Heiraten Special

Verliebt, verlobt, verheiratet. Eine Ehe sorgt für finanzielle Sicherheit.

Nicht nur der Liebe wegen zieht es Paare ins Standes­amt. Auch recht­liche und steuerliche Vorteile sind klare Argumente. Doch mit der Heirat sind auch Pflichten verbunden. Finanztest sagt, was Liebende vor dem Ja-Wort bedenken sollten – und klärt zwei weit verbreitete Irrtümer über die Ehe auf. Außerdem geben wir Tipps, wie auch Unver­heiratete den Partner und die Kinder absichern können.

Kleiner großer Schritt

Es muss keinen Kniefall geben, keinen Brillantring und erst recht kein unerlaubtes Graffito mit den Worten „Willst du mich heiraten?“. Ein gemein­samer Entschluss und einige Unterlagen reichen aus, um sich vor dem Standes­beamten das Ja-Wort zu geben. Der Weg zur Eheschließung ist also nicht sonderlich lang. Die Auswirkungen dieses Schrittes sind jedoch enorm.

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Rechte und Pflichten

Es gibt vieles, was für eine Heirat spricht. Denn das Grund­gesetz schützt Ehe und Familie, weshalb Eheleute und in weiten Teilen auch einge­tragene Lebens­partner recht­lich besonders umgarnt werden. Das zeigt sich nicht nur im alltäglichen Leben, zum Beispiel bei der jähr­lichen Einkommensteuererklärung oder bei der Pflicht zum gegen­seitigen Unterhalt. Auch wenn einer der Eheleute stirbt, ist der andere abge­sichert: Verheiratete haben ein gesetzliches Erbrecht, Unver­heiratete gehen ohne Testament oder Erbvertrag leer aus.

Verheiratete können Steuern sparen

Verheiratete können oft erheblich Steuern sparen – dem Ehegatten­splitting sei Dank. Die Eheleute können sich bei der Einkommensteuer zusammen veranlagen lassen. „Dafür werden zunächst die zu versteuernden Einkommen beider Partner zusammenge­rechnet und dann halbiert, also ‚gesplittet‘. Von diesem halben Betrag wird die Einkommensteuer berechnet, die dann wieder verdoppelt wird“, erklärt Sybill Offergeld, Fach­anwältin für Familien­recht in Berlin.

Grund­frei­beträge voll ausnutzen

Der Tarif bringt echte Vorteile, wenn ein Partner mehr verdient als der andere. Gerade bei Familien, in denen einer Voll­zeit und der andere der Kinder wegen Teil­zeit arbeitet, ist das oft der Fall. „Beide Grund­frei­beträge lassen sich voll ausnutzen und das Paar stößt insgesamt in nicht so hohe Steuersätze vor“, sagt Rechts­anwältin Offergeld. Nur wenn beide Partner etwa gleich viel verdienen, lohnt sich eine Heirat aus rein einkommensteuerlichen Gründen nicht.

Schenkung- und Erbschaft­steuer

Eine Hoch­zeit ist aber auch für die Schenkung- und die Erbschaft­steuer relevant. Diese werden erhoben, wenn Vermögen ohne Gegen­leistung von einem zum anderen wandert. Verheiratete, die sich gegen­seitig etwas schenken oder vererben, haben den höchst­möglichen steuerlichen Frei­betrag von 500 000 Euro. Das bedeutet, dass Erbschaft- und Schenkung­steuer über­haupt erst fällig werden, wenn dieser Betrag über­schritten wird. Und auch dann haben Ehepartner Vorteile. Die für sie geltenden Steuersätze sind nied­riger als die von Unver­heirateten: Je nach Höhe der Erbschaft oder Schenkung sind es für Verheiratete zwischen 7 und 30 Prozent, für Paare ohne Trau­schein 30 bis 50 Prozent.

Eheleute unterstützen sich finanziell

„Eheleute sind sich zu gegen­seitigem Unterhalt verpflichtet“, sagt Rechts­anwältin Offergeld. Der spielt nicht erst bei einer Scheidung eine Rolle, sondern auch im Eheall­tag. Verliert der eine Partner zum Beispiel seinen Job oder kann er aus gesundheitlichen Gründen zeit­weise nicht als Selbst­ständiger arbeiten, muss der andere ihn im täglichen Leben finanziell unterstützen, Lebens­mittel oder Kleidung oder die Miete für die gemein­same Wohnung allein zahlen. „Diese Pflicht gilt für alle Lebens­modelle und Rollenverteilungen“, sagt Offergeld. „Der eine kann dem anderen Unterhalt leisten, indem er arbeitet und Geld verdient, aber auch, indem er den Haushalt führt oder die Kinder groß­zieht.“

Bedarfs­gemeinschaft bei Unver­heirateten

Auch Unver­heiratete bilden oft eine Bedarfs­gemeinschaft. Dann müssen sie sich gegen­seitig in finanziellen Notlagen unterstützen und den Lebens­unterhalt gemein­sam bestreiten. Das ist der Fall, wenn das Paar länger als ein Jahr zusammen­wohnt.

Vorteile für verheiratete Eltern

Vater von Gesetzes wegen. Eine Eheschließung hat auch familien­recht­liche Folgen. Heiratet ein Paar und bekommt dann ein Kind, gilt der Ehemann von Gesetzes wegen als Vater – selbst dann, wenn er es biologisch gar nicht ist.

Gemein­sames Sorgerecht. Verheiratete Eltern haben auto­matisch das gemein­same Sorgerecht für das Kind. Bei Unver­heirateten liegt das Sorgerecht zunächst allein bei der Mutter und kann nur durch eine Erklärung der Eltern auf beide übergehen.

Stiefkind­adoption. Wenn einer der Ehepartner schon ein Kind hat, kann der andere es adoptieren – im Rahmen einer Stiefkind­adoption. Unver­heirateten steht dieser Weg nicht offen: Möchte der eine das Kind des anderen adoptieren, würde dessen Verwandt­schafts­beziehung zum Kind erlöschen (Bundes­gerichts­hof, Az. XII ZB 586/15).

Eheleute haben Platz in der Erbfolge

Ehepartner sind nach dem Tod des jeweils anderen erbberechtigt. Das regelt die gesetzliche Erbfolge, die immer dann gilt, wenn es keine letzt­willige Verfügung – etwa ein Testament – gibt. Mit einem Testament kann ein Partner dem anderen auch mehr oder weniger zusprechen, als es das Gesetz vorsieht. Aber auch die gesetzliche Erbfolge allein sichert den länger lebenden Partner ein Stück weit ab. Der Ehepartner erbt die Hälfte des Nach­lasses, wenn das Paar in Zugewinn­gemeinschaft verheiratet war und es Kinder gibt, die ebenfalls erben. Diese bekommen zusammen die andere Hälfte der Erbschaft.

Zugewinn­gemeinschaft der Eheleute

Zugewinn­gemeinschaft ist der Güter­stand, der für Eheleute von Gesetzes wegen gilt. Davon abweichen können sie durch Erklärung vor einem Notar. Gibt es keine Kinder, erbt der länger lebende Partner beim Güter­stand der Zugewinn­gemeinschaft neben den Eltern des Verstorbenen drei Viertel des Nach­lasses. Bei Unver­heirateten ist der länger lebende Partner von der gesetzlichen Erbfolge ausgeschlossen und geht leer aus, wenn der andere stirbt. Die einzige Möglich­keit, das zu verhindern: Die Partner müssen sich in einer letzt­willigen Verfügung gegen­seitig bedenken (Tipps für Unverheiratete).

Zwei Irrtümer über die Ehe

Vermögen. Anders als viele denken, ändert eine Heirat nichts an den Vermögens­verhält­nissen der Eheleute: Jeder behält das Vermögen, das er bei der Eheschließung hatte, für sich allein (Zugewinn­gemeinschaft). Auch während der Ehe wirt­schaftet jeder in die eigene Tasche. Der eine Partner haftet auch nicht für Schulden, die der andere macht. Ausnahme: Die Eheleute haben vor einem Notar Güter­gemeinschaft vereinbart, was nur selten vorkommt.

Erbschaft. Verheiratetsein führt nicht auto­matisch dazu, dass der eine Partner beim Tod des anderen das ganze Vermögen erbt. Auch andere sind erbberechtigt, etwa gemein­same Kinder und – bei Kinder­losen – die Eltern des Verstorbenen.

Gemein­samer Name hält zusammen

Für viele Paare ist es vielleicht nicht mehr ganz so wichtig, einen gemein­samen Nach­namen zu tragen. Aber immerhin haben Eheleute die Möglich­keit dazu. Sie können aus verschiedenen Varianten wählen, zum Beispiel den Geburts­namen des einen oder des anderen führen. Bekommt das Paar nach der Hoch­zeit Kinder, erhalten sie den gemein­samen Nach­namen der Eltern. Paaren ohne Trau­schein ist diese Art, Zusammen­gehörig­keit zu zeigen, verschlossen. Deren Kinder tragen den Nach­namen nur eines Eltern­teils: den der Mutter oder den des Vaters.

Hinterbliebenen­schutz für Ehepartner

Stirbt einer der Eheleute, erhält der andere unter Umständen eine Witwen- beziehungs­weise Witwerrente. Ein solcher Anspruch kann bestehen, wenn der verstorbene Partner Beiträge in die gesetzliche Renten­versicherung gezahlt hat. Die Hinterbliebenenrente hängt von der Dauer und der Höhe der geleisteten Beiträge ab und ist meist nicht allzu hoch. Aber immerhin besteht über­haupt ein Anspruch, der unver­heirateten Paaren verwehrt bleibt.

Kostenfreie Mitversicherung möglich

Wenn einer der Ehepartner gesetzlich kranken­versichert ist, kann der andere unter Umständen kostenlos mitversichert werden. Das geht, wenn er selbst als gering­fügig Beschäftigter nicht mehr als 450 Euro im Monat verdient. Statt zwei Versicherungs­beiträge müssen Ehepaare dann nur einen bezahlen. Das spart viel Geld.

Beamte bekommen Gehalts­zuschläge

Das monatliche Einkommen von Beamten kann steigen, wenn sie heiraten – und auch, wenn sie Kinder bekommen. Nach den Vorschriften zur Beamten­besoldung kommt dann nämlich zu ihrem Grund­gehalt ein Familien­zuschlag hinzu. Ob es diesen gibt, hängt vom Bundes­land ab, bei dem der Beamte beschäftigt ist.

Auskunft im Kranken­haus

Nach der Heirat gehören Eheleute zu den Angehörigen des jeweils anderen. Wird der eine Ehepartner in einen Unfall verwickelt oder erkrankt er schwer, erhält der andere im Kranken­haus daher meist leichter Auskunft über den Gesund­heits­zustand. Ein Arzt hat zwar eine Schwei­gepflicht über alle Belange, die seinen Patienten betreffen. Hat der Patient den Arzt von dieser Pflicht aber ausdrück­lich oder mutmaß­lich entbunden, darf er Auskunft geben. Bei Angehörigen kann der Arzt in der Regel sicher sein, dass der Patient möchte, dass sie über seinen Gesund­heits­zustand informiert werden.

Vorsorgevoll­machten und Patienten­verfügung dennoch wichtig

Das heißt aber nicht, dass ein Partner sämtliche Entscheidungen für den Verunglückten oder Erkrankten treffen darf. Auch Eheleute sind gut damit beraten, sich gegen­seitig Vorsorgevoll­machten zu erteilen und jeweils eine Patienten­verfügung auszufüllen, um ihre Wünsche fest­zuhalten.

Finanztest Spezial Familien-Set

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