Heimsolarien Meldung

Auch beim Bräunen zu Hause ist es wichtig, die Augen zu schützen. Am besten aber mit einer Spezialbrille.

Gemütlich zu Hause im Sessel hocken und sich von einer Heimsonne bräunen lassen. Das ist bequem – aber keinesfalls ohne Risiko.

Vornehme Blässe im Winter? Das finden viele gar nicht reizvoll. Sie helfen trotz aller Warnungen von Hautärzten mit künstlicher Sonne nach. Und da der Mensch bekanntlich träge ist, liegt es nahe, den Gang ins Sonnenstudio durch den Kauf einer Heimsonne zu ersetzen – wenn man es sich leisten kann. Denn billig ist die Anschaffung eines Heim­solariums nicht. Zwar sind Gesichts- oder Oberkörperbräuner schon für 30 bis 250 Euro zu bekommen. Doch Ganzkörperbräuner kosten zwischen 1 000 und 3 500 Euro. Ist das eine Anschaffung, die lohnt?

Keine gesundheitlichen Vorteile

Räumen wir gleich vorweg mit einigen weit verbreiteten Irrtümern auf: Gesundheitliche Vorteile, die in der Werbung gern betont werden, sind von Heimsonnen nicht zu erwarten. Und auch zum therapeutischen Einsatz eignen sie sich nicht. Sie dienen genauso wie die Ganzkörperbräuner im Sonnenstudio ausschließlich dem kosmetischen Effekt der Bräunung.

Vitamin-D-Bildung: Sonnenlicht ist wich­tig für die Bildung von körpereigenem Vitamin D. Vitamin D wiederum sorgt für einen ausreichenden Kalziumspiegel im Blut und beugt so der Osteoporose, der Knochenentkalkung, vor. Sonnenlicht schützt deshalb auch im Winter vor Vitamin-D-Mangel. Doch dafür reicht schon ein täglicher 20-minütiger Spaziergang an der frischen Luft aus. Gesunde Ernährung – regelmäßige Fischmahlzeiten – tut ein Übriges. Das Strahlenspektrum von Solarien ist für eine ausreichende Vitamin-D-Bildung dagegen nicht geeignet.

Stärkung der Immunabwehr: Bislang ist wissenschaftlich nicht nachgewiesen wor­den, dass Heimsonne oder Solarium die Abwehrkräfte stärken. Eher stimmt das Gegenteil: Es gibt deutliche Hinweise darauf, dass häufige UV-Strahlung das Immunsystem schwächt.

Winterdepressionen: Auch sie sind mit der Heimsonne nicht zu heilen. Hier gibt es spezielle Lichttherapiegeräte, die ein anderes Strahlenspektrum abgeben.

Vorbräunen: Die Kunstsonne verhilft nicht zu einem besseren Sonnenschutz, weil das Strahlenspektrum nicht die notwendige Lichtschwiele, die Verdickung der obersten Hautschicht, aufbaut.

Hauterkrankungen: Zur Selbstbehandlung von Hautleiden und anderen Erkrankungen sollten die Geräte nur nach ärztlicher Rücksprache genutzt werden.

Gemessen an den fehlenden gesundheitlichen Vorteilen sind die Risiken der Kunstsonne beträchtlich.

Schlecht beraten

Während der Kunde im Sonnenstudio im Idealfall kompetent beraten wird und so mögliche Gesundheitsschäden eher verhindert werden können, müssen bei Heimsolarien die Gebrauchsanleitungen die „Beratung“ übernehmen. Doch als wir uns im Jahre 2004 elf auf dem Markt befindliche Heimsolarien genauer anschauten, zeigte sich, dass die Hersteller mit den notwendigen Hinweisen viel zu nachlässig umgehen. So vermissten wir in vielen Anleitungen folgende Hinweise:

Hauttyp I, also sehr empfindliche Menschen, dürfen sich überhaupt nicht vor ein Bestrahlungsgerät setzen.

Jugendliche unter 18 gehören ebenfalls nicht unter die Kunstsonne, da ihre Haut und ihre Immunabwehr noch nicht vollständig ausgereift sind.

50 Sonnenbäder pro Jahr dürfen nicht überschritten werden. Bei dieser Empfehlung zählen Dermatologen Sonnenbäder in der Natur, im Solarium und unter der Heimsonne zusammen.

Stichwort Augenschutz. Wer vor der Kunst­sonne sitzt, muss seine Augen ordentlich schüt­zen, um vor Bindehautentzündungen oder gar Linsentrübungen sicher zu sein. Die Augen zu schließen reicht allein nicht aus. Deshalb müssen die von allen Anbietern mitgelieferten UV-undurchlässigen Schutz­bri­l­len auch wirklich immer benutzt werden.

Die richtige Distanz

Auch wenn es um den richtigen Abstand zum Gerät geht, geben einige Anbieter keine ausreichende Hilfestellung. Manch­mal wird nur vage von „möglichst geringem“ Abstand gesprochen. Bei den Gesichtsbräunern beträgt die empfohlene Distanz zum Gerät oft nur fünf bis zehn Zentimeter. Man klebt mit der Nase also fast an der Bestrahlungsfläche, die manchmal nur knapp so groß wie ein DIN-A4-­Blatt ist. Ob es dabei zu einer gleichmäßigen und risikolosen Bräunung kommt, darf bezweifelt werden. Zu den größeren Oberkörperbräunern ist ein etwas weiterer Abstand zu halten.

Unsere technische Prüfung der Geräte ergab allerdings Beruhigendes: Alle unter­suchten Heimsolarien waren strahlentechnisch einwandfrei. Das heißt, sie gaben keine Strahlung im kurzwelligen Bereich ab, die zu Verbrennungen führen könnte.

Schwache Leistung

Das heißt aber auch: Alle Heimsonnen sind deutlich schwächer als die Solarien in konventionellen Sonnenstudios. Die Anbieter halten sich damit an Empfehlungen der Strahlenschutzkommission. Danach sollen Heimsolarien höchstens halb so stark strahlen wie Sonnenbänke in kommerziellen Studios. Doch auch wenn die Heimsolarien vergleichs­weise schwache Leistungen bringen: Wichtig ist, sich strikt an die empfoh­­­le­nen Bestrahlungszeiten und -ab­­stände zu halten. Wer die missachtet, riskiert UV-Schäden wie Sonnenbrand und Spätfolgen wie vorzeitige Haut­alterung, Bindegewebsschwäche, Schädigung des Erb­guts, später Hautkrebs.

Die Technik

Im technischen Aufbau unterscheiden sich die im Handel befindlichen Geräte vor allem durch die Art der Lichtquellen. Gesichtsbräuner arbeiten meist mit vier bis sechs Leuchtstofflampen, die von der Form her an übliche Haushalts-Lichtröhren erinnern.

Oberkörperbräuner sind oft mit Hochdruckbrennern ausgestattet. Das sind kurze Glaskolben, die durch ein zusätzliches Filterglas gesichert sein müssen. Nur so ist der Benutzer vor kurzwelliger Strahlung geschützt. Diese Hochdruckbrenner können mehr Leistung auf die zu bestrahlende Körperfläche konzentrieren. Doch diese Leistung hat ihren Preis: Oberkörperbräuner mit Hochdruckbrennern liegen preislich in der Spitzengruppe. Die Lampen auszu­wech­seln ist aufwendiger als bei Röhrengeräten und darf nur vom Kundendienst durchgeführt werden.

Übrigens: Alle Strahlungsquellen enthalten Quecksilber und müssen somit als Sondermüll speziell entsorgt werden.

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