Je wertvoller die Wohnungseinrichtung, desto wichtiger ist eine Hausratversicherung. Finanztest nennt die ­günstigsten Angebote.

Gut, dass wir verglichen haben! Denn die Preise für Hausratversicherungen unterscheiden sich zum Teil um mehr als hundert Euro. Ein Darmstädter, der im Postleitzahlenbezirk 64289 wohnt, bezahlt für den Basis-Tarif der Versicherung Docura 76 Euro Jahresbeitrag. Für den Komfort-Tarif der WWK müsste er 180 Euro bezahlen. Das macht einen Preisunterschied von 104 Euro. Dafür könnte der Südhesse schon einige Krüge Äppelwoi trinken.

Wer eine Hausratversicherung neu abschließen oder zu einer billigeren wechseln möchte, kann in den Tabellen günstige Versicherungstarife finden.

Wozu eine Hausratversicherung?

Eine Hausratversicherung schützt – vereinfacht ausgedrückt – den Wert von Gegenständen in der Wohnung. Dazu zählen zum Beispiel Möbel, Kleidung, Schmuck oder Geld. Bricht jemand in eine Wohnung ein und stiehlt den Fernseher oder vernichtet ein Brand die Möbel im Schlafzimmer, ersetzt die Hausratversicherung den so genannten Neuwert der Sachen. Der Versicherte bekommt also nicht nur das, was der gebrauchte Fernseher und die Möbel noch wert waren, sondern den Wiederbeschaffungspreis. Können die Sachen repariert werden, bezahlt die Hausrat die Reparaturkosten und den Wertverlust, der nach einer Reparatur zurückbleibt.

Anders als der Name Hausratversicherung vermuten lässt, sind Haushaltsgegenstände zum Teil auch außerhalb der Wohnung versichert. So etwa, wenn eine Dieb auf der Straße das Handy oder Bargeld mit Gewalt stiehlt. Aber auch wenn während des Urlaubs die Koffer aus dem Hotelzimmer gestohlen werden, zahlt die Hausratversicherung. Diese so genannte Außenversicherung gilt aber nur eingeschränkt. Die Versicherung ersetzt üblicherweise höchstens 10 000 Euro. Und der Hausrat darf sich nicht länger als drei Monate außerhalb der Wohnung befinden.

Es ist nicht immer einfach zu erkennen, bei welchen Schäden die Hausratversicherung wirklich zahlen muss.

Finanztest hält es für sinnvoll, den Grundschutz zu erweitern: Fahrräder und Schäden durch einen Blitzeinschlag (Überspannungsschäden) mit abzusichern. Für den Grundschutz und diese Erweiterungen haben wir Versicherungstarife abgefragt.

Wenn Versicherer noch mehr Schutz bieten, wie etwa eine Absicherung des Hausrats, der im Auto liegt, haben wir es in der Tabelle unter der Rubrik „Extras“ erwähnt. Dort stehen einige mitversicherte Extras, die mit dem Jahresbeitrag bereits bezahlt sind.

Hausratschutz braucht nicht jeder

„Das Wichtigste ist Ihr Zuhause. Die Hausratversicherung gehört zu den ­Basisversicherungen.“ Es verwundert nicht, dass Versicherer so für ihre Produkte werben. Offensichtlich haben sie damit sogar Erfolg, denn nach der Kfz-Haftpflicht ist die Hausratversicherung in Deutschland am weitesten verbreitet. Aber ist eine Hausratversicherung wirklich so wichtig? Zunächst gilt: Wer nichts besitzt, braucht auch keine Versicherung für Hab und Gut. Gerade junge Menschen starten meist mit wenig ins Berufsleben.

Wer als Student, Wehrdienst- oder Zivildienstleistender seine Bleibe zwar außerhalb hat, aber häufig zu den Eltern fährt, weil er dort seinen Lebensmittelpunkt hat, ist meist bei den Eltern mitversichert. Der Computer im Studentenwohnheim ist also bereits versichert. Eine eigene Versicherung ist unnötig.

Je wertvoller die Wohnungseinrichtung ist, desto sinnvoller kann eine Hausratversicherung sein. Jeder muss selbst abwägen, ob er diesen Schutz wirklich benötigt. Ein Feuer kann existenzbedrohend sein, wenn sich der Betroffene hinterher eine komplette neue Einrichtung kaufen muss. Wer ein ausreichendes Geldpolster hat, nimmt das Schadenrisiko vielleicht in Kauf und spart die Jahresbeiträge.

Hausrat oder Haftpflicht?

Ursula Sittig ist froh, dass sie eine Hausratversicherung abgeschlossen hat. Ihr Nachbar hat im Sommer 2003 die Badewanne überlaufen lassen. Wasser tropfte durch die Decke. Die Einbauküche und der PVC-Boden wurden durch das Wasser sehr stark beschädigt.

Ursula Sittig hat sich richtig verhalten. Zuerst bemühte sie sich darum, den Wasserschaden in Grenzen zu halten. Eimerweise hat sie das Wasser aufgewischt und den Teppich herausgerissen, um Schimmel zu verhindern.

Noch am selben Tag meldete sie den Schaden ihrer Hausratversicherung. Der Sachbearbeiter versuchte es erst ­einmal mit Trick 17: „Ihr Nachbar hat doch eine Haftpflichtversicherung, melden Sie sich doch dort.“ Diese Ausrede zieht aber nicht. Denn die ruinierten Möbel in der Küche sind auch über die Hausrat versichert. Nur weil der unachtsame Nachbar auch haftet, kann sich die Hausratversicherung nicht aus der Verantwortung stehlen.

Frau Sittig hat die Wahl: Sie kann Schadenersatz von der Haftpflichtversicherung ihres Nachbarn verlangen oder auch von der eigenen Hausratver­sicherung. Problem: Die Haftpflicht ersetzt nur den so genannten Zeitwert – also das, was die sechzehn Jahre alte Küche heute noch wert ist. Ursula Sittig will aber den Wiederbeschaffungspreis, um sich im Möbelmarkt gleich eine neue Küche kaufen zu können. Den bekommt sie nur von der Hausrat.

Die Versicherung von Ursula Sittig gab schließlich klein bei und zahlte.

Kommt es zum Schaden, sind Versicherte beweispflichtig. Sie müssen den Wert der Sache belegen. Die Originaleinkaufsquittung ist der beste Beweis. Ursula Sittig hatte die Rechnung der Küche allerdings nicht mehr. Ein Gutachter musste den Neuwert von Küche und Boden schätzen.

Unterversicherung ist gefährlich

Wer Hausratschutz möchte, steht vor der Frage: Bis zu welchem Geldbetrag muss ich mich denn versichern?

Es gibt zwei Wege: Ganz genaue Menschen listen ihre sieben Sachen auf und addieren die Werte. Diese Summe wird dann auch versichert.

Hier lauert allerdings die Gefahr der Unterversicherung. Leicht vereinbaren Versicherte eine zu niedrige Versicherungssumme, um Beiträge zu sparen. Die Versicherung ersetzt Schäden dann nur anteilig. Ein Beispiel: Ursula Sittig besitzt Hausrat im Wert von 100 000 Euro, hat aber nur die Hälfte, 50 000 Euro, als Versicherungssumme angegeben. Würde nun eine 1 000 Euro teure Stereoanlage bei einem Einbruch gestohlen, bekäme Frau Sittig nur 500 Euro plus einem so genannten Vorsorgebetrag in Höhe von 10 Prozent der Versicherungssumme erstattet. Insgesamt also 550 Euro. Wer schummelt, schießt Eigentore.

Um eine Unterversicherung zu vermeiden, sollten Versicherte von Zeit zu Zeit den Wert Ihrer Wohnung überprüfen und gegebenenfalls eine höhere Versicherungssumme vereinbaren.

Wer keine Lust hat, den Wert seines Hausrats genau zu ermitteln, kann ihn auch pauschal versichern. Viele Versicherer setzen pauschal 650 Euro pro Quadratmeter an. Das Beste: Bei der Pauschalmethode gibt es die Gefahr der Unterversicherung nicht.

Wer aber in einer großen Wohnung mit wenig Ausstattung lebt, zahlt mit der Pauschalmethode zu viel Beitrag.

Versicherungsschutz bei Umzug

Der Hausrat ist auch abgesichert, wenn der Versicherte auszieht. Für eine Übergangszeit sind sowohl die alte als auch die neue Wohnung versichert. Nach zwei Monaten gilt der Versicherungsschutz nur noch für die neue Wohnung. Der Versicherte muss seine Versicherung über den Umzug informieren. Ist die neue Heimat größer oder gehört sie zu einem anderen Tarifgebiet, kann die Versicherung den Beitrag neu berechnen. Bei einer Beitragserhöhung darf der Versicherte kündigen.

Eine Besonderheit gilt, wenn sich Paare trennen und einer in eine neue Wohnung zieht. Für eine Übergangszeit von drei Monaten sind beide Wohnungen versichert. Haben die Expartner den Versicherungsvertrag gemeinsam unterschrieben, gilt die Hausratversicherung nach dieser Zeit nur noch für die alte Wohnung. Läuft der Vertrag auf den Namen des Ausziehenden, nimmt er auch den Hausratschutz mit.

Gebäudeversicherung ist anders

Eine Hausratversicherung ist grundsätzlich von der Gebäudeversicherung zu unterscheiden. Die Gebäudeversicherung schützt das Gebäude an sich und alle mit ihm verbundenen Gegenstände wie auch zum Beispiel den fest verklebten PVC-Boden oder die Tapete.

Und trotzdem war die Hausratversicherung für den zerstörten PVC-Boden von Ursula Sittig zuständig. Die Mieterin Sittig hat nämlich eine Hausratversicherung nach den „Vertragsbedingungen 2000“. Und danach gilt: Bei Mietern sind auch die mit dem Gebäude verbundenen Sachen über die Hausrat versichert, wenn der Mieter diese auf eigene Kosten eingebaut hat.

Gerade bei Wohnungseigentümern, die ihr Eigentum selbst bewohnen und beide Versicherungen haben, kann es zu Überschneidungen von Hausrat- und Gebäudeversicherung kommen. Beschädigt zum Beispiel ein Sturm der Stärke acht die Antenne auf dem Dach, ist der Schaden über beide Versicherungen abgesichert.

Der Verbraucher ist in einer komfortablen Lage, wenn ein Schaden gleichzeitig über die Gebäude- und die Hausratversicherung abgesichert ist. Er kann von jeder Versicherung den vollen Ersatz verlangen. Er muss nicht etwa von beiden eine Hälfte des Schadens eintreiben. Natürlich kann er aber nur insgesamt einmal Entschädigung fordern.

Der Weg zum günstigsten Anbieter

Eigentlich gibt es so viele unterschiedliche Versicherungstarife wie es Wohnorte gibt. In Großstädten wie Köln wird öfter eingebrochen als im thüringischen Altenburg. Ein höheres Risiko bedeutet höhere Versicherungsbeiträge.

Sämtliche Tarife aller Versicherer in einer Tabelle darzustellen, würde ein ganzes Buch füllen. Deswegen haben wir vier repräsentative Wohnungen in Deutschland ausgewählt, um die günstigsten Tarife zu ermitteln: Altenburg, Darmstadt, Hannover und Köln sind die Wohnorte. Altenburg in Thüringen steht für Orte mit bis zu 50 000 Einwohnern, Darmstadt für Städte mit einer Einwohnerzahl von ungefähr 250 000 Einwohnern, Hannover für Städte ab 500 000 Bewohnern und Köln für die richtig großen Metropolen Deutschlands.

Unsere Modellwohnungen in diesen Orten sind 80 Quadratmeter groß und haben Hausrat im Wert von 50 000 Euro versichert. Wertsachen sind mit 10 000 Euro abgesichert, Schäden durch Blitzeinschlag ins Stromnetz (Überspannungsschäden) bis zu 2 500 Euro und Fahrräder bis zu 500 Euro.

Mit der Tabelle können Sie günstige Versicherer für Ihren Wohnbezirk ermitteln. Und das geht so: Sie suchen zunächst die Stadt in der Tabelle aus, die Ihrem jetzigen Wohnort von der Größe am nächsten kommt. Ursula Sittig zum Beispiel wohnt in Wiesbaden. Die Landeshauptstadt hat rund 300 000 Einwohner. Sie muss also in der Spalte der Wohnung Darmstadt nach einem günstigen Anbieter suchen. In 64287 Darmstadt bietet die Docura mit 76 Euro einen sehr günstigen Tarif an. Die Wiesbadenerin Sittig müsste bei der Docura aber mehr als 76 Euro bezahlen, weil ihre Wohnung rund 40 Quadratmeter größer ist als unser Modell.

Ursula Sittig würde gern zu einer billigeren Hausratversicherung wechseln. Doch erst Mitte 2004 kommt sie aus ihrem jetzigen Vertrag raus. Aber dann wird gespart.

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