Herdreiniger Test

Welcher Reiniger rückt eingebrutzelten Speisen so richtig auf den Leib? Welche Mittel werden in der Küche wirklich gebraucht? Dieser Test gibt Antworten.

Eine Sekunde nicht hingeguckt, schon ist die Milch oder das Nudelwasser übergekocht und festge­brannt. Dann heißt es schrubben. Bei Glaskeramikkochfeldern kann das zu Kratzern führen. Spezialreiniger sollen Schrammen vermeiden. Sie lösen Verkrus­tungen schonend und überziehen die Kochstellen mit einem Schutzfilm. So steht es zumindest auf vielen Verpackungen.

Ist also neben Spülmittel, Scheuermilch, Universal- und Backofenreiniger auch noch ein Glaskeramikreiniger erforderlich? Wenn ja, welcher? Und lohnt sich überhaupt ein Spezialreiniger oder tut es der Universale auch? Um diese Fragen zu beantworten, haben wir elf Spe­zialreini­ger für Glaskeramikfelder, sieben Backofenreiniger sowie als Stichprobe fünf Hilfsmittel und Universalreiniger unter die Lupe genommen.

Hartnäckig Eingebranntes

Herdreiniger Test

1. Schritt: Eingebrannte Speisen mit dem Schaber abkratzen und dann wegwischen.

Bei den Glaskeramikreinigern gab es große Unterschiede in der Reinigungsleistung. Die Urteile reichten von „sehr gut“ bis „ausreichend“. Im Test mussten alle Reiniger gegen die eingebrannten Anschmutzungen von Bratensoße, passierten Tomaten, einer Mischung aus Schmand und Dosenmilch sowie einem Sud aus Reis und Salzwasser antreten. Die Schmand-Milch-Mischung machte den Spezialreinigern am meisten zu schaffen. Sieben der elf Produkte bekamen hier ein „Mangelhaft“. Das eingebrannte Tomatenpüree säuberten dagegen alle „sehr gut“ bis „gut“. Doch nur die beiden Testsieger Ceraclen und Schlecker AS Glaskeramikreiniger reinigten die Kochfläche bei allen vier Verschmutzungen „sehr gut“. Das Schlecker-Produkt bestätigt außerdem, dass auch preiswerte Reiniger gute Arbeit leisten. Ihn erhält man schon für 0,60 Euro pro 100 Milliliter, während Ceraclen 1,50 Euro für 100 Milliliter kostet.

Die Schmand-Milch-Mischung stand im Test stellvertretend für Speisen, die Zucker, Fett und Eiweiß enthalten. Einmal eingebrannt, sind sie nur schwer zu entfernen und können sogar hässliche Flecken hinterlassen.

Tipp: Wenn etwas überkocht, schieben Sie es sofort mit dem Schaber aus der heißen Kochzone und entfernen Sie es mit einem feuchten Küchentuch. So kann erst gar nichts einbrennen.

Sanft scheuern

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2. Schritt: Das erkaltete Kochfeld mit Spezial­reiniger und Küchentüchern reinigen.

Was aber ist so besonders an den Glaskeramikreinigern? Neben Tensiden, die auch in Universalreinigern enthalten sind, stecken in ihnen auch Abrasivstoffe. Das sind feine Scheuerpartikel, auch Polierpigmente genannt. Sie sind feiner als in der Scheuermilch und unterstützen die Reinigung. Ein Universalreiniger hinge­gen eignet sich nur zum Entfernen fetthaltiger Speisereste. Eingebrannte Zucker­reste oder anderen hartnäckigen Schmutz entfernt er nicht.

Ein zusätzlicher Schutzfilm durch Silikonöl soll das Kochfeld vor dem Einbrennen von Speisen schützen. Zurzeit gibt es aber noch kein reproduzierbares Verfahren, das eine solche Schutzschicht nachweisen könnte. Im Test wurde sie deshalb nicht überprüft.

Um das Glas zu schützen, sind Glaskeramikreiniger außerdem mit Zitronensäure auf einen sauren pH-Wert eingestellt. Universalreiniger sind meist leicht alkalisch, was Glas angreifen kann.

Schutz gegen Kratzer

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Wenn der Ofen lange nicht gereinigt wurde, wird es selbst für Backofenreiniger schwer.

Wir haben auch überprüft, ob die Scheuerpartikel bei starkem Rubbeln mechanische oder chemische Schäden in Form von Kratzern oder Mattierungen hinterlassen. Es gab keine bösen Überraschungen – bei keinem Produkt.

Farbig schillernde Beläge auf dem Kochfeld hingegen entstehen nicht durch einen Reiniger, sondern durch mehrfach übergekochtes Salzwasser. Auch nach feuchtem Abwischen bleibt eine dünne Salzschicht auf dem Kochfeld zurück. Durch veränderte Lichtbrechung schillert es dann in Regenbogenfarben. Die Abrasivkompenenten der Glaskeramikreiniger entfernen die Schlieren leicht. Bei Finol und Cera-fix musste das Mittel allerdings ein zweites Mal aufgetragen werden, um sie vollständig zu beseitigen.

Übrigens: Ceran ist eine Marke der Firma Schott für Glaskeramik. Als Ceranfeld dürfen nur ihre Glaskeramikkochfelder bezeichnet werden. Umgangssprachlich hat sich aber das Ceranfeld für alle Glaskeramikkochfelder eingebürgert.

Backofen: Von selbst geht hier nichts

Die sechs Backofenreini­ger im Test sollen hartnäckigen Schmutz wie „von selbst“ lösen. Mit Tomaten-Käse-Soße und einer Zucker-Frucht-Mischung haben wir das auf die Probe gestellt. Die zuckerhaltige Verschmutzung ließ sich am schwersten lösen. Auch beim Schrubben mit mehr Kraft erzielten die Prüfer hier keine bessere Reinigungsleistung. Eine insgesamt „gute“ Reinigungsleistung hatte nur Sidol.

Die Zeit löst allen Schmutz?

Wenn der Backofenreiniger länger einwirkt, löst sich festgebackener Schmutz leichter. Das sagen die Hersteller. Doch für die Einwirkzeit machen sie keine eindeutigen Angaben: „zwei bis vier Stunden, bei Bedarf auch bis zu 24 Stunden“ oder „mindestens eine Stunde bis zu 24 Stunden bei starker Verschmutzung“. Wie lange soll das Mittel nun einwirken? Je länger, desto besser? Unsere Tester fanden etwas anderes heraus. Nach 24 Stunden Einwirkzeit löste sich der Schmutz nicht besser als nach zwei Stunden. Nur ein Hersteller nennt eine konkrete Einwirkzeit. 20 Minuten soll der Backofenreiniger von Sidol im Ofen wirken.

Alles fällt nach unten

Ein anderes Problem: Wenn ein Reiniger 24 Stunden an den Backofenwänden einwirken soll, muss er auch auf der Senkrechten haften. Die beiden Backofen-Gele waren die einzigen Produkte, die auch noch nach 24 Stunden da waren, wo die Tester sie hingesprüht hatten. Die anderen rutschten schon bald die Backröhrenwand hinunter. Keiner der Backofenschäume hielt sich so lange in der Senkrechten wie der Reiniger laut Anleitung einwirken sollte. Dafür gab es bei der „Haftung an senkrechten Flächen“ „befriedigend“ bis „mangelhaft“.

Explosive Mischung

Die Rezepturen der Backofenreiniger sind in den letzten Jahren entschärft worden. Ätzende Stoffe wie Natronlauge enthalten sie jetzt nicht mehr. Trotzdem sind die vier getesteten Schaumreiniger noch mit mindestens einem Gefahrensymbol versehen. Alle Spraydosen sind wegen der Treibmittel Propan und Butan „hochentzündlich“, zwei Reiniger außerdem „reizend“.

Eine zusätzliche Gesundheitsgefahr bei den Backofenschäumen sind die feinen Partikel, in denen die Wirkstoffe aus der Sprühdose kommen. Sie können beim Einatmen die Lunge reizen. Deshalb sollten die Reiniger nur in gut gelüfteten Räumen benutzt werden. Insbesondere bei Menschen mit Asthma oder anderen Atemwegserkrankungen kann es zu Überreaktionen kommen. Im Gegensatz dazu sind die Backofen-Gele harmlos: Sie enthalten keine Treibmittel.

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