Heiz­systeme im Vergleich Special

In vielen Heizkel­lern pusten veraltete Kessel wert­volle Energie zum Schorn­stein hinaus. Moderne Systeme sparen bis zu 30 Prozent der Heiz­kosten.

Fast jeder dritte Heizkessel in Deutsch­land ist älter als 17 Jahre. Das zeigt eine Umfrage auf test.de mit 8 700 Teilnehmern. Die meisten Heiz­anlagen entsprechen nicht dem Stand der Technik. Moderne Kessel wandeln die im Brenn­stoff steckende Energie fast voll­ständig in nutz­bare Wärme um. Der Umstieg auf ein fort­schritt­liches System spart 10 bis 30 Prozent der Heiz­kosten. Höchste Zeit, die Kesselveteranen in den Ruhe­stand zu schi­cken.

Gas, Öl oder Holz­pellets?

Doch wofür entscheiden? Soll es ein System mit Gas, Öl, Pellets, Wärmepumpe oder Mikro-Heiz­kraft­werk sein? Unsere Modell­rechnungen zeigen, was sich für welches Haus am besten eignet. Wir haben fünf Systeme verglichen. Sie sind umwelt­schonend mit Solar­anlagen kombiniert.

Gas-Brenn­wert­kessel: Diese Geräte sind tech­nisch ausgereift und erzielten beim letzten Test gute Qualitäts­urteile. Sie sind leise und lassen sich platz­sparend im Keller, in der Küche oder im Haus­wirt­schafts­raum aufstellen (Test Gasheizkessel, test 7/2010).

Öl-Brenn­wert­kessel: Sie funk­tionieren ebenfalls effizient und eignen sich vor allem zum Austausch gegen veraltete Öl-Heizkessel. Nach­teilig ist der Öltank, der die Investition verteuert, Platz bean­sprucht und regel­mäßig über­prüft sowie am Ende entsorgt werden muss (Test Ölbrennwertkessel, test 5/2008).

Holz­pelletkessel: Sie sind quasi die Hightech-Variante des Kamin­ofens. In zylindrische Form gepresste Sägespäne ermöglichen den auto­matischen Betrieb. Trans­port­schne­cken und Gebläse befördern sie in den Brenn­raum (Test Holzpelletkessel, test 6/2009).

Wärmepumpe mit Erdwärmen­utzung: Die strom­betriebenen Geräte funk­tionieren wie ein Kühl­schrank. Was dort die warme Rück­seite ist, sind bei ihnen die Heizflächen im Haus. Sie arbeiten entweder mit Erdsonden oder Erdkollektoren.

Mikro-Heiz­kraft­werke: Diese neuartigen Geräte sind eine Alternative zum klassischen Gasheizkessel. Neben warmem Wasser zum Heizen und Duschen produzieren sie Strom für den Eigen­verbrauch und zum Weiterverkauf (Test Mikro-Kraftwerke, test 5/2012).

Was das Heizen unterm Strich kostet

Heiz­systeme im Vergleich Special

Spannende Frage: Was kostet es, das Wasser für Dusche und Heizung mit diesen Systemen zu erwärmen? Wofür sollten sich Haus­besitzer entscheiden? Wir haben die Gesamt­kosten, also für Investition, Betrieb und Energie, für zwei Häuser berechnet: für ein ungedämmtes Haus und eines mit gutem Wärmeschutz. Die Rechnungen basieren auf Stan­dard­annahmen (siehe „So haben wir gerechnet“). Im Einzel­fall können zum Beispiel lokale Fördergelder oder eine vorhandene Solar­anlage die Ergeb­nisse verändern. Den größten Einfluss auf die Heiz­kosten haben die Energiepreise. Im ersten Szenario haben wir derzeitige Durch­schnitts­preise unterstellt: bei Gas und Öl jeweils 7 Cent pro Kilowatt­stunde, für Holz­pellets 5 Cent, für Strom 25 Cent je Kilowatt­stunde, bei Sonder­verträgen für Wärmepumpen 15 Cent.

Wie hoch ist die finanzielle Gesamt­belastung in einem Zeitraum von 15 Jahren? Wir haben die jähr­lichen Kosten für beide Häuser berechnet. Beim ungedämmten Haus schlagen etwa 26 bis 27 Euro je Quadrat­meter zu Buche, beim gut gedämmten Haus 16 bis 18 Euro pro Quadrat­meter. Alle Heiz­systeme liegen bei den Kosten eng beieinander. Die gasbetriebenen haben einen kleinen Preis­vorteil.

Bei einem weiteren Szenario haben wir – orientiert an den Erfahrungen der vergangenen Jahre – mit Preissteigerungen gerechnet: jähr­lich mit 5 Prozent für Gas und Strom, 7 Prozent für Öl und mit moderaten 3,5 Prozent für Pellets. Die Folgen sind vor allem beim ungedämmten Haus spür­bar . Wird es mit Öl beheizt, klettern die jähr­lichen Gesamt­kosten im Durch­schnitt der kommenden 15 Jahre auf erschre­ckende 38 Euro pro Quadrat­meter. Pellethei­zungen schneiden hier am güns­tigsten ab – mit 31 Euro. Sie arbeiten mit einem etwas schlechteren Wirkungs­grad als die anderen Systeme, doch die güns­tigeren Pellet­preise wirken Kosten dämpfend. Recht günstig schneiden im ungedämmten Haus auch die inno­vativen Mikro-Heiz­kraft­werke ab. Vorteilhaft wirkt hier der Erlös aus der Strom­erzeugung.

Sparen im gedämmten Haus

Heiz­systeme im Vergleich Special

Das Haus mit gutem Wärmeschutz profitiert bei steigenden Energiepreisen von seiner dicken Dämmung und entsprechend geringen Verbrauchs­werten. Die Gesamt­kosten fürs Heizen liegen in unserem Beispiel meist etwa 40 Prozent unter denen des ungedämmten Gebäudes .

Bei geringem Wärmebedarf steigt der Anteil der Investitions­kosten an der finanziellen Gesamt­belastung. Die teure Anschaffung von Erdwärmepumpen- oder Holz­pelletheiz­systemen macht sich da kaum bezahlt. Die billigeren Gas-Brenn­wert­kessel schneiden im Haus mit gutem Wärmeschutz am besten ab.

Wer sich für eine Wärmepumpe interes­siert, sollte wissen: Die Kosten und die Energieeffizienz sind höchst unterschiedlich. Der Stromhunger von Wärmepumpen ist umso größer, je kälter die Wärmequelle ist und je höher die Vorlauf­temperatur der Heizung sein muss. Viel Strom ziehen oft Wärmepumpen, die Außen­luft als Wärmequelle nutzen, und solche in ungedämmten Häusern. An eisigen Tagen sinkt hier der Wirkungs­grad, der Strom­verbrauch steigt. Vor allem die Wintertage sind für die Strom­versorgung in Deutsch­land eine Heraus­forderung. Flauten und Schnee führen zu Engpässen bei Wind- und Solar­strom. Die Energieversorger könnten daraus künftig die Konsequenz ziehen, den Strom zu diesen Zeiten teurer zu verkaufen.

Tipp: Wählen Sie wie in unserer Modell­rechnung möglichst eine Wärmepumpe, die Erdreich oder Grund­wasser als Wärmequelle nutzt. Das kostet bei der Anschaffung mehr, ist aber effizienter.

Gut fürs Klima, nicht für die Nach­barn

Heiz­systeme im Vergleich Special

Vielen ist wichtig, ökologisch sinn­voll zu heizen. Unsere Tests zeigen: Die Emissionen von Fein­staub, Kohlen­monoxid und Stick­oxiden sind bei Holz­pelletkesseln am höchsten, bei Gaskesseln am nied­rigsten.

Tipp: Die sauberste Verbrennung schaffen Gas-Brenn­wert­kessel. Wenn Sie Ihren Nach­barn und der Umwelt etwas Gutes tun wollen, sind sie – im Ideal­fall kombiniert mit einer Solar­anlage – eine gute Wahl. Die elektrische Wärmepumpe kommt vor Ort zwar ohne Schad­stoff­emissionen aus, sie braucht allerdings Strom für ihren Betrieb. Den liefern Kraft­werke, und die belasten die Umwelt.

Was Klima­bilanz und Primär­energie­aufwand betrifft, schneidet die Holz­feuerung am besten ab. Der Grund: Aus dem Schorn­stein kommt ungefähr lediglich die Menge an Kohlen­dioxid, die der Baum während seines Wachs­tums der Atmosphäre entnommen hat, und die nach seinem Absterben durch biologische Zerset­zungs­prozesse ohnehin wieder freigesetzt würde. Die Holz­pellets verbrennen also einigermaßen klima­neutral.

Tipp: Als klimafreundliches Heiz­system empfehlen sich Pellethei­zungen. Die Klima­wirkung einer Wärmepumpe ließe sich durch Ökostrom verbessern, doch die Angebote der Versorger lassen derzeit noch zu wünschen übrig.

Auch Mikro-Heiz­kraft­werke können sich mit ihren Klimaaus­wirkungen sehen lassen. Sie produzieren Strom. Der ersetzt den zum Teil in Groß­kraft­werken verlust­reich erzeugten Strom. Rechnerisch erhalten sie in der Klima­bilanz eine Gutschrift. Unterm Strich liegen sie bei Kohlen­dioxid­emissionen und beim Primär­energie­aufwand auf Platz zwei – nach Pelletkesseln.

Guter Wärmeschutz spart am meisten

Heiz­systeme im Vergleich Special

Je besser der Wärmeschutz eines Gebäudes, desto geringer der Energieverbrauch. Was viele nicht wissen: Eine gute Wärmedämmung macht sich mehr­fach bezahlt. Erstens direkt, weil weniger Wärme verloren geht und der Heizbedarf entsprechend geringer ist. Zweitens, weil der Wirkungs­grad des Heiz­systems bei nied­rigeren Vor- und Rück­lauf­temperaturen steigt. Drittens verbessern sich Komfort und Luft­hygiene. Unangenehme Zuger­scheinungen an kalten Wänden gehören der Vergangenheit an. An warmen Wänden haben Schimmelpilze kaum eine Chance.

Tipp: Über­legen Sie, mit der Heizung auch die Wärmedämmung zu optimieren. Da winkt womöglich eine attraktive Förderung. Mitunter sinkt der Heiz­wärmebedarf so stark, dass ein kleinerer, billigerer Wärmeerzeuger genügt. Falls Sie mit dem Einbau einer Fußboden-, Wand- oder Deckenhei­zung lieb­äugeln, ist der Austausch des Heizkessels ein güns­tiger Zeit­punkt dafür. Solche Flächenhei­zungen laufen mit nied­rigen Vorlauf­temperaturen.

Mehr Infos zu Heizen und Wärmeschutz finden Sie im test Spezial Energie sparen 2012, 128 Seiten, 7,80 Euro oder 5,80 Euro als PDF-Download.

Aus ökologischer wie ökonomischer Sicht gilt: Gute Dämmung und ein effizientes Heiz­system sind der beste Schutz gegen horrende Kosten in der Zukunft.

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