Wann der Schutz greift

Streitfall Über­flutung

Stark­regen über­flutet den Boden vorm Haus. Wasser läuft über den Licht­schacht in den Keller.

Versichert. Hier greift der Elementar­schutz der Hausrat­police – wenn der Kunde diesen Zusatz abge­schlossen hat. Das gilt aber nur, wenn am Haus tatsäch­lich eine Über­schwemmung entstanden ist. Läuft lediglich Regen­wasser direkt in den Licht­schacht, weil er kein Regendach hat, ist das nicht versichert (Kammerge­richt Berlin, Az. 6 U 69/15).

Streitfall Qualm

Ein Mann vergisst den Fleisch­topf auf dem Herd. Das Wasser verdampft, ein fettiger Schmierfilm legt sich auf die Möbel.

Versichert. Zwar sind laut Vertrags­text der Police nur Schäden durch „Rauch und Ruß“ versichert, nicht Qualm. Aber der Durch­schnitts­kunde macht solch feine Unterschiede nicht – und muss es auch nicht machen (Land­gericht Biele­feld, Az. 22 S 39/16).

Streitfall grobe Fahr­lässig­keit

Ein Mann will den Herd ausschalten, dreht ihn aber versehentlich nur eine Stufe nied­riger. Als die Anzeige am Herd keine Hitze mehr meldet, legt er eine Abdeck­platte darauf. Der Brand­schaden beträgt 2 000 Euro.

Versichert. Es lag ein Versehen vor. Der Mann hat zwar fahr­lässig gehandelt, aber nicht grob fahr­lässig (Land­gericht Siegen, Az. 3 S 9/15).

Streitfall grobe Fahr­lässig­keit

Einbrecher hebeln die verschlossene Haustür auf und stehlen Bargeld. Die Besitzer hatten beim Verlassen den Schlüssel einmal umge­dreht.

Versichert. Es entspricht dem allgemeinen Sicher­heits­stan­dard, das Türschloss nur einmal zu bedienen, auch wenn ein zweimaliges Umdrehen des Schlüssels tech­nisch möglich ist. Das Verhalten ist also nicht grob fahr­lässig (Ober­landes­gericht Koblenz, Az. 10 U 928/02).

Streitfall grobe Fahr­lässig­keit

Der acht­jährige Sohn findet in einer Schublade ein Feuerzeug und entzündet damit ein Blatt Papier. Kurz später brennt die Wohnung.

Versichert, aber Zahlung gekürzt. Der Versicherer kürzt die Entschädigung um 25 Prozent, weil es grob fahr­lässig ist, Feuerzeuge in Reich­weite von Kindern aufzubewahren (Ober­landes­gericht Nürn­berg, Az. 8 U 1688/15).

Streitfall Raub

Ein Dieb reißt einem Passanten beim Spaziergang die Uhr vom Arm.

Versichert. Hier greift der Außen­versicherungs­schutz. Weil der Mann die Uhr fest­halten wollte, der Täter sie ihm aber mit Gewalt entriss, liegt Raub vor. Der ist versichert. Einfacher Diebstahl ohne Gewalt oder Drohung damit, wäre nicht versichert (Ober­landes­gericht Karls­ruhe, Az. 12 U 85/16).

Streitfall grobe Fahr­lässig­keit

Ein Ehepaar geht zwei Stunden einkaufen und zieht die Tür nur hinter sich zu. Später sind die Zimmer durch­wühlt, ein Schreibtisch wurde aufgebrochen.

Versichert, aber Zahlung gekürzt. Die Tür nicht abzu­schließen, ist grob fahr­lässig. Daher wird um die Hälfte gekürzt. Nur wenn man ganz kurz weg bleibt, etwa um an der Ecke Brötchen zu holen, wäre das bloße Zuziehen nicht grob fahr­lässig (Land­gericht Kassel, 5 O 2653/09).

Streitfall Einbruch

Eine Geldkassette und Schmuck werden gestohlen. Es gibt aber nirgendwo Einbruch­spuren.

Nicht versichert. Es muss zumindest der Anschein eines Einbruchs vorliegen, zum Beispiel Einbruch­spuren an Türen oder Fens­tern. Sonst handelt es sich um einfachen Diebstahl. Der aber ist nicht versichert (Ober­landes­gericht Hamm, Az. 6 U 30/17).

Streitfall Wert­sachen

Bei einem Einbruch nehmen die Täter den Safe mit. Darin liegen 1 570 Euro Bargeld und Schmuck für 37 000 Euro.

Teil­weise versichert. Es gelten die Entschädigungs­grenzen für Wert­sachen, weil der Tresor keine 200 Kilo wog: in diesem Fall 1 500 Euro für Bargeld und 21 000 Euro für den Schmuck (Ober­landes­gericht Hamm, Az. 20 U 69/16).

Streitfall Über­schwemmung

Bei einem Stark­regen kommt es zu einer Über­schwemmung. In der Außen­isolierung des Kellers entsteht ein Riss, Wasser dringt ein.

Nicht versichert. Der Elementarschaden­schutz gilt nur für die direkte Schadens­ursache. Hier hat aber nicht  die Über­schwemmung den Schaden verursacht, sondern das im Boden versickerte Wasser hat die Isolierung zerstört (Ober­landes­gericht Dresden, Az. 4 U 1178/17).

Streitfall Sturm

Ein Sturm weht Dachziegel auf die Markise.

Versichert. Bei Mietern und Wohnungs­eigentümern gilt die Markise als Hausrat. Bei Haus­besitzern greift eher die Wohn­gebäude­police. Wichtig: Ist der Sturm absehbar, zum Beispiel weil er im Fernsehen angekündigt wird, muss man die Markise einholen (Land­gericht Kleve, Az. 5 S 119/07).

Streitfall Rück­stau

Nach einem starken Regenguss kann die Kanalisation das viele Wasser nicht mehr aufnehmen. Es staut sich und fließt über das Abwasser­rohr in den Keller. Der Rück­stau beschädigt dort den Hausrat.

Nicht versichert. Rück­stau ist in vielen Verträgen nur versichert, wenn in der Abwasser­leitung eine Rück­stauklappe montiert ist (Kammerge­richt Berlin, Az. 6 U 21/15).

Streitfall Diebstahl

Eine Radfahrerin in Münster verabschiedet sich mit einem Dreiminutenkuss von ihrem Freund. Ihre Hand­tasche mit dem Wohnungs­schlüssel liegt im Fahr­radkorb. Ein Dieb greift zu und räumt anschließend die Wohnung aus.

Nicht versichert. Der Täter hat keine Gewalt angewendet oder angedroht. Daher handelt es sich nur um einfachen Diebstahl, der nicht versichert ist (Ober­landes­gericht Hamm, Az. 20 U 174/16).

Streitfall Rollator

Ein Rollator wird aus dem gemeinschaftlichen Treppen­haus gestohlen.

Je nach Tarif versichert. Einige Policen, häufig die teureren Premium­varianten, leisten auch bei Diebstahl eines Rollators, eines Roll­stuhls oder Kinder­wagens aus dem Treppen­haus oder Hausflur von Mehr­familien­häusern. Die Versicherungs­bedingungen sind nicht in allen Tarifen einheitlich. Vor allem in alten Verträgen ist dies oft nicht enthalten.

Streitfall zu späte Anzeige

Einem Mann wird das Fahr­rad gestohlen. Erst fünf Tage später erstattet er Anzeige.

Nicht versichert. Der Mann musste den Diebstahl unver­züglich melden, sobald er Kennt­nis davon hatte – ohne schuldhaftes Verzögern. Außerdem hatte er die Rahmennummer nicht gemeldet, obwohl er die Rechnung mit der Nummer noch besaß. Man muss aber möglichst voll­ständige Angaben machen (Amts­gericht Oldenburg, Az. E7 C 7019/00).

Streitfall Garage

Aus einer Sammeltiefgarage, die mit einem Roll­tor verschlossen ist, werden Auto­reifen gestohlen.

Nicht versichert. Der Außen­schutz der Hausrat­versicherung greift nur, wenn Diebe in der Tiefgarage ein verschlossenes Behältnis aufbrechen, etwa einen Schrank oder ein Auto. Wird daraus etwas gestohlen, ist das versichert (Amts­gericht Hers­bruck, Az. 3 C 876/16).

Streitfall Diebstahl aus dem Hotel

Eine Urlauberin lässt ihre Gold­kette im verschlossenen Hotel­zimmer liegen. Diebe stehlen die Kette.

Versichert. Der Außen­schutz der Hausrat­police greift in verschlossenen Zimmern in Gebäuden, auch im Hotel. Das gilt aber nur bei Einbruch. Gibt es keine Einbruch­spuren, weil Hotel­personal mit einem Zweit­schlüssel herein­kam, zahlt der Versicherer nicht (Amts­gericht Köln, Az. 139 C 73/06).

Streitfall Aquarium

Ein Aquarium läuft aus. Das Wasser beschädigt die Teppiche.

Je nach Police versichert. Meist sind nur Leitungs­wasser und daran ange­schlossene Geräte wie Wasch­maschinen versichert. Einige Tarife schließen Aquarien ein. Teils versichern sie auch den Inhalt, also Fische und Wasser­pflanzen (Land­gericht Dort­mund, Az. 2 O 149/93).

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TestHausrat­versicherung26.03.2018
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