Herzinfarktrisiko Meldung

Dicke Menschen bekommen eher einen Herzinfarkt als dünne. Das weiß fast jedes Kind. Was dagegen nur wenige wissen: Die genauere Methode, das Risiko zu bestimmen, ist die Berechnung des Taille-Hüft-Quotienten (THQ). Der THQ ist aussagekräftiger als der meist noch verwendete Body-Mass-Index (BMI). Das beweist eine groß angelegte, aktuelle Studie, die das britische Fachblatt Lancet veröffentlicht hat. Das Ergebnis der Studie: Das Herzinfarktrisiko steigt nicht proportional zum Gewicht des Menschen. Für das Herz von Übergewichtigen wirds vor allem dann gefährlich, wenn das Fett zu nahe am Herzen sitzt. Genau an diesem Punkt bringt die THQ-Berechung Vorteile.

Universelle Ergebnisse

Die Methode, das Herzinfarktrisiko mit dem Taille-Hüft-Quotienten zu beziffern, ist noch kein Standard. Wissenschaftliche Arbeiten wie die jetzt veröffentlichte Interheart-Studie zeigen jedoch, dass diese Methode im Vergleich zum Body-Mass-Index genauer und universeller ist. Dies gilt gleichermaßen für Männer und Frauen, für alle Altersgruppen und für alle in der Studie untersuchten Länder. Die Faustregel lautet danach: Je höher das Fett sitzt, desto schlechter fürs Herz.

Mehr Risiko bei Apfelform

Die Unterschiede im Taille-Hüft-Quotienten lassen sich anhand des Körperbaus veranschaulichen: Verteilt sich das Körperfett auf Gesäß, Hüfte und Oberschenkel, ähnelt er in der Form einer Birne. Diese so genannte birnenförmige Verteilung tritt häufiger bei Frauen auf. Die Gefahr eines Herzinfarkts ist dann geringer - wahrscheinlich deswegen, weil sich weniger Fett in der Nähe des Herzens befindet. Männer weisen dagegen häufiger einen apfelförmigen Körperbau auf: Das Fett sammelt sich rund um Bauch und Taille. Bei dieser Apfelform ist das Herzinfarktrisiko größer.

So berechnen und messen Sie

Um den Taille-Hüft-Quotienten zu berechnen, nehmen Sie am besten ein flexibles Zentimetermaß. Die Hüfte sollte bei der Messung nur leicht bekleidet sein. Setzen Sie das Maßband auf der Höhe an, wo das Gesäß am dicksten ist. Bei der Taillenmessung sollte das Band auf der bloßen Haut liegen, legen Sie es unterhalb der Rippenbögen. Dann teilen sie den Tailleumfang in Zentimeter durch den Hüftumfang in Zentimeter. Laut Interheart-Studie gelten folgende Richtwerte: Liegt der THQ bei Frauen über 0,83 und bei Männern über 0,9, dann ist das Übergewicht für rund ein Drittel der Herzinfarkte verantwortlich.

Fett nicht gleich Fett

Das Fett der oberen Körperregionen, also meist rund um den Bauch, ist so genanntes „braunes“ oder „inneres“ Fett. Es lagert sich rund um die inneren Organe ab und ist anders aufgebaut als das Fett an den unteren Regionen wie Gesäß, Hüfte und Oberschenkel. Besonders die Fettzellen im Bauch- und Hüftbereich produzieren Botenstoffe, die auch den Herz-Kreislauf-Stoffwechsel beeinflussen. Sie erhöhen unter anderem den Blutdruck. Auch das könnte ein Grund für das erhöhte Herzinfarktrisiko sein.

27 000 Personen aus 52 Ländern

Für die Interheart-Studie hatten die Forscher 27 000 Personen aus 52 Ländern untersucht, knapp die Hälfte davon hatte einen Herzinfarkt. Bei allen Personen wurde der Body-Mass-Index und der Taille-Hüft-Quotient gemessen. Ergebnis: Der BMI der Herzinfarktpatienten und der „Gesunden“ unterschied sich kaum. Anders lagen die Ergebnisse beim Taille-Hüft-Quotienten: Die Herzinfarktpatienten hatten einen auffallend größeren Quotienten als Nicht-Gefährdete. Das heißt: Der Speck saß mehr auf der Taille.

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