Herrenhemden Test

Im Test: 21 Hemden zu Preisen von 8 bis 120 Euro, von Aldi (Nord) über Bugatti, Hugo Boss und Seidensticker bis van Laack. Viele sind bald zerknittert statt bügelfrei, zu schnell nutzen sich die Kragen ab. Nur ein Hemd ist „gut“, fünf sind „mangelhaft“.

„Cool in der Hektik. Gelassen im Stress. Das Hemd bleibt glatt.“ Der Slogan des Herstellers Olymp macht klar: Das Businesshemd für den dynamischen Geschäftsmann von heute bringt Erfolg, Glück und Zufrie­denheit. Auch deshalb, weil es einfach nicht knittert – egal, was im Job passiert. Mit dem richtigen Hemd, so die Werbung weiter, steigt Mann quasi „in den Olymp“ auf. Im wahren Leben aller­dings, fern von göttlichen Gefilden, landet der Hemdträger schnell wieder auf dem Boden der Tatsachen. Im Test der 21 Herrenhemden zeigte sich das Luxor-Modell von Olymp jedenfalls wenig stressresistent und kassierte wegen begrenzter Haltbarkeit ein „Mangelhaft“ – ebenso die Modelle von Aldi (Nord), Bugatti, Karstadt und Seidensticker. Ein „Gut“ hat sich nur Peek & Cloppenburg verdient. Alle anderen Marken reihen sich zwischen „befriedigend“ und „ausreichend“ ein.

Ganz anders wirken die 21 Baumwollhemden im Neuzustand. Da kommen sie alle gut verarbeitet und makellos daher. Genauso wie auf den Herrenetagen der Kaufhäuser, wo sie von Licht überflutet edel in Szene gesetzt werden. Riesengroß ist dort die Auswahl an Marken und Farben, die Preisspanne weit gefächert.

Blau liegt im Trend

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Das hellblaue Businesshemd aus Baumwolle haben so gut wie alle Anbieter im Sortiment. Kollektionen kommen und gehen, doch der hellblaue Klassiker bleibt das ganze Jahr im Handel. Neben Weiß ist Hellblau die dominierende Farbe im Geschäftsleben. Dezent, mit vielem kombi­nierbar – und im Grunde von Kindertagen an die „Jungenfarbe“. Für 2007 sieht die Modebranche für die Blaupalette gar ein Comeback als Modefarbe. Vorbei die Zeit der knalligen Farbeffekte, neutrale Töne kehren zurück.

Mit behandelter Baumwolle

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Nicht nur den Herren der Schöpfung ist dieser Test gewidmet. Denn gut zwei Drittel aller Hemden werden von Frauen gekauft und auch von ihnen gepflegt. Das müsste immer leichter werden, da die Baumwolle zunehmend „veredelt“ in den Handel kommt. Das heißt, sie wird durch chemische Verfahren in ihren Eigenschaften verbessert. Im Textilfachjargon wird das „Ausrüstung“ genannt. Und schon etwa 80 Prozent aller Businesshemden werden heute mit einer „Bügelleicht“- oder „Bügelfrei“-Ausrüstung angeboten. Zirka ein Drittel davon machen die bügelfreien Hemden aus, Tendenz steigend.

Viel gewaschen, getragen, gebügelt

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Wir wollten wissen, ob sich beide Hemdtypen tatsächlich leichter pflegen lassen, wie haltbar sie sind und wie es um den Tragekomfort steht. Dazu haben wir sie 30-mal gewaschen, vielfach gebügelt, getragen und zum Vergleich zwei Hemden ohne Pflegeleichtausrüstung einbezogen.

Bis auf Hess Natur haben alle Modelle einen Kentkragen – das Aktionshemd von Aldi (Nord) für 8 Euro genauso wie die Edelvariante von van Laack für 120 Euro. Benannt nach dem Herzog von Kent, der ihn um 1930 populär machte, bilden die Ecken dieses Kragens einen rechten Winkel und lenken den Blick auf den gebundenen Schlips.

K.-o.-Schlag durch den Kragen

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Durchgewetzter und löchriger Kragen nach 30 Wäschen bei Aldi (oben). Abgewetzter Kragen bei CasaModa (unten).

Ausgerechnet der Kragen hat sich als K.-o.-Kriterium erwiesen und zu den vielen schlechten Urteilen geführt. Denn Blasenbildung am Stoff, durchge­scheuerte und löchrige Spitzen, an denen die Einlagen sichtbar werden, machen ein Geschäftshemd untauglich. Bei Aldi (Nord) und Seidensticker war der Kragen schon nach der zehnten Wäsche angegriffen. Bei den anderen drei „mangelhaften“ Marken (Karstadt, Bugatti, Olymp) traten nach der 17. Wäsche Scheuerstellen auf. Das entspricht ungefähr einer Lebensdauer von einem Jahr – also kürzer, als die Garantie mancher Anbieter besagt. Und viele andere Modelle mussten spätestens nach 30 Wäschen wegen abgewetzter Kragenspitzen ausrangiert werden.

Nur drei Kragen haben die 30 Wäschen unbeschadet überstanden: P & C, Hugo Boss und van Laack. Ihr Geheimnis: die herausnehmbaren Kragenstäbchen. Es lohnt sich, beim Kauf auf dieses Detail zu achten. Die ohnehin steifen Kragen nutzen sich schneller ab, wenn die Stäbchen eingearbeitet sind und beim Waschen nicht entfernt werden können.

Wirklich bügelfrei ist keins

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Beim Waschen quellen die Baumwollfasern auf und verhaken sich. So entstehen die Knitter. Drei bis vier Minuten dauerte es im Test, ein „bügelfreies“ Hemd zu bügeln. Mischgewebe mit Polyester knittert weniger, konnte sich aber nur in den USA und nicht in Europa durchsetzen.

Wer regelmäßig Hemden trägt, weiß es längst: Bügelfreie Hemden zu kaufen und zu tragen, bedeutet noch lange keinen Abschied vom Bügeleisen. Auch der Test zeigt: Wenig schleudern, feucht aufhängen, trocknen lassen – das reicht nicht aus, um die Knitterfalten loszuwerden. Die Hälfte der bügelfreien Hemden sah ungebügelt reichlich zerknittert aus, was vor allem an den gekräuselten Nähten lag (Eterna, C&A, Jupiter, Einhorn, Neckermann, Bugatti). Rund drei bis vier Minuten musste immer nachgebügelt werden.

Ist es dann nicht von vornherein besser, gleich bügelleichte Hemden zu kaufen? Nicht wirklich. Sie kosten zwar im Schnitt etwas weniger als die bügelfreien, verknittern aber meistens noch mehr und müssen so auch länger geglättet werden. Ob in einem Hemd eher eine Bügelfrei- oder eine Bügelleicht-Ausrüstung steckt, ist für den Verbraucher leider weder beim Einkauf noch in der Praxis eindeutig erkennbar (siehe „Interview“).

Deutlich sichtbar ist dagegen der Unterschied zu den Hemden, deren Stoffe nicht bügelleicht sind. Bei ihnen dauert das Bügeln noch länger, im Test bis zu neun Minuten. Vor allem das Hemd aus Bio-Baumwolle von Hess Natur erwies sich als wahrer „Edelknitter“.

Weniger Knitter, aber mehr Schweiß

Gerade von einem Businesshemd erwartet der Träger, dass es ihn bequem durch den Tag bringt. Auch dann, wenn er in wichtigen Verhandlungen ins Schwitzen gerät. Wir haben mit allen Hemdstoffen mäßiges und starkes Schwitzen im Labor simuliert. Beim Schweißtransport konnten die beiden Hemden ohne Bügelleichtausrüstung von Hess Natur und van Laack punkten: Weil ihre Oberfläche nicht durch Kunstharze verklebt ist, transportieren sie sehr gut Schweiß. Dagegen schaffte es der Stoff von Marvelis nicht einmal in zehn Minuten, einen Wassertropfen aufzunehmen. Fazit: Je stärker der Stoff mit Kunstharz bei der Veredelung bearbeitet wird, umso weniger nimmt er Feuchtigkeit auf.

Die Veredelung ist nur eine von vielen Stationen bis zum fertigen Hemd. Das eigentliche Herzstück der schwer durchschaubaren Textilkette bildet die Konfektionierung, das Nähen der Hemden. Für den Test haben wir uns auf ihre Spur begeben und zahlreiche Hemdenhersteller in Osteuropa und Asien besucht (siehe Unternehmensverantwortung: Herrenhemden CSR).

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