Herrenhemden Test

Das klassische Businesshemd ist hellblau, aus Baumwolle und stets perfekt in Form. Je glatter das Hemd, desto steiler die Karriere – suggeriert die Werbung. Der Vorstand trägt van Laack – das Hemd für 120 Euro, der Abteilungsleiter trägt Hugo Boss für 70 Euro, die Angestellten Gilberto für nur 20 Euro. Bringen teure Hemden wirklich mehr? Halten sie länger? Werden sie sorgfältiger produziert? Die Stiftung Warentest hat 21 Businesshemden getestet. Das Ergebnis überrascht.

Olymp und Seidensticker mangelhaft

Neu und frisch gebügelt machen alle Hemden eine gute Figur. Keine Knitter, keine Falten. Wie aber verkraften die Hemden den rauen Alltag im Büro und den Stress in der Waschmaschine? Die Stiftung Warentest hats ausprobiert. Waschen, Schleudern, Trocknen: 30mal mussten die Hemden diese Prozedur überstehen. Das entspricht einer Lebensdauer von etwa anderthalb bis zwei Jahren. Fünf Hemden machten vorzeitig schlapp: neben den Billigangeboten von Aldi und Karstadt auch so namhafte Marken wie Bugatti, Olymp und Seidensticker. Ihre Kragen sind nach nur 10 bis 17 Wäschen angegriffen, abgewetzt oder sogar durchgescheuert. Im Büro nicht mehr tragbar. Testurteil: mangelhaft.

Gilberto schlägt Boss

Testsieger ist dagegen Gilberto – die Hausmarke von Peek & Cloppenburg. Das Gilberto Hemd übersteht auch 30 Wäschen ohne Schaden. Dabei kostet es nur 20 Euro. Mit Gilberto sind die Angestellten sogar besser betucht als der Abteilungsleiter mit seinem teuren Hemd von Hugo Boss. Das bremst den Feuchtigkeitstransport. Der Chef kommt ins Schwitzen. Das Gilberto-Hemd trägt sich angenehmer. Und es ist leichter zu bügeln: Knitter und Falten sind schnell verschwunden. Die Bügelzeit für bügelleichte Hemden beträgt etwa vier bis sechs Minuten.

Ohne Bügeln geht es nicht

Noch schneller geht das Bügeln bei „bügelfreien“ Hemden. Hier reichen drei bis vier Minuten. Bestes Hemd in der Kategorie bügelfrei: Walbusch London für 60 Euro. Ganz ohne Bügeleisen kommen aber auch bügelfreie Hemden nicht in Form. Beim Waschen lösen sich immer ein paar Fasern aus dem Stoff, die das Hemd rau aussehen lassen. Die bügelfreie oder bügelleichte Ausrüstung beschleunigt das Bügeln jedoch. Ausrüstung heißt: Die Hersteller behandeln die Baumwolle mit Kunstharz, Flüssigammoniak und ähnlichem mehr. Das behandelte Gewebe kommt nach der Wäsche besser in Form. Acht von zehn Businesshemden werden heute entsprechend ausgerüstet.

Der Vorstand bleibt trocken

Liebhaber reiner Baumwolle haben weniger Auswahl. Nur zwei Hemden im Test kommen ohne Ausrüstung daher: van Laack Reno und Hess natur. Auffällig: Beide sind praktisch schadstofffrei. Sie enthalten kein Formaldehyd. Und sie punkten beim Tragekomfort: Reine Baumwolle ohne Kunstharz leitet Schweiß besonders gut ab. So kommt der Vorstand im van Laack-Hemd nicht ins Schwitzen. Wählt er Hess natur, trägt er sogar Bio-Baumwolle auf der Haut. Nachteil beider Hemden: Sie müssen aufwändig gebügelt werden. Besonders lange dauert das beim Hemd von Hess. Mindestens neun Minuten möchte die Bio-Baumwolle mit einem heißen Eisen verwöhnt werden, sonst reagiert sie äußerst zerknittert.

100 Schritte zu einem Hemd

Viel aufwändiger noch als das Bügeln ist die Produktion der Hemden. Fast 100 Arbeitsschritte brauchen die Näherinnen, um ein einziges Hemd zu nähen. Genäht wird dort, wo Arbeitskräfte billig sind: in China etwa, Indonesien oder Vietnam. Hier kostet ein Arbeiter kaum einen Euro pro Stunde. Inklusive aller Abgaben und Steuern. Achten die deutschen Hersteller dabei auf soziale Standards? Kontrollieren Sie Ihre Zulieferer? Sichern Sie Ihre Beschäftigten ab? Auch das hat die Stiftung Warentest untersucht. Die Tester befragten die Hersteller und prüften 29 Kriterien zur sozialen und ökologischen Unternehmensverantwortung.

Walbusch made in Germany

Erfreuliches Ergebnis: 14 von 18 Anbietern sind sozial und ökologisch engagiert. Drei davon sogar stark: Testsieger Peek & Cloppenburg, sowie Eterna und C & A. Sie halten gesetzliche Mindeststandards ein und kontrollieren die Einhaltung auch bei Ihren Lieferanten. Hugo Boss und Jupiter blieben im Test dagegen stumm. Sie verweigerten jede Auskunft zu sozialen und ökologischen Fragen. Einen besonderen Weg geht Walbusch: Die Firma aus Solingen lässt in Deutschland nähen. Als einziges Unternehmen im Test. Hier kostet die Arbeitskraft 12 bis 21 Euro pro Stunde. Im Vergleich dazu sind Walbusch-Hemden nicht teuer. Preis: etwa 60 Euro. Billiger als ein Hemd von Hugo Boss. Hut ab, Walbusch.

Dieser Artikel ist hilfreich. 3573 Nutzer finden das hilfreich.