Hausratversicherung Test

Die Preisunterschiede der Hausratversicherungen sind enorm. Und nicht immer enthalten die teuren Tarife die meisten Extras. Wechseln lohnt sich also.

Die Einbrecher richteten einen Schaden von 10 000 Euro an. „Als wir abends nachhause kamen, waren die Terrassentüren aufgebrochen. Schmuck und Uhren waren gestohlen“, sagt Stefan Gaida. „Das war schon eine böse Überraschung.“

„Wenn man selbst Opfer eines Einbruchs wird, ist man natürlich froh, dass man eine Hausratversicherung abgeschlossen hat“, sagt der Bankangestellte aus dem Rheinland. Der Einbruchdiebstahl bei den Gaidas ist ein klassischer Fall für die Hausratversicherung. Aber sie deckt auch andere ­Risiken wie Brand- oder Wasserschäden ab.

Finanztest hat 134 Tarife der Hausratversicherer untersucht. Die Preisspannen zwischen günstigen und teuren Anbietern sind sehr hoch. So zahlen Kunden in unserem Modellort Freital beim günstigsten Tarif Ammerländer Classic 46 Euro im Jahr, beim teuersten Tarif Zurich MultiPlus Top 211 ­Euro. Das ist knapp fünfmal so viel.

Noch extremer ist der Preisunterschied in unserem teuersten Modellort, der Großstadt Köln. Hier verlangt die Grundeigentümer 107 Euro im Jahr. Die OVAG (Optimal) dagegen möchte 588 Euro. Ein Preisvergleich und der Wechsel zu einem günstigeren Anbieter lohnt sich also.

Teuer ist nicht immer besser

Klar sind manche Tarife teurer. Schließlich leisten sie auch mehr, kommt dann schnell als Erklärung vonseiten der Versicherer.

Doch das stimmt pauschal so nicht. So bieten zum Beispiel die recht teuren Tarife MultiPlus Basis der Zurich und die Rundumschutz-Tarife von Victoria und DAS bei einfachem Diebstahl deutlich weniger Leistung als viele günstigere Tarife. Einfachen Diebstahl nennen die Versicherer Diebstähle, die nicht mit einem Einbruch, also einem gewaltsamen Eindringen, einhergehen.

Nur Einbruchdiebstähle sind in jeder Hausratversicherung versichert. Von den 134 untersuchten Tarifen decken aber 97 auch den einfachen Diebstahl von Gartenmöbeln von der Terrasse oder aus dem Garten mit ab – die genannten Tarife der Zurich, Victoria und DAS jedoch nicht.

Diese drei eher teuren Tarife helfen nicht einmal nach einem Diebstahl aus dem Auto, was sogar 96 Tarife tun. Die Versicherer übernehmen den Schaden auch nicht, wenn Geräte aus Gemeinschaftsräumen, zum Beispiel der Waschküche, ohne Einbruch gestohlen werden. Das decken immerhin noch 39 der untersuchten Tarife ab. Viele davon günstiger als die drei. Und – wen wunderts – der extrem teure Tarif der OVAG hilft hier auch nicht.

Natürlich handelt es sich hier nicht um Kernleistungen der Hausratversicherung. Denn weder ein gestohlener Liegestuhl noch ein gestohlener Wäschetrockner sind der eigentliche Grund, warum Kunden eine Hausratversicherung abschließen. Trotzdem fragen wir uns, warum gerade einige teure Versicherer für solche Extras nicht aufkommen, wenn es sehr viel günstigere tun.

Schaden immer gleich melden

Der Einbruchdiebstahl bei Familie Gaida war ein Schaden, den alle Hausratver­sicherer abdecken. Es kann aber schnell zu Problemen mit dem Versicherer kommen, wenn zwar etwas geklaut wird, aber keine eindeutigen Einbruchspuren da sind. Deshalb ist es für den Nachweis an den Versicherer wichtig, gleich die Polizei zu rufen, damit sie nach Spuren und Fingerabdrücken suchen kann.

Bei Gaidas war der Einbruch durch die beschädigten Terrassentüren offensichtlich. „Die Polizisten fanden das alles wenig spannend. Sie sagten uns, sie hätten bis zu zehn solcher Einbrüche am Tag und dass es sich bei den Einbrechern um Profis gehandelt habe“, erklärt Gaida.

Die Familie hat den Schaden gleich dem Versicherer gemeldet. „Als Erstes haben wir uns dann darum gekümmert, dass die Türen wieder repariert werden und gleich einen Kostenvoranschlag von einem Glaser eingeholt“, sagt Gaida. „Die Versicherung hat dann aber doch noch mal einen Sachverständigen vorbeigeschickt. Als der dann zu einem ähnlichen Ergebnis kam wie unser Glaser, konnten wir ihn beauftragen.“

Auch um den Wert des Schmucks und der Uhren festzustellen, schickte der Versiche­rer einen Gutachter vorbei. „Für die Uhren hatten wir noch Quittungen und haben außerdem Bilder aus dem Internet gesucht. Das war gar kein Problem“, erklärt Gaida. Beim Schmuck war es etwas komplizierter. Von einigen Schmuckstücken gab es weder Belege noch Fotos. Den Wert legten sie dann anhand eines Schmuckkatalogs fest, den der Sachverständige mitgebracht hatte. „Im Großen und Ganzen waren wir sehr zufrieden mit der Regulierung“, sagt Gaida.

Mehr als ein Drittel unzufrieden

Im Vorfeld unserer Untersuchung hatten wir unsere Leserinnen und Leser nach ihren Erfahrungen mit der Schadenregulierung durch ihren Hausratversicherer gefragt. Von 77 Versicherungskunden waren 55 teils sogar sehr zufrieden. 22 Leser waren es aber nicht. Sie schilderten uns ihre Probleme. Dazu gehörten schlechte Informationspolitik der Versicherer, undurchsichtige Wertermittlung, verschleppte Zahlungen, schlechte Kommunikation und unhöfliche Sachverständige.

Auch Eduard Klein aus Obersulm war nach seinem Brandschaden alles andere als zufrieden mit der Abwicklung. Sein Fazit: „Man muss sich sehr viel erkämpfen und das kostet Nerven. Nicht jeder kennt sich im Versicherungsrecht aus und das nutzen die Regulierer aus. Zumal man in solch einem Fall noch unter Schock steht. Man weiß gar nicht, wo man anfangen soll und an wen man sich um Hilfe wenden kann.“

Ärger bei Unterversicherung

Klein stritt sich mit seiner Versicherungsgesellschaft darüber, ob er unterversichert sei. Das kann passieren, wenn der Wert des gesamten Hausrats höher ist als die vertraglich vereinbarte Versicherungssumme.

Beläuft sich zum Beispiel der Wert des Hausrates auf 60 000 Euro, ist aber lediglich eine Summe von 40 000 Euro versichert, erhält der Geschädigte nur knapp 67 Prozent der Kosten. Wenn er also einen Schaden von 10 000 Euro hätte, würde der Versicherer ihm nur 6 700 Euro ersetzen. Eine Unterversicherung ergibt sich meist mit der Zeit, wenn der Versicherte es versäumt, die Versicherung über neuen und höherwertigen Hausrat zu informieren. „Erst nach Hinzuziehen eines Anwalts konnten wir einiges erreichen“, sagt Klein. Die Unterversicherungsdebatte war dann vom Tisch (siehe auch Text: Unser Rat).

Irreführende Klauseln

Ärger entsteht auch durch irreführende Versicherungsbedingungen. Ein drastisches Beispiel sind die Klauseln einiger Versi­cherungsgesellschaften zu Fällen, in denen sich der Kunde grob fahrlässig verhält.

Grob fahrlässig handelt zum Beispiel ein Versicherungsnehmer, der das Haus bei gekipptem Fenster längere Zeit verlässt. Sind die Schäden auf grobe Fahrlässigkeit zurückzuführen, muss der Versicherer den Schaden nicht voll übernehmen. Die Höhe der ­Erstattungssumme hängt von der Schwere der Fahrlässigkeit ab.

Viele Versicherer verzichten nun in ihren Bedingungen bis zu einer bestimmten Summe auf die „Einrede der groben Fahrlässigkeit“, das heißt, sie zahlen voll. Das hört sich erst mal toll an und lässt sich als interessantes Extra gut verkaufen. 42 Tarife bieten hier echten Mehrwert. Doch weitere 52 Tarife haben dieselbe Regelung, schränken sie aber in anderen Paragrafen stark ein.

Besonders wild treibt es die Allianz. Ausgenommen von der kundenfreundlichen Klausel sind bei ihr: Rauchen im Bett; unzureichende Beaufsichtigung eines offenen Feuers, unverschlossene Fenster und Türen bei Abwesenheit von mehr als einer Stunde und außerdem alle Obliegenheitsverletzungen und Gefahrerhöhungen.

Obliegenheiten sind gesetzlich oder vertraglich festgelegte Kundenpflichten wie die Pflicht, den Schaden möglichst gering zu halten. Und davon gibt es eine Menge.

Welche Möglichkeiten von grob fahrlässigem Verhalten bleiben da eigentlich noch übrig, haben wir uns gefragt. Die Allianz verhält sich wie ein Arzt, der seinem ­Patienten Alkohol erlaubt, aber Bier, Wein, Sekt, Schnaps und andere Spirituosen verbietet. Solche Versicherer sollten lieber ganz auf die Klausel verzichten. Dann wissen Kunden wenigstens, woran sie sind.

Dieser Artikel ist hilfreich. 1570 Nutzer finden das hilfreich.