Herrensocken Test

Der Testsieger heißt Joop!, ist aber auch keine Supersocke. Hier ist insgesamt viel Mittelmaß unterwegs.

So eine Socke hat es auch nicht leicht: Stundenlang harrt sie in engen Schuhen aus, ist hohen Tempe­ra­tu­ren, Feuchtigkeit, Druck und Reibung ausge­setzt. Kein anderes Kleidungsstück muss ähnliche Belastungsproben ertragen und ist gleichzeitig mit derart hohen Anforderungen konfrontiert. Die perfekte Socke darf weder zu eng sein noch am Bein herunterrutschen. Sie sollte stän­diges Scheu­ern gut aushalten und selbst nach häufigem Waschen noch ansehnlich und glatt sein. Löchrig sollte sie dabei natürlich auch nicht werden.

Die Vorteile einer wärmenden Fußbe­kleidung wussten schon die alten Römer zu schätzen. Bei ihrem Marsch auf die britische Insel schützten sie ihre Füße mit Wollsocken gegen die ungewohnte Kälte – und trugen dabei Sandalen. Das verrät eine altrömische Bronzestatue, die vor einiger Zeit südlich von London gefunden wurde. Der Begriff „Socke“ ist übrigens ein Lehnwort des lateinischen Wortes soccus. So bezeichneten die Römer einen eng anliegenden Schlüpfschuh, der vor allem im Haus getragen wurde.

Vier Paar Socken pro Mann und Jahr

Heute ist die Socke aus unserer textilen Grundausstattung nicht mehr wegzudenken. Rund 177 Millionen Herrensocken wurden im Jahr 2005 in Deutschland verkauft, pro Mann im Schnitt vier Paar. Wir haben für den Test 20 schwarze Business-Herrensocken mit Preisen von 1 bis knapp 13 Euro ausgesucht und auf Haltbarkeit, Tragekomfort und Verarbeitung geprüft. Die Modelle bestehen zu mindestens 70 Prozent aus Baumwolle. Exemplarisch testeten wir auch drei Socken aus mindestens 60 Prozent Schurwolle. Oft sind den Socken Kunstfasern aus Polyamid und Elasthan beigemischt. Sie sollen für besseren Sitz und mehr Stabilität sorgen.

Die Teuerste wurde schnell löchrig

Die perfekte Socke, die allen Belastungen einwandfrei trotzt und an jedem Fuß wie angegossen sitzt, haben wir nicht gefunden. Auch nicht bei so renommierten Marken wie Ergee, Falke, Hugo Boss, Kunert oder Nur Die. Durchweg überzeugen konnte kein Modell, auch nicht Testsieger Joop!, der zwar „gut“ verarbeitet und haltbar beim Waschen war, aber nur „befriedigend“ in der Scheuerbe­ständigkeit. Bei dieser Prüfung wird untersucht, wie schnell Socken Löcher bekommen. Dafür werden sie so lange unter Druck an einem Testgewebe gescheuert, bis das Garn durch­ge­rieben ist.

Die Socken von Hess natur und die noble Hugo Boss Pan, mit 12,90 Euro die teuerste Baumwollsocke im Test, hielten der Scheuerprobe am schlechtesten stand. Vier Baumwollso­cken haben die Scheuerprobe deutlich besser als alle anderen bestanden: „sehr gut“ für Kunert, P & C, Rossmann und Tchibo.

Wann sich wo ein Loch bildet, hängt allerdings nicht nur von der Socke, sondern auch noch von anderen Fakto­ren ab: zum Beispiel vom Innenmaterial des Schuhs oder vom individuellen „Auftreten“ des Sockenträgers. So wird bei manchen Menschen zuerst die Ferse löchrig, bei anderen die Sohle. Auch die Länge der Fußnägel hat einen Einfluss dar­auf, wie schnell sich die Zehen durch die Socken bohren.

25 Mal gewaschen

Die Tour in der Waschmaschine ist für viele Textilien eine Härteprüfung. Um zu testen, wie stark die Socken durch das Waschen einlaufen, Farbe verlieren oder fusselig werden (pillen), steckten wir sie insgesamt 25 Mal in die Maschine. Am besten sahen am Ende die Baumwollsocken von Hugo Boss, Joop! und Kaufhof aus. Alle diese Socken bestehen aus einem festeren Baumwollgarn.

Weichere, „flauschigere“ Fußhüllen bekommen dagegen schneller Flusen und Knötchen (Pills). Die Socken von C & A, Deichmann und P & C waren sogar schon nach fünfmaligem Waschen stark fusselig und unansehnlich. Dafür kassierten sie ein „Ausreichend“ in der Materialverän­derung beim Waschen.

Rossmann-Socke zu klein geraten

Die Socke von Rossmann fiel in puncto Materialveränderung beim Waschen sogar durch. Sie war im Neuzustand schon knapp und lief beim Waschen stark ein, sodass sie nur noch für Größe 43, aber nicht mehr für 46 passte, obwohl sie für 43 bis 46 geeignet sein soll.

Von den drei Wollsocken sind Falke und Karstadt/Barisal beim Waschen „gut“ halt­bar. Hugo Boss Basic Wool färbte dagegen leicht auf andere Wäschestücke ab. Übrigens lohnt es sich, für Wollsocken ein Wollwasch- oder für Wolle geeignetes Feinwaschmittel zu benutzen. So hält der Farbton länger .

Tipp: Viele der neuen Baumwollsocken färbten im nassen Zustand ab. Neu gekaufte Socken deshalb immer vor dem ersten Tragen waschen.

Drei gefielen besonders „gut“

Socken, die ständig in Richtung Knöchel rutschen oder deren Bündchen sichtbare Druckstellen hinterlassen, können ordentlich nerven. Gerade bei einem langen Arbeitstag ist ein bequemer Sitz der Fußbekleidung nicht zu unterschätzen. Wir haben den Praxistest gemacht: Zehn Männer haben jedes Paar Socken einen Tag lang getragen. Besonders „gut“ gefielen ihnen die Baumwollsocken von Ergee, Falke und Hudson. Das Rossmann-Modell war dagegen für den oberen Größenbe­reich zu knapp. Die Kaufhof-Socke bildete Falten im Ristbereich, was zu unangenehmen Druckstellen führen kann.

Weite Bündchen für Fußballerwaden

Auch die Bündchenweite spielt für viele eine Rolle. Vor allem wenn die Waden kräftig sind, sollte Mann die Elastizität und Weite der Bündchen prüfen. Männer mit Waden wie Bastian Schweinsteiger sollten lieber zu einer Socke mit einem leicht dehnbaren Bündchen greifen.

Kaufhof-Socke mit Laufmaschen

Die meisten Socken sind ordentlich verarbeitet, mitunter tadellos. H&M und Hess natur kamen aber über ein „Befriedigend“ nicht hinaus, da die Fäden teilweise verdickt waren oder die Naht an der Spitze zu hart ausfiel. Die Werther-Paris-Socken von Kaufhof wiesen einige echte Verarbeitungsmängel auf, in einem Fall gar Laufmaschen. Dafür gab es bei der Verarbeitung gerade noch die Note „ausreichend“.

Mit Silberionen gegen den Geruch

Keine Frage: Stinkefüße in Konferenzrunden sind unangenehm. Um dem entgegen­zuwirken, statten Tchibo und Falke ihre Herrensocken TCM und Family mit antimikrobiellen Substanzen (Biozide) aus, die die schweißzersetzenden Bakterien abtöten und dadurch die Geruchsbildung verhindern sollen. Die Falke-Socke Family hat eine Silberionen-Ausrüstung. Die Tchibo-Socke trägt den Aufdruck „Sanitized“. Dabei handelt es sich um eine antimikrobielle Ausrüstung, die je nach Einsatzbereich unterschiedliche Wirkstoffe enthalten kann, in diesem Fall quaternäre Ammoniumverbindungen.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung sieht die antimikrobielle Ausrüstung von Alltagstextilien grundsätzlich mit Skepsis. Die Experten befürchten, dass durch den vermehrten Einsatz die hauteigene Bakterienflora negativ beeinflusst wird. Ferner könnten durch die Verwendung von Bioziden wie beispielsweise Triclosan Keime resistent werden. Der Verbraucher erfährt leider häufig nicht, welche Wirkstoffe bei diesen Ausrüstungen eingesetzt werden. Auch die Wirksamkeit von „Frischeausrüstungen“ wird kontrovers diskutiert. Im Test bemerkte jedenfalls nur eine von zehn Personen eine positive Wirkung auf die Geruchsbildung. Sonsti­ge problematische Inhaltsstoffe wie verbo­tene Azo- oder allergisierende Dispersions­farbstoffe enthielt erfreulicherweise keine einzi­ge Herrensocke im Test.

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