Hausrat­versicherung Special

Edles Geschmeide. Damit Wert­sachen gut versichert sind, sind umfassende Bestands­verzeich­nisse wichtig.

Es passiert immer wieder: Erst räumen Einbrecher das Haus aus, dann gibts Ärger mit der Versicherung. Wie Kunden ihre Rechte wahren.

Die Diebe leisteten ganze Arbeit. Weder Sicher­heits­schlösser noch massive Türen konnten sie aufhalten. Einmal im Haus, machten sie reiche Beute: Ringe, Colliers und Ohrstecker für über 10 000 Euro, eine Luxus-Uhr und 1 200 Euro Bargeld.

Ein klarer Fall für die Hausrat­police, dachte das Bochumer Ehepaar, dem die Diebe so übel mitgespielt hatten. Doch die Versicherung mauerte. Den Schaden werde man nur regulieren, wenn die Kunden bewiesen, dass die als gestohlen gemeldeten Wert­sachen wirk­lich in ihrem Besitz gestanden hätten, hieß es.

Eine schwierige Aufgabe. Kassenzettel fanden sich nur für zwei Fotokameras, ein paar Sonnenbrillen und eine Lederjacke. Ausgerechnet für das Wert­vollste, den Schmuck, konnte das Paar hingegen keine Unterlagen vorlegen.

Oft fehlen Beweise

Hausrat­versicherung Special

Fotos. Gerade bei geerbtem Schmuck fehlen häufig Kauf­belege. Da können Fotos helfen, am besten mehrere Aufnahmen in großen zeitlichen Abständen.

Dieses Problem haben viele Einbruchs­opfer. „Nur selten können Geschädigte Originalbelege beibringen“, erklärt Holger Brendel, Presse­sprecher der Huk-Coburg.

Dann wird die Regulierung kompliziert. Im Extremfall bleiben Kunden auf dem Schaden sitzen oder bekommen nur einen Teil ersetzt. Außerdem gelten für Wert­sachen in der Hausrat­versicherung fixe Entschädigungs­grenzen. Diese sind oft auch noch recht knapp bemessen Wertsachen in der Hausratversicherung. Ausgerechnet beim Verlust besonders teurer Gegen­stände zahlen die Assekuranzen vielfach nur 20 Prozent der vereinbarten Versicherungs­summe.

Bank­schließ­fach mitversichern

Hausrat­versicherung Special

Samm­lungen. Briefmarken, Münzen, Medaillen oder Uhren­samm­lungen gehören in der Hausrat­versicherung zu den Wert­sachen.

Doch Kunden können gegen­steuern. Wer ein leistungs­starkes Produkt wählt und im Ernst­fall umsichtig reagiert, minimiert das Risiko, nach einem Einbruch auch noch Ärger mit der Versicherung zu bekommen. Die Tabelle zeigt güns­tige Angebote für Hausrat­policen, die auch Wert­sachen in Bank­schließ­fächern versichern. Das ist sinn­voll, denn nicht alle Institute schützen die Einlagen der Kunden optimal.

Ganz wichtig: Wer Wert­sachen besitzt, sollte ein detailliertes Bestands­verzeichnis führen, um im Ernst­fall seinen Besitz nach­weisen zu können. Regel Nummer eins dabei lautet: Belege aufbewahren. Relevant sind vor allem Kauf­quittungen, Rechnungen, Liefer- oder Garan­tiescheine. Fehlen solche Originale, etwa bei älteren Schmuck­stücken, können auch Reparaturbelege oder Gutachten eines Juweliers als Ersatz dienen. Zudem empfiehlt es sich, wert­volle Gegen­stände zu fotografieren, am besten in regel­mäßigen Abständen. So lässt sich dokumentieren, dass sie sich schon seit Jahren im Haushalt befinden.

Ebenfalls hilf­reich sein können

  • Konto­auszüge, die einen Kauf belegen,
  • Testamente (wenn es um Erbstücke geht),
  • Zeugen­aussagen von Bekannten,
  • Schatullen, alte Verpackungen oder Bedienungs­anleitungen.

Zudem besteht die Möglich­keit, Luxus­uhren beim Juwelier oder Hersteller auf den Besitzer registrieren zu lassen.

Zeit ist Geld

Regel Nummer zwei: Im Ernst­fall schnell reagieren. Der Kunde muss möglichst zügig ein detailliertes Verzeichnis der gestohlenen Dinge, die Stehl­gutliste, bei Polizei und Versicherung vorlegen. Angemessen sind laut Ober­landes­gericht (OLG) Frank­furt fünf bis zehn Tage (Az. 3 U 102/99).

Kommt die Liste nicht recht­zeitig, darf die Versicherung die Leistung kürzen oder ganz verweigern. Dieser Zeit­druck soll verhindern, dass das Einbruchs­opfer den Schaden im Nach­hinein aufbauscht, um mehr für sich heraus­zuholen. Außerdem hilft eine schnell vorgelegte Liste der Polizei, den Täter zu suchen und Hehlerware zu identifizieren. Je mehr Zeit ab dem Einbruch vergeht, desto geringer sind die Chancen, Diebes­gut wieder­zufinden.

Bei der Wahr­heit bleiben

Die schnellste Meldung hilft jedoch wenig, wenn der Inhalt der Stehl­gutliste nicht stimmt. Wider­sprüchliche Angaben oder nach­trägliche Änderungs­wünsche des Kunden wirken schnell verdächtig.

Diese Erfahrung machte eine Kundin, die 5 000 Euro als gestohlen gemeldet hatte – angeblich das Geld ihres Sohnes. Ihrer Versicherungs­agentin hatte sie zuvor jedoch erzählt, das Bargeld gehöre einer Bekannten. Auf den Wider­spruch hingewiesen, führte sie aus, es gehe um zwei verschiedene Beträge. Die einen 5 000 Euro habe sie zunächst vergessen, die anderen 5 000 Euro später nicht mehr erwähnt, um die ohnehin komplizierte Schaden­regulierung nicht zusätzlich zu verlang­samen.

Einen Gefallen tat sie sich damit nicht. Denn nun stand fest, dass mindestens eine ihrer Aussagen nicht der Wahr­heit entsprochen hatte. Falsche Aussagen aber sind eine arglistige Täuschung, urteilte das OLG Hamm. Die Folge: Die Frau sah keinen Cent von ihrer Versicherung (Az. 20 U 146/10).

Gerichte setzen Grenzen

Teils mauern die Gesell­schaften sogar, wenn die Fakten relativ klar sind. So auch bei den bestohlenen Bochumer Eheleuten. Hier weigerte sich die Assekuranz, die vorgelegten Belege anzu­erkennen und lehnte jede Zahlung ab. Kassenbons allein, so die Begründung, seien kein Beweis, dass das Paar die verschwundenen Dinge zur Zeit des Einbruchs tatsäch­lich besessen habe.

Dieses Argument hören Einbruch­opfer häufig. Weil es dadurch fast unmöglich wird, den eigenen Besitz zu beweisen, lässt die Recht­sprechung solche Einwände aber nicht ohne weiteres gelten und gewährt Geschädigten Beweis­erleichterungen. Die Möglich­keit, dass jemand die Sachen vor dem Einbruch verloren oder verkauft hat, besteht schließ­lich immer. Sie darf aber nicht bewirken, dass die Versicherung stets die Regulierung verweigert.

So entschied der Bundes­gerichts­hof: Einbruchs­oper dürfen Kauf­quittungen vorlegen, um den Besitz von Wert­sachen nach­zuweisen. Auch Zeugen­aussagen sind erlaubt (Az. IV ZR 130/05).

Trau schau wem

Gibt es weder Zeugen noch Unterlagen, können sogar die Angaben des Geschädigten selbst genügen – voraus­gesetzt, er ist glaubwürdig. Nach der Redlich­keits­vermutung wird das zunächst unterstellt. Der Versicherer kann diese Vermutung aber widerlegen, etwa wenn der Kunde schon öfter zweifelhafte Versicherungs­fälle gemeldet hat oder die gestohlenen Dinge so gar nicht zu seinem Lebens­stil passen. Den Diebstahl mehrerer Luxus­uhren wird man einem hoch­bezahlten Manager eher abnehmen als einem Angestellten mit Durch­schnitts­gehalt. „Es muss sich ein stimmiges Gesamt­bild ergeben, das zur Lebens­situation des Betroffenen passt“, fasst Claudia Herr­mann, Presse­sprecherin der Allianz, zusammen.

Eine solche Gesamt­schau war es auch, die den Fall des Bochumer Ehepaars schließ­lich zu einem guten Ende führte. Das OLG Hamm ließ die Kauf­belege als Beweis genügen. Auch für den Schmuck gab es Ersatz – Verwandte hatten als Zeugen ausgesagt.

Nur bei der Luxus­uhr zog das Paar den Kürzeren. Die Frau hatte sie gebraucht in Griechen­land gekauft, ohne Quittung oder Expertise. Die Echt­heit des Stückes war daher fraglich – der Ersatz­anspruch entfiel.

Dieser Artikel ist hilfreich. 10 Nutzer finden das hilfreich.