Heimwerker-Kombigeräte Test

Die Minikombis und ihr teures Zubehör leisten gute Dienste, wenn es eng und winklig wird.

Zum Bohren, Sägen, Schleifen, Polieren und Gravieren schätzt der Heimwerker handliche Kombigeräte. Die Minimaschinen und ihr Zubehör erleichtern das Arbeiten an schwer zugänglichen Stellen.

Ein Fall für die Dremel. Die Flügeltür aus der Gründerzeit glänzt frisch gestrichen. Aber die alten Beschläge und Türklinken aus Messing sehen dunkel und stumpf aus. Also heißt es: Abschrauben. Mit einem Multi-Heimwer­kergerät der Marke Dremel oder Proxxon mit Drahtbürste als Vorsatz holt der Hobbyrestaurator den Schmutz aus allen Ecken und Rillen. Von Hand mit Putzwolle ginge es auch. Aber es würde mehr Zeit, Kraft und Nerven kosten.

Anderer Fall. Die Wandfliese ist gesprungen und soll ersetzt werden. Ein Oszillationsschleifer mit einer kleinen Diamantsäge hilft aus der Patsche: Akkurat in der Fuge entlang geführt, lässt sich die kaputte Kachel herausschneiden und vorsichtig von der Wand ablösen, ohne dabei die intakten Nachbarfliesen zu ramponieren. Und beim Modellbau schwört der Hobbybastler auf die Vielfalt der handlichen Maschinchen. Immer wenn es eng und winklig wird oder er besonders feine Bohr- und filigrane Sägearbeiten erledigen muss, leisten sie ihm gute Dienste. Ein normaler Akku-Bohrschrauber ist dafür meist zu klobig und zu schwer.

Der Trick mit dem Zubehör

Heimwerker-Kombigeräte Test

Multiwerkzeuge: Nützlich beim Restaurieren, hier zum Messingputzen...

Gelegenheiten, die Kleinwerkzeuge zu nutzen, gibt es genug. Das wissen auch die Hersteller und bieten Zubehör für alle Fälle an. In den Baumärkten reicht das Sortiment für Proxxon & Co. vom Nutfräser und Diamantschleifstein bis zum kompletten Reparatur-, Polier- und Elektronikerset. Daneben Bohrständer, Haltevorrichtungen und biegsame Wellen, die mit den Motorgeräten kombiniert werden können. Wer ein Heimwerker- oder Bastelproblem hat, kann sich die Lösung in der Blisterpackung kaufen. Die Anbieter scheinen dabei auf ein Verkaufskonzept zu setzen, das auch in anderen Branchen gern praktiziert wird: Das Grundgerät – meist mit einer Erstausstattung im Kunststoffkoffer – gibt es zum erschwinglichen Preis. Doch richtig teuer wirds beim Zubehör.

Ein preiswertes „gutes“ Multiwerkzeug im Test kostet 59 Euro (Proxxon FBS 230/E). Für Bohrständer, Diamantfräsvorsatz und Polierset zum Beispiel stehen aber schnell 120 Euro auf dem Kassenbon. Der Sammler im Manne, der alles komplett haben und für jede Situation gewappnet sein möchte, findet hier ein kostspieliges Betätigungsfeld.

Die Qualität der Kleinstwerkzeuge hat im Test überzeugt. Wir haben sieben Vertreter mit den unterschiedlichsten Zubehörteilen von Dremel und Proxxon und eine Billigalternative, Otto Hanseatic, geprüft. Sie erhielten alle ein „gutes“ Qualitätsurteil, in der Haltbarkeit sogar ein „Sehr gut“. Die Multitalente im Miniformat füllen eine Lücke im Einsatzbereich des Heimwerkers: Sie springen ein, wenn die üblichen Elektrowerkzeuge zu groß sind oder die Handarbeit zu ermüdend ist. Aber: Sie sind kein vollwertiger Ersatz für normale Bohrer, Sägen oder Schleifer.

Drei Geräte in einem

Heimwerker-Kombigeräte Test

... und Holzschnitzen.

Am ehesten vergleichbar mit einem herkömmlichen Heimwerkergerät ist das akkubetriebene Kombigerät mit drei Vorsatzteilen von Black & Decker. Es kann als Bohrer, Schrauber, Stichsäge oder Deltaschleifer verwendet werden. Im Vorteil der Kombination liegt aber zugleich die Schwäche des Geräts: Das Ergebnis ist in allen drei Funktionen bestenfalls „befriedigend“. Es kann mit einem Spezialwerkzeug nicht mithalten. Es fehlt eine ausreichende Leistungsfähigkeit. Die Akkukapazität ist sehr gering. Alltägliche Heimwerkeraufgaben sind eigentlich nur mit einem zweiten Akku – Kosten 50 Euro – vernünftig zu erledigen. Der Preis des Black & Decker-Geräts ist mit 155 Euro relativ günstig. „Gute“ Schlagbohrma­schinen und Akkubohrschrauber kosten mindestens zwischen 120 und 150 Euro (siehe Test Bohrmaschinen). Spezialgeräte mit ähnlich durchschnittlicher Qualität gibt es aber schon für 30 Euro (siehe Test Billige Heimwerkergeräte).

Schleifer auch zum Trennen

Heimwerker-Kombigeräte Test

Kleinschleifer: Mit Sägevorsatz für bündiges Abschneiden von Wandpaneelen gut geeignet.

Die drei Oszillationsschleifer entpuppten sich als recht nützlich. Mit dem richtigen Zubehör können sie sägen, schleifen, Fugen schneiden und Farbe abschaben. Sie schaffen exakte Schnitte mit geringer Schnittbreite und mit ihnen kann der Hobbytischler auch an der Wand befestigte Holzpaneele bündig absägen. Aber sie eignen sich nicht für lange Schnitte. Sie halten auch nicht mit normalen Deltaschleifern mit. Ihre Schleiffläche ist kleiner und das Schleifen zeitraubender.

Mit den beiden Multimastern von Fein und einem speziellen Spachtelaufsatz kann der Heimwerker auch Farbschichten entfernen, viel besser und bequemer als per Hand mit Schleifpapier. Störend ist allerdings der Lärm, den die Werkzeuge dabei machen.

Dieser Artikel ist hilfreich. 3129 Nutzer finden das hilfreich.