Helfer auf der Baustelle Meldung

Geschickt. Was die Freunde schon ­erledigen, muss die Baufirma nicht machen. Der Bauherr sollte schriftlich festlegen, wer was macht. Sonst gibts bei Mängeln Streit, wer schuld ist.

Verwandte und Kollegen sind ­günstige Mitarbeiter bei Hausbau oder Sanierung. Der ­Bauherr muss sie aber versichern und ihre Arbeit gut organisieren.

Ein Stein, ein Kalk, ein Bier! Vor diesem Rhythmus graut es jedem Bauherrn. Verantwortungsbewusste Helfer sind für Eins-a-Qualität unverzichtbar.

Roman Henke hat welche gefunden. Mit ihrer Hilfe will der 35-Jährige das Zweifamilienhaus umbauen, das er für seine bald vierköpfige Familie gekauft hat.

Sein Bruder und sein Vater haben sich bereit erklärt, so manches Wochenende auf dem Bau zu stehen und überall mit anzufassen, wo ihre Hilfe gebraucht wird. Sie wollen Material heranschaffen, Schutt wegkehren, den Betonmischer bedienen sowie Steine und Mörtel zureichen.

Von vornherein ist ausgemacht, dass innerhalb der Familie kein Geld fließen soll. Nur die Benzin-, Material- und Werkzeugkosten wird der Bauherr begleichen.

Henke hat außerdem einen Tischler zum Freund, der in einer Baufirma angestellt ist, aber nur halbtags arbeitet. Genau so ­einen Mann braucht er.

Mike wird die Trockenbauwände setzen, Fenster und Türen einbauen und auch den Fußboden verlegen. Allerdings will der Freund etwas Geld hinzuverdienen. So vereinbaren beide, dass der Bauherr ihm pro Arbeitsstunde 7 Euro zahlt.

Nachbarschafthilfe ohne Lohn

Die Aufträge für die Elektroinstallation und die neue Heizungsanlage hat Roman Henke auch schon an Bekannte vergeben. Michael ist Heizungs- und Sanitärinstallateur und ein Freund der Familie, der andere ist selbstständiger Elektromeister. Beide haben angeboten, für 17 Euro die Stunde nach Feierabend das Haus zu verrohren und zu verkabeln.

Nachbarschaftshilfe nach den Buchstaben des Gesetzes leisten auf Henkes Baustelle nur Bruder und Vater. Denn sie wollen kein Geld haben. Der Bauherr dürfte ihnen sogar eine Anerkennung zahlen, ­jedoch keinen festen Stundenlohn wie ihn die Freunde Mike, Michael und der Elektriker bekommen. Diese drei müssen ihre zusätzlichen Einkünfte als Feierabend­helfer dem Finanzamt melden.

Geschickte Helfer sind Gold wert

Mit seinen fachlich qualifizierten Helfern wird Henke eine Menge Geld sparen. Schon beim Aushandeln der Baufinanzierung mit der Bank reduziert ein hoher Anteil von Eigenleistungen die Kredithöhe und damit die Kosten für das Darlehen.

Auf Zuverlässigkeit und Geschick seiner Helfer sollte der Bauherr aber Wert legen. Denn für ihre Leistungen übernimmt niemand die Regress- oder Gewährleistungspflicht. Ihre Fehler muss der Bauherr selbst ausbügeln. Ist er kein Experte, sollte er ­einen unabhängigen Bauberater hinzu­ziehen, der koordiniert und die Qualität kontrolliert (siehe „Unser Rat“).

So viel die Helfer auch leisten, eines können sie dem Bauherrn nicht abnehmen: Er muss ihre Arbeit organisieren, den Zeitaufwand richtig schätzen und sie terminlich in den Gesamtbauplan einpassen. Außerdem hat der Häuslebauer auf Arbeitsschutz und Sicherheit zu achten und er muss etliche Vorschriften zusätzlich erfüllen, wenn er Helfer einsetzt.

Der erste Weg führt Roman Henke spätestens eine Woche nach Beginn der Bauarbeiten zur regionalen Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG Bau). Hier muss laut Gesetz jeder sein Bauvorhaben anmelden und alle Helfer namentlich nennen. Dabei macht es keinen Unterschied, ob sie für oder ohne Geld arbeiten. Nur ­Arbeiten, die insgesamt nicht mehr als 40 Stunden dauern, sind nicht anzugeben.

Bauhelferversicherung ist Pflicht

Die BG Bau versichert die Freizeitbauarbeiter für den Fall, dass sie auf der Baustelle oder auf dem Hin- oder Rückweg ­einen Unfall haben. Pro Arbeitsstunde und Helfer kostete dieser gesetzliche Unfallschutz einen Bauherrn im Jahr 2005 in Sachsen 1,84 Euro und in Bayern 2,18 ­Euro. Der Betrag ist von Bundesland zu Bundesland verschieden.

Wenn die Verwandten insgesamt 40 Stunden und Tischler Mike 60 Stunden auf Henkes Bau arbeiten, überweist er in Sachsen 184 Euro an die BG Bau. Sie rechnet in der Regel nach Fertigstellung des Hauses ab. Wer will, kann auch schon früher eine Zwischenrechnung haben.

Selbst wenn der Helfer eine private Unfallversicherung hat, muss der Bauherr die Bauhelferversicherung abschließen. Informiert er die Berufsgenossenschaft nicht, droht ihm ein Bußgeld bis 2 500 Euro. Die Helfer sind aber auch unfallversichert, wenn der Bau nicht gemeldet ist.

Die Kumpel für Elektrik und Sanitär muss Roman Henke nicht versichern. Die beiden Selbstständigen sind durch ihre ­eigene Berufsgenossenschaft versichert, denn sie sind ja auch auf Henkes Bau in ­ihrem Beruf tätig. Obwohl beide für einen Freundschaftspreis arbeiten, besteht zwischen ihnen und Henke ein Auftraggeber-Auftragnehmer-Verhältnis. Dieses sollte in einen Werkvertrag gegossen werden, der alle Arbeiten detailliert aufführt.

Auch Roman Henke und seine Ehefrau sind von der Versicherungspflicht ausgenommen. Dennoch sollten sie sich um privaten Unfallschutz kümmern. Schon bei einer Bau­stellenbesichtigung könnte ihnen ein Bauteil auf die Füße fallen.

Wichtiger Schutz

Ans Herz zu legen ist jedem Eigenheimbauer die Bauherren-Haftpflichtversicherung. Sie springt ein, wenn der Bauherr oder einer der Helfer mit dem Lader versehentlich Nachbars Zaun umlegt. Sie zahlt sogar, wenn sie grob fahrlässig handeln und Spaziergänger von herabfallenden Dachziegeln getroffen werden, weil das Dach schlecht gesichert ist.

Die Versicherung deckt Schäden, die Außenstehende durch die Bauarbeiten erleiden. Die Versicherungssumme sollte nicht weniger als 3 Millionen Euro pauschal für Personen- und Sachschäden betragen.

Wenn Helfer engagiert sind, verlangen viele Versicherer einen höheren Beitrag. Die Victoria verzichtet auf den Zuschlag und verkauft die Versicherung für ein Massivhaus mit einer Bausumme von 250 000 Euro für günstige 133 Euro. Denselben Schutz bot in der letzten Finanztest-Untersuchung aus dem Jahr 2005 die WGV-Schwäbische Allgemeine für 115 Euro an. Hier sind aber pro 1 000 Euro Eigenleistung jeweils 1,15 Euro mehr zu zahlen (siehe www.finanztest.de/bauversicherung).

Für Schäden durch Unwetter ist zusätzlich eine Bauleistungsversicherung notwendig. Sie zahlt, wenn ein Sturm den Giebel einreißt.

Richten aber die Helfer auf der Baustelle Schäden an, bleibt der Bauherr darauf ­sitzen. Die Privathaftpflichtversicherung der Freizeitarbeiter kommt nicht dafür auf, wenn sie das Notdach nicht windfest verriegelt haben und Henkes halb fertiges Haus voll Regenwasser läuft. Nachbarschaftshilfe stufen viele Gesellschaften als Gefälligkeit ein, die sie nicht versichern. Sie setzen einen stillschweigenden Haftungsausschluss des Bauherrn ­voraus. Nur wenige zahlen überhaupt und dann maximal ein paar Tausend Euro.

Helferlohn versteuern

Die unbeliebteste Frage zum Schluss: Was will das Finanzamt? Henkes Bruder und Vater brauchen nichts anzugeben. Anders ist es bei Tischler Mike. Er muss seinen Nebenverdienst in der Steuererklärung zu den übrigen Einkünften hinzurechnen. Auch Elektriker und Sanitärinstallateur zahlen Steuern auf ihre Einkünfte abzüglich der Ausgaben. Weist einer von ihnen in der Rechnung Umsatzsteuer aus, hat er sie abzuführen. Wo Lohn fließt, ist das Finanzamt mit dabei. Auch unter Freunden ist Schwarzarbeit nicht erlaubt.

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