Hepatitis C Meldung

In einer Apotheke in Nord­rhein-West­falen ist ein gefälschtes Medikament gegen Hepatitis C aufgetaucht. Betroffen ist das Präparat „Harvoni 90 mg / 400 mg Film­tabletten“ der Firma Gilead. Die gefälschten Pillen sind weiß – Patienten sollten sie nicht nehmen. Die echten Pillen sind orange.

Zum Verwechseln ähnlich – bis auf die Farbe

Das Bundes­institut für Arznei­mittel und Medizin­produkte (BfArM) warnt vor einer Fälschung des Arznei­mittels Harvoni 90 mg / 400 mg Film­tabletten der Firma Gilead. Die gefälschten Tabletten sind nicht wie üblich orange, sondern weiß. Das war einem Patienten aus Nord­rhein-West­falen bei seinem Präparat aufgefallen und er brachte es in die Apotheke zurück. Bis auf die Farbe ähneln die gefälschten Tabletten dem Original zum Verwechseln. Form, Prägung, Verpackung – alles ist laut BfArM gleich. Sogar die Chargenbezeichnung 16SFC021D stimmt mit einer real existierenden über­ein. Das Verfalls­datum lautet Juni 2018.

Weiße Tabletten auf keinen Fall einnehmen

Der Inhalt der gefälschten Tabletten wird derzeit untersucht. Es ist also noch unklar, welche Stoffe enthalten sind und ob sie schaden können. Patienten, die Harvoni 90 mg/400 mg zu Hause haben, werden dringend gebeten, ihr Präparat zu über­prüfen. Wer dabei fest­stellt, dass er die entsprechende Charge zu Hause hat oder dass seine Tabletten weiß sind, sollte das weitere Vorgehen mit dem Arzt oder Apotheker besprechen. „Weiße Tabletten sollen Patienten auf gar keinen Fall einnehmen“, sagt BfArM-Presse­sprecher Maik Pommer gegen­über test.de.

Apotheker sollen Bestände über­prüfen

Die Firma Gilead, die das Arznei­mittel Harvoni produziert, hat die betroffene Charge inzwischen sicher­heits­halber zurück­gerufen. Die Arznei­mittel­kommis­sion der Deutschen Apotheker forderte alle Apotheken auf, ihre Waren­bestände unver­züglich zu prüfen und Packungen der entsprechenden Charge „sofort unter Quarantäne zu stellen“. Das soll verhindern, dass Patienten sie bekommen.

Lukrativ – eine Tablette kostet 600 Euro

Harvoni zählt derzeit zu den teuersten Arznei­mitteln in Deutsch­land. Eine einzige Tablette kostet ungefähr 600 Euro. „Solche Medikamente sind für Fälscher natürlich besonders lukrativ“, sagt Pommer. Noch sei unklar, wie sie es geschafft haben, ihr Plagiat in die legale Lieferkette einzuschleusen. „Insgesamt gelingt das außer­ordentlich selten und die EU-Fälschungs­richt­linie wird noch mehr Sicherheit bringen.“ Voraus­sicht­lich ab 2019 soll demnach jedes rezept­pflichtige Medikament eine individuelle Serien­nummer bekommen. So lässt sich die Echt­heit über­prüfen – zum Beispiel vor der Abgabe in der Apotheke. Pommer findet das „sehr wichtig mit Blick auf den Patienten­schutz“.

Mittel gegen gefähr­liche Leber­erkrankung

Harvoni enthält zwei Wirk­stoffe in Kombination, nämlich Ledipasvir und Sofosbuvir, und ist eines von verschiedenen neuartigen Medikamenten gegen Hepatitis C. Sie erzielen enorm hohe Heilungs­raten. Unbe­handelt kann die Virus­erkrankung die Leber schwer schädigen, bis hin zu Leber­zirrhose und Leber­krebs. Mehr Infos zum Thema Hepatitis, den Behand­lungs­möglich­keiten sowie den neuartigen Medikamenten finden sich in unserer Arznei­mittel­daten­bank unter dem Stich­wort Leberentzündung.

Newsletter: Bleiben Sie auf dem Laufenden

Mit den Newslettern der Stiftung Warentest haben Sie die neuesten Nach­richten für Verbraucher immer im Blick. Sie haben die Möglich­keit, Newsletter aus verschiedenen Themen­gebieten auszuwählen.

test.de-Newsletter bestellen

Dieser Artikel ist hilfreich. 9 Nutzer finden das hilfreich.