Hausratversicherung Test

Die Hausratversicherung hilft bei Einbruch oder Diebstahl. Doch der Schutz hat oft Lücken, vor allem wenn das Fahrrad geklaut wird. Unser Test zeigt, wie es besser geht.

Als Silke Hoffmann aus dem Büro kam, regnete es in Strömen. Kurz entschlossen ließ sie ihr Fahrrad stehen und nahm die Straßenbahn, um Sohn Hannes vom Kindergarten abzuholen. Am nächsten Morgen war das Rad weg. Nur das Vorderrad war übrig geblieben.

Hoffmann ärgerte sich maßlos über ihre Bequemlichkeit, doch sie tröstete sich damit, dass ihr Fahrrad in ihrer Hausratversicherung mitversichert ist. Dafür bezahlt die Cottbuserin 16,50 Euro extra zu ihrem Jahresbeitrag von 64 Euro bei der DEVK.

Ohne diesen Zuschlag wäre ihr Fahrrad nur versichert, wenn es bei einem Einbruch geklaut wird. Solange es in der Wohnung, im Keller oder in der Garage steht, unterscheidet der Versicherer nicht zwischen Bügeleisen und Fahrrad. Sobald Silke Hoffmann jedoch mit dem Rad auf der Straße unterwegs ist, braucht sie einen Extraschutz für den „einfachen Fahrraddiebstahl“, wie die Versicherer das nennen.

Den Fahrradschutz für draußen gibt es bei den meisten Anbietern gegen einen Zuschlag. Nur bei 31 von 105 Tarifen im Test war diese Leistung schon inklusive, zum Teil aber sehr knapp bemessen.

Die Höhe des Zuschlags fürs Fahrrad hängt davon ab, wie hoch das Diebstahlsrisiko am Wohnort ist. In Cottbus werden Fahrräder nicht so oft geklaut, deshalb muss Silke Hoffmann nicht viel zuzahlen. Anders sieht es in Studentenstädten aus.

Besonders teuer ist Münster in Westfalen. Dort wurden 2006 der Polizei 5 236 Fahrraddiebstähle gemeldet. In Köln mit einer viermal so hohen Einwohnerzahl gingen nur 7 624 Anzeigen ein.

Im kleinen Münster kostet das Fahrrad genauso viel Zuschlag wie in Millionenstädten mit hoher Kriminalitätsrate. Über 100 Euro extra verlangen einige Anbieter.

Studenten, die im Wohnheim oder in einer Wohngemeinschaft wohnen, können dem entgehen, indem sie ihr Fahrrad über die Hausratversicherung ihrer Eltern absichern. Das lohnt sich, wenn das Diebstahlsrisiko am Heimatort geringer und die Zuschläge dadurch niedriger sind.

Studenten und Auszubildende können sich so lange über ihre Eltern versichern, bis sie in eine eigene Wohnung ziehen.

Neuwert von Fahrrad und Hausrat

Hausratversicherung Test

Tagsüber kann Silke Hoffmann ihr Fahrrad auf der Straße stehen lassen. Doch wird es dort nachts gestohlen, bezahlt ihr Versicherer nicht.

Ob der Abschluss einer Hausratversicherung nötig ist, hängt von der Ausstattung der Wohnung ab. Hat jemand ein kleines Polster auf dem Sparbuch und nur weniges und preiswertes Mobiliar, so kann er einen schweren Einbruch verkraften. Stehen jedoch teure Designermöbel und Unterhaltungselektronik in der Wohnung, lohnt sich eine Police.

Der Jahresbeitrag hängt immer von der Versicherungssumme ab, das heißt, vom Wert der versicherten Gegenstände. Für teuren Hausrat sind höhere Beiträge fällig.

Silke Hoffmann hat den Wert ihres Hausrats auf 35 000 Euro geschätzt und den Vertrag bei der DEVK über diese Summe abgeschlossen. Die Fahrräder hat sie zusätzlich mit 1 Prozent dieser Summe, also mit 350 Euro, versichert.

Nach dem Diebstahl merkte Silke Hoffmann jedoch schnell, dass sie die Summe für das Fahrrad zu niedrig angesetzt hatte. Denn für 350 Euro bekommt sie beim Händler kein gutes Fahrrad mit einem Kindersitz.

In unserer Untersuchung haben wir den Wert des Hausrats mit 55 000 Euro für eine Modellwohnung vorgegeben. Für den zusätzlichen Fahrradschutz haben wir 2 Prozent der gesamten Versicherungssumme angesetzt, also 1 100 Euro.

Bis zu 5 Prozent oder maximal 3 000 Euro sind bei den meisten Anbietern für die Fahrräder möglich. Die Allianz versichert Räder in ihrem teuren Optimal-Tarif sogar mit der vollen Versicherungssumme.

Kein Geld wegen Nachtklausel

Hausratversicherung Test

Nach einem Wasserrohrbruch müssen die Wände aufwendig mit Geräten getrocknet werden. Die Hausratversicherung bezahlt nur die Schäden an den Möbeln.

Hoffmann bekam am Ende aber nicht einmal die 350 Euro. Denn ihr Vertrag enthält eine Nachtklausel: Zwischen 22 und 6 Uhr ist das Fahrrad draußen nur versichert, wenn sie in dieser Zeit noch unterwegs ist und es zum Beispiel vor dem Kino oder Theater steht. Doch sie war längst zuhause und hätte das Fahrrad in einem abgeschlossenen Raum verstauen müssen.

Einige Hausratversicherer verzichten inzwischen auf die Nachtklausel. Diese Tarife sind jedoch bis zu 50 Euro im Jahr teurer als solche ohne umfassenden Nachtschutz, wie unsere Tabelle mit den besten Angeboten für Fahrradfahrer zeigt. Für Menschen wie Silke Hoffmann, die ihr Fahrrad oft nachts draußen stehen lassen, kommen sie dennoch infrage.

Schutz auch im Urlaub

Hausratversicherung Test

Überspannungsschäden an Elektrogeräten nach Blitzeinschlag können mitversichert werden.

Ein Hausratversicherer ersetzt nicht nur den Schaden durch Diebstahl bei Einbruch, sondern springt auch nach einem Brand, Blitzeinschlag oder Leitungswasserschaden ein. Er zahlt für die beweglichen Gegenstände, die beschädigt, zerstört oder gestohlen wurden. Festverlegte Teppichböden, Tapeten oder Heizungsanlagen gehören nicht dazu.

Der Versicherungsschutz gilt nicht nur für die eigene Wohnung, sondern auch für Hausrat in Keller, Garage oder im Hotelzimmer im Urlaub.

Die Höhe des Beitrags hängt neben der Versicherungssumme stark vom Einbruchsrisiko am Wohnort ab. Wir haben in unserem Test Angebote für vier Wohnorte eingeholt und immer dieselbe Modellwohnung vorgegeben. Freital, Wilhelmshaven, Duisburg und Köln stehen für Orte mit unterschiedlichem Einbruchsrisiko.

Für die Versicherungssumme haben wir 55 000 Euro oder eine Wohnfläche von 85 Quadratmetern angesetzt, denn einige Anbieter versichern pauschal nach Wohnfläche. Wertsachen wie Bargeld und Schmuck sollten mit bis zu 20 Prozent der Versicherungssumme und Überspannungsschäden an Elektrogeräten mit bis zu 10 Prozent eingeschlossen sein.

Unterversicherung lohnt sich nicht

Silke Hoffmanns Beispiel zeigt, dass die Verträge über eine Hausratversicherung ihre Tücken haben. Deshalb ist es wichtig zu prüfen, ob alles versichert ist, was abgedeckt sein soll. Der Bedarf kann sich schließlich auch im Lauf der Zeit ändern.

Auch ein Blick auf die Versicherungssumme ist ab und zu sinnvoll. Die Auflistung des Hausrats mit seinem Neuanschaffungspreis zeigt, ob die Summe noch ausreicht. Wer sie zu niedrig ansetzt, bekommt im Schadensfall nicht alles bezahlt. Dann muss er bei jedem kleinen Schaden einen Teil der Kosten selbst tragen. Der Versicherer mindert seine Auszahlung um den Prozentsatz, um den der Hausrat zu gering angegeben wurde.

Wird ein Fernseher für 2 000 Euro geklaut und der gesamte Hausrat war doppelt so viel wert wie die Versicherungssumme, bekommt das Opfer nur 1 000 Euro.

Einige Anbieter verzichten auf die Prüfung der Unterversicherung, wenn eine Mindestsumme pro Quadratmeter versichert wird, meist 650 Euro pro Quadratmeter. Für unsere Modellwohnung mit 85 Quadratmetern läge die Versicherungssumme dann bei 55 250 Euro. Ist der eigene Hausrat weniger wert, als sich bei dieser Rechnung ergibt, empfiehlt sich ein solcher Tarif nicht.

Kunde muss Regeln einhalten

Damit der Versicherer im Schadensfall zahlt, muss der Kunde sich an die Regeln im Vertrag halten. Silke Hoffmann hat erlebt, wie schnell man diese verletzen kann.

Die Liste der Vorschriften ist lang. Kunden müssen zum Beispiel ihren Versicherer informieren, wenn ihr Wohnhaus eingerüstet wird und dadurch das Einbruchsrisiko steigt. Sie dürfen kein Fenster gekippt lassen, wenn sie das Haus verlassen.

Auch wenn die Wohnungstür nur einmal abgeschlossen und dann eingebrochen wird, muss die Versicherung nicht zahlen. Das hat das Oberlandesgericht Karlsruhe kürzlich entschieden (Az. 19 U 140/05). Die Richter begründeten ihr Urteil damit, dass sich die Tür zu leicht öffnen ließ.

Kulanz bei grober Fahrlässigkeit

Verstöße gegen die Regeln gelten als grobe Fahrlässigkeit. Manche Versicherer zahlen trotzdem, meist begrenzen sie dann aber die Höhe der Erstattung. Vollen Schutz bieten zum Beispiel die Tarife der Huk24 und Huk-Coburg Allgemeine. Bei einigen Versicherern kann dies zusätzlich vereinbart werden.

Bald werden alle Versicherer bei grober Fahrlässigkeit zumindest einen Teil des Schadens bezahlen müssen. Denn wenn das neue Versicherungsvertragsgesetz im Jahr 2008 in Kraft tritt, soll es die Alles-oder-nichts-Regelung nicht mehr geben. Der grob fahrlässige Kunde muss dann nur noch einen Teil des Schadens selbst tragen. Die neue Regelung soll ab Ende 2008 auch für bereits abgeschlossene Verträge gelten.

Silke Hoffmann wird sich jetzt nach einer Hausratversicherung mit Nachtschutz für ihr Fahrrad umschauen. Ihre jetzige Police kann sie zum Ende der Laufzeit mit einer Frist von drei Monaten kündigen. Da sie einen Einjahresvertrag hat, kommt sie relativ schnell aus dem Vertrag.

Schneller geht es nur nach einem versicherten Schaden. Dann können beide Seiten binnen eines Monats kündigen.

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