Ergänzend zur Haut­krebs­vorsorgeunter­suchung bieten viele Haut­ärzte die Dermatoskopie an, die sie häufig als individuelle Gesund­heits­leistung (IGeL) privat in Rechnung stellen. Das ist unnötig, sagen Experten des IGeL-Monitors der Krankenkassen. Verdächtige Haut­stellen untersucht der Arzt ohnehin mit dem Dermatoskop – und für diesen notwendigen Behand­lungs­schritt zahlen die Kassen.

[Update: 24.07.2012] IGeL-Monitor zieht Info zur Dermatoskopie zurück

Nach scharfer Kritik durch den Berufs­verband der Deutschen Dermatologen (BVDD) wird der Medizi­nische Dienst der Krankenkassen (MDK) die Information zur Dermatoskopie nicht weiter auf der Webseite des IGeL-Monitors verbreiten. Der BVDD ist der Ansicht, dass die Dermatoskopie keine vertrags­ärzt­liche Leistung sei und daher zu den individuellen Gesund­heits­leistungen gehöre, die der Patient selbst zahlen muss. Der MDK zieht die Information nach eigener Aussage deshalb zurück, damit die Auseinander­setzung über die Vergütung nicht zu einer Verunsicherung der Versicherten führt. Die Frage, welche ärzt­lichen Leistungen zum Leistungs­katalog der gesetzlichen Kranken­versicherung gehören, könne nur der Bewertungs­ausschuss für alle Seiten verbindlich klären. [Update Ende]

Unter­suchung verdächtiger Haut­stellen ist Kassen­leistung

Seit 2008 können gesetzlich Kranken­versicherte ab 35 Jahren alle zwei Jahre an einer Haut­krebs­vorsorgeunter­suchung teilnehmen. Als ergänzende Unter­suchung zum sogenannten Haut­krebs­scree­ning bieten Haut­ärzte die Dermatoskopie an. Dabei betrachtet der Arzt die Haut mit einer speziell beleuchteten Lupe. Viele rechnen die Unter­suchung als individuelle Gesund­heits­leistung (IGeL) gesondert ab. Das bedeutet: Patienten müssen sie aus eigener Tasche zahlen. Nicht nötig, sagen Gesund­heits­experten vom IGeL-Monitor, der individuelle Gesund­heits­leistungen auf ihre Notwendig­keit hin über­prüft. Auffällige Haut­stellen würde der Arzt mit bloßem Auge erkennen, dazu brauche er das Dermatoskop nicht, lautet die Begründung des IGeL-Monitors, einem medizi­nischen Dienst der Krankenkassen. Bei verdächtigen Haut­stellen ist es ohnehin üblich, das Haut­ärzte das Dermatoskop verwenden. Dabei handelt es sich dann aber nicht mehr um eine vorbeugende Maßnahme, sondern um einen notwendigen Behand­lungs­schritt bei Krank­heits­verdacht. Und den bezahlen die Krankenkassen dann ohnehin.

Haut­krebs­scree­ning für gesetzlich Kranken­versicherte

Jedes Jahr wird in Deutsch­land bei mehr als 195 000 Menschen Haut­krebs fest­gestellt. Damit ist er die häufigste Krebs­art über­haupt. Seit 2008 gibt es deshalb für gesetzlich kranken­versicherte Männer und Frauen ab einem Alter von 35 Jahren die Möglich­keit, alle zwei Jahre an einem Haut­krebs­scree­ning teil­zunehmen. Bei der Unter­suchung wird die gesamte Körper­oberfläche einschließ­lich der Kopf­haut untersucht. Für die Unter­suchung benötigt der Arzt keine Instru­mente, sondern nur eine helle Lampe und sein geschultes Auge.

Einige Krankenkassen zahlen auch für Dermatoskopie

Manche Krankenkassen über­nehmen die Kosten für den Haut-Check auch schon vor dem 35. Lebens­jahr, einige finanzieren jähr­liche Haut­unter­suchungen Hautkrebsvorsorge: Das zahlen die Kassen. Einige Krankenkassen zahlen zusätzlich zum Haut­krebs­scree­ning auch für die Dermatoskopie.

Tipp: Fragen Sie Ihre Krankenkasse, ob sie die Kosten für diese Unter­suchung über­nimmt, wenn sie Ihnen als Vorsorgeunter­suchung wichtig ist.

Haut­krebs­scree­ning zur Früh­erkennung

Die meisten Menschen erkranken an harmloseren Haut­krebs­arten, die keine oder wenig Metastasen bilden. In fast 22 000 Fällen jedoch diagnostizieren Ärzte eine bösartige Form: das maligne Melanom. Wichtigstes Ziel des Haupt­krebs-Scree­nings ist es, eine Erkrankung früh­zeitig zu erkennen und die Zahl der Todes­fälle durch malignes Melanom zu senken. Denn wenn Haut­krebs recht­zeitig erkannt wird, kann er gut behandelt und geheilt werden Hautkrebs: Die Warnzeichen erkennen.

Tipp: Die Praxis­gebühr müssen Sie bei Früh­erkennungs­unter­suchungen wie dem Haut­krebs­scree­ning nicht bezahlen. Das gilt allerdings nur, solange es nicht zu einer Behand­lung kommt. Wenn Sie allerdings ohnehin im gleichen Quartal bei einem anderen Arzt waren und dort die Praxis­gebühr entrichtet haben, können Sie sich sicher­heits­halber eine Über­weisung für den Haut­arzt mitgeben lassen.

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