Herz­schwäche Meldung

Wenn das Herz nicht mehr kräftig pumpen kann, können Beta­blocker es entlasten und den Blut­druck senken. Bei älteren Patienten und Frauen mit Herz­insuffizienz wird diese Arznei­mittel­gruppe aber häufig nur zögerlich oder in nied­riger Dosis einge­setzt, denn Ärzte befürchten bei ihnen Unver­träglich­keiten. Eine große Studien­auswertung kommt nun zu dem Schluss: Von Beta­blockern profitieren alle Alters­gruppen und Geschlechter. Ängste vor Unver­träglich­keiten sind meist unbe­gründet.

Beta­blocker sind wirk­same Helfer

Etwa 1,8 Millionen Deutsche leiden an einer chro­nischen Herz­insuffizienz: Das Herz ist nicht mehr in der Lage, den Körper­kreis­lauf mit ausreichend Blut zu versorgen. Jähr­lich kommen 200 000 bis 300 000 neu Erkrankte hinzu, schätzt die Deutsche Gesell­schaft für Kardiologie. Es trifft vor allem Ältere, die bereits mit einer koronaren Herz­krankheit oder Blut­hoch­druck kämpfen. Für die Behand­lung der Herz­schwäche ist eine Arznei­mittel­gruppe gut geeignet: so genannte Beta­blocker. Sie blockieren im Körper Beta-Rezeptoren und können so bestimmte Nervenboten­stoffe, die das Herz anregen, hemmen. Das senkt den Puls und den Blut­druck und führt zu einer geringeren Schlag­kraft und Erreg­barkeit des Herzens. Vor allem Patienten mit verminderter Leistung der linken Herz­kammer, aber mit normalem Herz­rhythmus profitieren von einer Therapie: Nehmen sie Beta­blocker ein, sterben sie nach­weislich seltener vorzeitig und werden seltener ins Kranken­haus einge­wiesen.

Fehlende Daten für Ältere und Frauen

Obwohl Beta­blocker zur Stan­dard­therapie bei Herz­insuffizienz gehören, werden sie zwei Patienten­gruppen häufig nur in geringer Dosis verabreicht oder sogar vorenthalten: älteren Patienten beiden Geschlechts und Frauen. Ärzte befürchten bei ihnen Unver­träglich­keiten, etwa Stürze aufgrund eines Blut­druck­abfalls, oder aber eine gegen­teilige Wirkung wie eine akute Verschlechterung der Herz­insuffizienz. Tatsäch­lich gab es bis jetzt wenige Erkennt­nisse zur Wirk­samkeit und Verträglich­keit von Beta­blockern in beiden Gruppen, da sie in klinischen Studien unterre­präsentiert waren. Eine aktuelle Meta-Analyse, bei der alle Patienten­daten aus verfügbaren Studien nochmals zusammen ausgewertet wurden, schließt diese Lücke. Eine interna­tionale Forschergruppe, bestehend aus den Haupt­autoren der elf wichtigsten Einzel­studien, sichtete mit Unterstüt­zung der vier Herstel­lerfirmen das Rohmaterial und wertete es aus. Die Ergeb­nisse erschienen im Fachmagazin The British Medical Journal.

Deutlich geringeres Risiko für vorzeitigen Tod

In diese nach­trägliche Analyse gingen die Daten von mehr als 13 800 Patienten mit Herz­schwäche ein, deren Links­herz­leistung vermindert, deren Herz­rhythmus aber normal war. Rund 3 280 davon waren Frauen, mehr als 4 000 Senioren beiden Geschlechts zwischen 70 und 80 Jahren. Das Fazit fällt eindeutig und positiv aus: In allen Alters­gruppen verringerte die Therapie mit einem Beta­blocker die Sterb­lich­keit signifikant im Vergleich zum Placebo. Bei der jüngsten Gruppe mit einem Durch­schnitts­alter von 50 Jahren wurde das Risiko, vorzeitig zu sterben, durch die Therapie mit einem Beta­blocker um 34 Prozent gesenkt. Bei der ältesten Gruppe mit einem Durch­schnitts­alter von 75 Jahren sank das Risiko um 23 Prozent. Weitere wichtige Erkennt­nis: Männer und Frauen profitierten in ähnlichem Maße.

Unver­träglich­keiten sind selten

Den Verdacht, dass bestimmte Patienten Beta­blocker nicht gut vertragen, hat die Studien­auswertung nicht bestätigt. In den Beta­blocker-Gruppen waren die Abbruchraten wegen unerwünschten Wirkungen sogar etwas nied­riger als in den Placebo-Gruppen – und das unabhängig von Alter und Geschlecht. Hintergrund: In den Studien wussten die Patienten nicht, ob sie einen Beta­blocker oder ein Scheinmedikament (Placebo) einnahmen. In der täglichen Praxis wissen die Patienten dagegen sehr wohl, dass sie mit Beta­blockern behandelt werden. Tritt Unwohl­sein oder ähnliches auf, führen das Patienten eventuell auf Beta­blocker zurück, obwohl häufig kein Zusammen­hang besteht. Echte Unver­träglich­keiten sind nach bisheriger Daten­lage wohl selten.

Unser Rat

Die Medikamenten-Experten der Stiftung Warentest raten:

  • Achten Sie bei Beta­blockern auf eine exakte Dosierung. Die Behand­lung muss mit nied­rigen Dosierungen begonnen und darf nur sehr lang­sam gesteigert werden. So halten Sie die Gefahr einer akuten Verschlechterung der Herz­insuffizienz gering.
  • Von den vier zugelassenen Wirk­stoffen Carvedilol, Biso­prolol, Meto­prolol und Nebivolol bewertet die Stiftung Warentest drei als „geeignet“, nur Nebivolol ist als mit „Einschränkung geeignet“ einge­stuft. Detailliertere Informationen bietet unsere Daten­bank zu Medikamenten und Wirkstoffen bei Herzschwäche.

Newsletter: Bleiben Sie auf dem Laufenden

Mit den Newslettern der Stiftung Warentest haben Sie die neuesten Nach­richten für Verbraucher immer im Blick. Sie haben die Möglich­keit, Newsletter aus verschiedenen Themen­gebieten auszuwählen.

test.de-Newsletter bestellen

Dieser Artikel ist hilfreich. 14 Nutzer finden das hilfreich.