Interview: Bei Brand gehts nach Treu und Glauben

Hausratversicherung Test

Marianne Giese bewertet seit 25 Jahren Schäden an Möbeln, Geschirr, Kleidung und Elektrogeräten. Die Berlinerin ist öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige für Hausrat und arbeitet freiberuflich für Gerichte, Versicherungsunternehmen und private Auftraggeber.

Wann setzen Versicherer eine Sachverständige für Hausrat ein?

Giese: Vor allem bei hohen Schäden und in Zweifelsfällen. Immer dann, wenn man den Schaden nicht mehr vom Schreibtisch aus beurteilen kann – große Brand-, Wasser- oder Einbruchschäden zum Beispiel. Ich treffe mich dann mit den Geschädigten, um die Schadenhöhe festzustellen.

Haben Sie viel zu tun?

Giese: Ich arbeite für über zehn verschiedene Unternehmen. Ich bearbeite etwa fünf bis zehn Fälle pro Woche und habe meist viel zu tun. Derzeit wird wieder ziemlich häufig eingebrochen.

Was ist, wenn es keinen Nachweis wie ein Foto oder eine Quittung ­etwa für eine geerbte Uhr gibt?

Giese: Wer eine Sache detailliert und überzeugend beschreibt, liefert auch ­eine Basis für eine Bewertung. Bei großen Brandschäden, wenn ein Teil des Hausrats völlig zerstört ist, geht es auch nach Treu und Glauben. Was ­letztendlich aber als Nachweis akzeptiert wird, darüber entscheiden die Versicherer.

Woher weiß der Geschädigte, dass Sie nicht im Sinne der Versicherer den Wert des geschädigten Hausrats nach unten drücken?

Giese: Ich kann nur betonen, dass ich einen Eid darauf abgelegt habe, den Hausrat objektiv zu beurteilen.

Den schwören angestellte Sachverständige nicht. Bezahlt werden aber auch Sie vom Versicherer ...

Giese: Ich habe definitiv noch nie Druck von einem meiner Auftraggeber bekommen.

Können Geschädigte zwischen unabhängigem Sachverständigen und Versicherungsmitarbeiter wählen?

Giese: Nein. Die Unternehmen entscheiden, wen sie wohin schicken. Wenn die eigenen Mitarbeiter ausgelastet sind, greifen sie auf freie Sachverständige wie mich zurück.

Was können Geschädigte tun, die mit dem Gutachten des Sach­verständigen nicht zufrieden sind?

Giese: Sie können sich einen eigenen Sachverständigen suchen. Die Entscheidung wird von einem Obmann ­gefällt und die Kosten dafür werden aufgeteilt.

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