorin Claudia Traidl-Hoff­mann leitet das Institut für Umwelt­medizin am Helmholtz Zentrum München und erforscht Folgen des Klimawandels. © Andreas Heddergott / TU Muenchen

Schnel­lere Sensibilisierung, stärkere Symptome: Durch die Erwärmung der Erde breiten sich immer mehr Pflanzen aus, deren Pollen Allergien auslösen. Saison ist nun das ganze Jahr über. Professorin Claudia Traidl-Hoff­mann analysiert als Umwelt­medizinerin die Immun­antwort auf Pollen und erklärt, wie der Klimawandel auf die Gesundheit wirkt.

Inhalt

Heuschnupfen und Klimawandel

Heuschnupfen und Klimawandel – gibt es da einen Zusammen­hang?

Ja. Der Heuschnupfen hängt mit Pollen zusammen und Pollen vermehren sich durch den Klimawandel. Pflanzen breiten sich aus – und die all­ergenen Pollen, die sie produzieren, sind früher und länger in der Luft. So fliegen Birken­pollen statt Mitte April schon einige Wochen früher. Diese Verschiebung gilt unterdessen für alle Pollen. Gräser hatten früher nur eine Saison – jetzt beob­achten wir in einigen Regionen zwei Saisons.

Wie lange ist denn Pollen­saison?

Eigentlich immer. Im November gibt es jetzt nur ein paar Tage Pause, im Dezember kommen dann schon die ersten Hasel­pollen. Unsere Daten zeigen, dass die Erderwärmung hier mit ursächlich ist. Bei warmem Klima wachsen andere und mehr Pflanzen.

Welche Arten verbreiten sich hier?

In Deutsch­land etwa Ambrosia. Deren Pollen lösen heftigere Allergien aus als etwa Gräser und Birke. Auch die Oliven aus dem südlichen Europa, die starke Allergien auslösen, können in Zukunft bei uns wachsen.

Auslöser werden vielfältiger

Entwickeln wir da neue Allergien?

Ja, denn die Auslöser werden vielfältiger. Dadurch gibt es mehr Pollen, die Heuschnupfen, aber auch Asthma, Hautju­cken und Ekzeme verursachen.

Beein­flussen auch andere Umwelt­faktoren die Pflanzen­welt?

Erhöhtes CO2, Stick­oxide oder Partikel – am Ende sind es die Schad­stoffe in der Luft, die zusammen­wirken. Aber auch die Versiegelung von Böden, ­etwa durch Bebauung, ist ein Stress­faktor für die Pflanzen. Deren Pollen produzieren dann vermehrt Eiweiße, die Allergien auslösen. Die Protein­zusammenset­zung kann sich dabei durch Schad­stoffe wie Abgase, ­Fein­staub und auch Ozon verändern und Pollen aggressiver machen.

Leben in der Stadt ist ein Risiko­faktor

Was bewirken aggressi­vere Pollen?

Immer mehr Menschen werden immer eher sensibilisiert durch Pollen, die auch stärker wirken. Das ist etwa so: Ein kleiner Hammer macht eine kleine Wunde, ein großer eine große.

Ist die Allergiegefahr eigentlich auf dem Land oder in der Stadt größer?

Auf dem Land gibt es mehr Pflanzen, also auch mehr Pollen. Wer schon eine Allergie hat, spürt auf dem Land mehr Symptome. Um aber über­haupt erst eine Sensibilität zu entwickeln, ist das Stadt­leben ein Risiko­faktor. Da bahnen die Schad­stoffe den Weg in Richtung Allergie.

Warum gab es in der DDR weniger Allergien, obwohl die Umwelt­verschmut­zung doch sehr hoch war?

Weniger Heuschnupfen etwa gab es, weil in der DDR mehr Grob­staub war, in West­deutsch­land mehr Fein­staub. Zudem wurde da gegen Keuchhusten durch­geimpft, im Westen wegen der Neben­wirkung nicht. Heute scheint es, dass die Impfung auch etwas vor Heuschnupfen schützte. Doch nach Mauer­öff­nung waren die Ostdeutschen relativ schnell auf dem Allergie­niveau West.

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26.02.2021

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