Heizen mit Erdwärme Meldung

Heizen mit Erdwärme. Erdwärmeheizungen sind teuer. Doch die laufenden Heizkosten sind gering. Auf Dauer kann sich daher die Anlage lohnen.

Daniel und Annett Köppler drehen ohne Gewissensbisse die Heizung auf. Die dreiköpfige Familie muss in ihrem neuen Eigenheim keine hohen Heizöl- und Erdgaspreise fürchten.

Die Wärme für ihr 190 Quadratmeter großes Haus im sächsischen Großenhain schöpfen Köpplers aus der Erde. Noch bevor der Rohbau stand, bohrten Heizungsbauer vier 40 Meter tiefe Löcher auf dem Grundstück für die Erdwärmesonden. Das sind mit Frostschutzmittel gefüllte Rohre, die Energie aus dem Erdreich gewinnen.

Aus dem oberflächennahen Erdreich, das etwa 7 bis 11 Grad Celsius warm ist, erzeugt eine Wärmepumpe die nötige Temperatur für die Fußbodenheizung. Dafür braucht sie elektrischen Strom.

Das Heizen mit Erdwärme – auch Geothermie genannt – ist nur in gut gedämmten Häusern sinnvoll und umweltschonend. Geeignet sind Erdwärmeanlagen daher vor allem für Neubauten. Die Installation ist in der Regel deutlich einfacher als bei bestehenden Gebäuden und die Anlage lässt sich optimal auf das Haus abstimmen.

Hohe Anschaffungskosten

In der Anschaffung ist eine Erdwärmeanlage relativ teuer. Die Erschließungskosten sind von Region zu Region verschieden, weil die geologische Beschaffenheit des Bodens sehr unterschiedlich sein kann.

Mit allem Drum und Dran müssen Bauherren eines Einfamilienhauses mit über 20 000 Euro für eine Erdwärmeheizung rechnen – oft bis zu 10 000 Euro mehr als für eine andere moderne Heizung.

Auf lange Sicht kann sich eine solche Anlage dennoch lohnen. Die Verbrauchskosten sind gering. Die Wärme aus der Erde kostet keinen Cent. Ist das Haus gut gedämmt, liefert die Erde etwa 75 Prozent des Bedarfs für Heizung und Warmwasser. Das übrige Viertel stammt vom Strom, der die Wärmepumpe antreibt.

Erdgas kontra Erdwärme

Für ein Einfamilienhaus mit 150 Quadratmeter Wohnfläche in Berlin haben wir die Investitions- und Verbrauchskosten für eine Erdwärmesondenanlage mit einer modernen Gasheizung verglichen. Das Warmwasser wird für beide Anlagen von Solarkollektoren bereitet. Die Wärme wird in beiden Fällen von einer Fußbodenheizung verteilt, die inklusive Badheizkörper 5  960 Euro kostet. Im Haus wohnen vier Personen.

Entscheidet sich der Bauherr für Gas, zahlt er für den Brennwertkessel mit Solaranlage und Gasanschluss rund 8 700 Euro.

Die Erdwärmeanlage ist deutlich teurer. Für zwei 60 Meter tiefe Erdbohrungen auf dem Grundstück, Wärmesonden und Wärmepumpe zahlt der Bauherr knapp 13 700 Euro. Die komplette Solaranlage kostet noch einmal 4 800 Euro.

9 800 Euro mehr für Erdwärmeanlage

Mit Fußbodenheizung kostet die Gasbrennwertanlage insgesamt 14 660 Euro, die Erdwärmesondenanlage dagegen stolze 24 460 Euro. Dafür muss der Hauseigentümer mit der teureren Anlage künftig weniger Geld fürs Heizen ausgeben. Im ersten Jahr betragen die Betriebskosten für die Erdwärmeanlage nur 440 Euro. Das sind 355 Euro weniger als für die Gasheizung. Steigen die Energiepreise, wird die Ersparnis von Jahr zu Jahr höher.

Der Berliner Energieberater Oleg Wähner (www.ib-waehner.de) hat nachgerechnet: Falls die Energiekosten um 9 Prozent im Jahr steigen, hat der Erdwärmebetreiber die Mehrkosten von 9 800 Euro in gut 14 Jahren hereingeholt. Danach beginnt sich die Anlage immer mehr zu lohnen.

Günstiger kann die Rechnung ausfallen, wenn der Bauherr preiswertere Erdkollektoren statt Erdwärmesonden wählt. Um die Kollektoren zu verlegen, müsste er sein Grundstück aber großflächig aufgraben (siehe Text Erdwärmeheizung).

Pluspunkt einer Erdwärmeanlage ist, dass sich der Eigentümer kaum um sie kümmern muss. Erdwärmesonden bedürfen ebenso wie -kollektoren kaum der Wartung und halten bei fachgerechtem Einbau über 100 Jahre. Die Wärmepumpe muss allerdings schon nach etwa 20 Jahren erneuert werden. Ein Schornstein ist für die Erdwärmeheizung genauso unnötig wie ein Öltank. Laufende Kosten für Schornsteinfeger oder Emissionswertprüfung fallen weg.

Eine Fußbodenheizung oder eine Wandheizung sind für das sparsame Heizen mit Wärmepumpe am besten geeignet. Diese Systeme verlangen geringere Vorlauftemperaturen – um die 35 Grad Celsius, an eisigen Tagen mehr – als normale Heizkörper. Dadurch muss die Wärmepumpe das Temperaturniveau des Erdreichs weniger stark anheben. Das spart elektrischen Strom.

10 Euro pro Quadratmeter vom Staat

Im vergangenen Jahr haben Eigentümer von Ein- und Zweifamilienhäusern 23 000 Wärmepumpen für ein Erdwärmesystem gekauft. Das waren 5 000 weniger als im Jahr 2006. Doch in diesem Jahr hat die Nachfrage kräftig angezogen. Die hohen Preise für Gas und Öl sowie das neue Marktanreizprogramm zeigen Wirkung.

Seit Jahresbeginn fördert der Bund den Einbau effizienter Wärmepumpen mit Zuschüssen. Für Anlagen in Neubauten bekommt der Bauherr 10 Euro für jeden beheizten Quadratmeter Wohnfläche bis zur Obergrenze von 2 000 Euro dazu. Für die Umrüstung von alten Heizungen auf neue Wärmepumpen in bestehenden Wohnhäusern gibt es sogar einen Zuschuss von 20 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche, maximal 3 000 Euro.

Auch Umrüstung kann sich lohnen

Peter Kramer aus dem emsländischen Geeste hat schon vor zwei Jahren die Heizung seines Zweifamilienhauses von Gas auf Erdwärme umgestellt. Er hat zwei Erdwärmesonden mit einer Leistung von 10 Kilowatt in jeweils 65 Meter Tiefe abgeteuft und sich eine Wärmepumpe angeschafft. Der Gesamtpreis lag bei 20 500 Euro.

Damit die Anlage effizient arbeitet, hatte er zuvor die Dachschräge und die obere Geschossdecke gedämmt und besser isolierte Fensterscheiben eingesetzt. Der Strom für die Wärmepumpe kostete Kramer in den ersten zwölf Monaten 1 060 Euro. Mit der alten Heizung hatte er fast das Doppelte für Gas gezahlt. Außerdem spart er noch jährlich 75 Euro Gebühren für den Schornsteinfeger und 100 Euro für die Wartung der Gasanlage.

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