Hear­ables im Test

So haben wir getestet

Hear­ables im Test Testergebnisse für 3 Kopf­hörer mit Hör­ver­stärkung 03/2022

Inhalt

Im Test: Drei Kopf­hörer mit Hörverstärkung (Hear­ables), die geringe Schwerhörig­keit ohne fachliche Unterstüt­zung ausgleichen sollen und dabei über Luft über­tragene Signale wie etwa Gespräche verarbeiten. Die Geräte lassen sich auch als normale Kopf­hörer verwenden. Wir kauf­ten die Geräte im August und September 2021 via Internet ein. Die Tabelle zeigt die von uns bezahlten Einkaufs­preise.

Unter­suchungen: Wir testeten die Geräte wie Kopf­hörer (Kopfhörer-Test), modifizierten aber das Prüf­programm, um die Verbesserung des Hörens zu prüfen. Wir änderten zudem die Prüf­punkte Trage­komfort und Hand­habung, Akku und Schad­stoffe. Da die Geräte Gesund­heits­daten verarbeiten, prüften wir auch das Daten­sende­verhalten der Apps.

Verbesserung des Hörens: 40 %

Wir wählten fünf Personen (m/w) mit gering­gradiger Schwerhörig­keit aus, die zum Beispiel Blätterrauschen nicht mehr wahr­nehmen und nach der Hilfs­mittel­richt­linie des Gemein­samen Bundes­ausschusses Anspruch auf Hörgeräte hätten. Ihre Eignung prüften wir mithilfe folgender Unter­suchungen: Ohrspiegelung (Otoskopie), Höranamnese, Hörschwellen­messung (Tonaudiometrie mit Luft- und Knochenleitung) und Sprach­verständlich­keits­tests (Sprachaudiometrie).

Alle fünf Personen verwendeten sämtliche Geräte im Test in zufäl­liger Reihen­folge. Sie passten die Geräte mittels eines Hörtests in der zugehörigen Smartphone-App an ihr Hördefizit an und hatten ausreichend Zeit, sich an den Klang der Geräte zu gewöhnen.

Sprach­verstehen. Ein Audiologe untersuchte mit etablierten Stan­dard­tests − dem Freiburger Test in Ruhe und dem Oldenburger Satz­test im Stör­geräusch −, wie gut die Probanden und Probandinnen sinn­lose Silben und gesprochene Sprache verstehen, jeweils mit und ohne Gerät.

Klang. Die Test­personen beur­teilten die Qualität des Klangs anhand von jeweils fünf­minütigen Hörbei­spielen (Sprache, Sprache mit Stör­geräusch und Musik) sowie für einige Tage in verschiedenen Alltags­situationen (etwa im Auto).

Verstärkung am Ohr. Der Audiologe ermittelte die Verstärkungs­wirkung der Geräte mit dem interna­tionalen Sprach­test­signal (ISTS) bei 50, 65 und 80 Dezibel mit der Zielkurve der National Acoustic Laboratories (NAL) als Referenz. Er prüfte außerdem die Verstärkungs­begrenzung bei zu hohen Schall­pegeln mit einem Eingangs­pegel von 90 Dezibel (OSPL90).

Ton als Kopf­hörer: 10 %

Siehe Kopfhörer-Test.

Trage­komfort und Hand­habung: 25 %

Unterschied zum Kopf­hörer-Test: Die Tragedauer setzten wir auf mindestens drei Stunden fest. Wir beur­teilten, wie gut sich die Geräte individuell einrichten lassen (Beispiel: Hörtest) und wie gut sich die Geräte zum Beispiel für visuell oder motorisch einge­schränkte Nutzer eignen. So bewerteten wir etwa, ob die Schrift in der Anleitung oder auf den Bedientasten zu klein oder kontrast­arm war.

Akku: 15 %

Unterschied zum Kopf­hörer-Test: Wir bewerteten die Lauf­zeit des Akkus im Hörverstärkungs-Modus.

Hear­ables im Test Testergebnisse für 3 Kopf­hörer mit Hör­ver­stärkung 03/2022

Halt­barkeit: 5 %

Siehe Kopfhörer-Test.

Schad­stoffe: 5 %

Wir untersuchten weiche Produkt­bestand­teile wie Ohrs­töpsel, die länger mit der Haut in Kontakt kommen, auf poly­zyklische aromatische Kohlen­wasser­stoffe (PAK).

Unterschied zum Kopf­hörer-Test: Zusätzlich prüften wir die Schaum­stoffe mit länger­fristigem Haut­kontakt auf Phthalat-Weichmacher sowie auf kurz- und mittel­kettige Chlorparaf­fine.

Daten­sende­verhalten der Apps: 0 %

Wir prüften jeweils für Android und iOS, ob die App unnötiger­weise Daten an Internet­server sendet. Dafür haben wir den Daten­verkehr mitgeschnitten, entschlüsselt und analysiert.

Abwertungen

Abwertungen führen dazu, dass sich Produktmängel verstärkt auf überge­ordnete Urteile auswirken. Sie sind mit einem Stern­chen *) gekenn­zeichnet. Folgende Abwertungen haben wir einge­setzt: Waren Gebrauchs­anleitung und Hilfen mangelhaft, werteten wir das Urteil Trage­komfort und Hand­habung ab. Lautete das Schad­stoff­urteil ausreichend, werteten wir das test-Qualitäts­urteil ab. Je schlechter das auslösende Urteil, desto stärker wirkt der jeweilige Abwertungs­effekt.

Hear­ables im Test Testergebnisse für 3 Kopf­hörer mit Hör­ver­stärkung 03/2022

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7 Kommentare Diskutieren Sie mit

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Nutzer­kommentare können sich auf einen früheren Stand oder einen älteren Test beziehen.

Profilbild Stiftung_Warentest am 28.03.2022 um 11:07 Uhr
Bitte Mini-Hörverstärker testen

@Ger: Vielen Dank für Ihren interessanten Vorschlag. Gerne leiten wir Ihre Anregung an unsere zuständige Fachabteilung weiter. Momentan lässt sich aber leider nicht übersehen, ob und wann eine entsprechende Untersuchung durchgeführt wird. Ihren Wunsch haben wir aber in jedem Fall registriert.

Ger am 25.03.2022 um 18:11 Uhr
Bitte Mini-Hörverstärker testen

Bitte testen Sie jetzt auch die vergleichsweise spottbilligen sogen. Mini-Hörverstärker, für die kein Smartphone nötig ist.

Ashtar am 21.03.2022 um 19:44 Uhr
Nicht öffentlichkeitsreif …

@ Stiftung_Warentest: bei den unverschämt hochpreisigen Hörgeräten mit Akkus möchte ich hier einen Link zu den technischen Data des AirPod Pro hinzufügen. Ich gehöre zu der Hörgruppe der von Ihnen ausgewählten TeilnehmInnen. Das Gerät kommt ohne die Kabel der getesteten Geräte aus und funktioniert prima. Sie wären für mich ein No-Go!
Sollten die heute auf dem Markt erhältlichen Hörgeräte incl. Akku sehr viel günstiger werden, würde mein Interesse wieder an ihnen geweckt.
https://www.apple.com/de/airpods-pro/specs/

Profilbild Stiftung_Warentest am 21.03.2022 um 13:01 Uhr
Apple

@wobeco: Bei der Produktauswahl für den Test im September 2021 haben wir darauf geachtet, dass die Anbieter selbst eine Hörverstärkung (z. B. "Hearing amplifier") versprechen. Apple war da eher vorsichtig. Es gibt zahlreiche Kopfhörer, die zwar die zugeführten Signale individuell aufbereiten, aber nur die drei geprüften versprechen eine vergleichbare Wirkung wie bei Hörgeräten.

wobeco am 21.03.2022 um 11:21 Uhr
warum Apple's Hörhilfen out-of-scope?

Das Apple Betriebssystem unterstützt seit einigen Monate mit seinen vielfältigen Bedienungshilfen auch die sehr fein einstellbare Konfiguration zum Hören mit u.a. Airpods Pro ... inclusive Kopfhörer-Anpassungen für den sog. Transparenzmodus, in dem das aktuelle Gespräch im Umfeld aktiv gehört und sogar räumlich auf den Gesprächspartner fokussiert werden kann. Ich nutze es seit geraumer Zeit mit großer Begeisterung.
Warum ist diese Funktionalität bei gegebener Verbreitung des iOS-Universums nicht in diesem Test berücksichtigt worden?