Hyposensibilisierung: Nach drei Jahren ist es meist geschafft

Eine Hyposensibilisierung sei der Ausweg, erfahren Heuschnupfen-Patienten oft durch Ärzte oder Bekannte. Die Stiftung Warentest bewertet die Methode als mit Einschränkung geeignet, erläutert der Leiter unseres Arznei­mittel-Experten-Teams, Professor Gerd Glaeske.

All­ergene gezielt zuführen

Wie funk­tioniert die Hyposensibilisierung, was macht sie im Körper?

Sie soll das Immun­system an Auslöser allergischer Reaktionen, die All­ergene, gewöhnen, um Beschwerden abzu­schwächen. Dazu werden entsprechende All­ergene gezielt zugeführt, beginnend mit kleinen Mengen.

Eine altbekannte und häufige Variante wird gespritzt, Scit genannt ...

Die Abkür­zung steht für subkutane Immun­therapie und findet in der Arzt­praxis statt. Meist bekommen Patienten die Spritzen zunächst wöchentlich oder alle zwei Wochen, später nur noch alle vier bis acht Wochen.

Ihre Bewertung für die Scit lautet „mit Einschränkung geeignet“. Heißt das, sie hilft nicht so gut?

Nein, das ist nicht der Grund – schließ­lich zeigt eine ganze Reihe von Studien die Wirk­samkeit bei Heuschnupfen. Beschwerden bessern sich, der Medikamenten­gebrauch zur Pollen­zeit sinkt. Womöglich verhindert die Hyposensibilisierung auch die Entstehung weiterer Allergien sowie den Etagenwechsel, also dass aus Heuschnupfen Asthma entsteht. Dies muss aber noch besser untersucht werden. Zudem sind Neben­wirkungen zu berück­sichtigen. Diese Abwägung von Nutzen und Risiken führt uns zu unserem Urteil.

Risiko Kreis­laufschock

Welche Risiken meinen Sie?

Schwere allergische Reaktionen, bis hin zum Kreis­laufschock. Das passiert zwar nur in weniger als einem von 1 000 Fällen, ist aber lebens­bedrohlich. Patienten sollten nach jeder Spritze 30 Minuten in der Praxis bleiben, damit der Arzt eingreifen kann. Bei Notfällen außer­halb der Praxis müssen Patienten oder Angehörige die 112 rufen.

Bei einer neueren Variante, Slit, nehmen Patienten täglich zu Hause Tabletten oder Tropfen. Kann da auch etwas Schlimmes passieren?

Slit steht für sublinguale Immun­therapie. Das heißt, die Mittel werden unter die Zunge gelegt oder geträufelt. Sie erzeugen vor allem allergische Reizungen im Mund. Schwere Reaktionen sind seltener als bei den Spritzen, aber besonders zu Beginn der Behand­lung nicht auszuschließen. Ein Arzt sollte bei der ersten Einnahme dabei sein.

Wie sieht es mit dem Nutzen der Tabletten und Tropfen aus?

Bei Heuschnupfen gibt es mitt­lerweile zahlreiche Wirk­samkeits­belege. Beim allergischen Asthma, also wenn bereits die Lunge betroffen ist, haben wir aber noch mehr Daten für die Spritzen. Insgesamt bewerten wir die Slit auch als mit Einschränkung geeignet.

Ernste Fälle können profitieren

Bedeutet Ihr zurück­haltendes Urteil, dass die Hyposensibilisierung für niemanden infrage kommt?

Keinesfalls. Wir empfehlen sie nicht generell, aber ernste Fälle können durch­aus profitieren. Das gilt besonders für Menschen mit sehr belastenden Symptomen, gegen die andere Mittel nicht ausreichend helfen. Am besten belegt ist der Erfolg bei Gräser-, Getreide-, Baum- und Kräuter­pollen sowie bei Allergien gegen Hausstaubmilben, Wespen- und Bienengift.

Raten Sie eher zu Spritzen oder zu Tropfen und Tabletten?

Studien sprechen eher für die Scit. Jedoch müssen Arzt und Patient mögliche ernste Neben­wirkungen bedenken. Zudem sind die Spritzen wegen der vielen Praxis­termine aufwendig. Manche finden die Tabletten und Tropfen praktischer. Dabei ist aber zu beachten: Sie müssen wirk­lich konsequent täglich einge­nommen werden.

Wie lange muss man die Therapie durch­halten, damit sie was bringt?

Es dauert meist mehrere Monate, bis sich Beschwerden spür­bar bessern. Für eine maximale und nach­haltige Wirkung muss man sich sogar auf ungefähr drei Jahre einstellen. Zudem gibt es keine Erfolgs­garantie. Manche Menschen bleiben weiter auf antial­lergische Medikamente angewiesen.

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SpecialHeuschnupfen30.03.2019
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