Wütet ein Feuer in der Wohnung oder ruiniert ein Rohrbruch die Möbel, hilft die Hausratversicherung. Wer Preise vergleicht, ist gut geschützt, ohne zu viel zu zahlen.

Ihr Hab und Gut ist den Menschen in Deutschland lieb und teuer. Mehr als 77 Prozent der Haushalte haben eine Hausratversicherung. Sie ist damit nach der Kfz-Haftpflichtversicherung der am meisten verbreitete Versicherungsschutz; die Privathaftpflicht folgt erst an dritter Stelle. Doch viele Hausratversicherungen sind zu teuer. Ein Wechsel kann sich lohnen.

Eine Finanztest-Untersuchung von 186 Hausratversicherungen ergab enorme Beitragsunterschiede. 137 Euro jähr­­lich kostet zum Beispiel das Angebot Axa Top mit 50 000 Euro Versicherungssumme für eine Wohnung im thüringischen Lucka, also in einer ländlichen Region mit niedrigstem Schadensrisiko. Bei Quelle muss derselbe Kunde dagegen nur 37 Euro bezahlen.

Dafür verzichtet er allerdings auf Extras wie zum Beispiel Ersatz für Schäden durch Fahrraddiebstahl, Blitzeinschlag ins Stromnetz sowie Diebstahl aus dem eigenen Auto. Im Axa-Tarif sind diese allesamt mit versichert. Zur optimalen Wahl des richtigen Versicherungsschutzes gehört also beides: Preisvergleich und Leistungsvergleich.

Grundschutz

Nahezu identisch sind die Bedingungen der Versicherer bei der Grunddeckung. Sie schützt die Wohnungseinrichtung sowie die gesamten Haushalts- und Gebrauchsgegenstände gegen Feuer, Blitzschlag, Explosion, Einbruchdiebstahl, Raub, ausgelaufenes Leitungswasser, Sturm und Hagel.

Zusätzlich angeboten werden je nach Tarif bestimmte Extras ohne Zuschlag. Dabei gilt die Faustregel: Viele Extras machen den Grundschutz teurer. Wer darauf verzichten will, sollte einfach den Versicherer mit dem niedrigsten Beitragssatz wählen. Günstige Angebote machen zum Beispiel Adler, Ammerländer, Häger und Plus.

Vor allem jüngere Leute sollten sich überlegen, ob sie überhaupt eine Hausratversicherung brauchen. Für Studenten und Auszubildende ohne eigenen Hausstand ist eine eigene Versicherung überflüssig, denn ihr Hausrat ist durch die Police der Eltern mit versichert, auch wenn sie für die Dauer der Ausbildung in einer anderen Stadt wohnen. Junge Berufstätige mit eigenem Hausstand, die nicht mehr über die Eltern versichert sind, sollten auf günstige Tarife für junge Leute achten, die von einigen Unternehmen angeboten werden.

Nach Beginn der Berufstätigkeit wird eine Wohnungseinrichtung häufig immer wertvoller, etwa durch den Kauf von Designermöbeln oder einer teuren HiFi-Anlage. Und selbst der Verlust eines Hausrats mit geringem Wert kann einen Menschen existenziell treffen. Deshalb gilt die Faustregel: Wer seinen Hausrat ohne sehr große finanzielle Einbußen nicht ersetzen kann, sollte ihn versichern.

Unter Hausrat verstehen die Versicherer alles, was sich zur privaten Nutzung in der Wohnung befindet. Also zum Beispiel Möbel, Teppiche, Wäsche, Bekleidung, Vorhänge, Wertsachen, Haushaltsgeräte. Einbaumöbel sind nur dann versichert, wenn der Mieter sie selbst eingebaut hat. Auch deckt die Hausratversicherung nicht Schäden an fest eingebauten Sanitärinstallationen ab. Diese kann der Eigentümer mit einer Wohngebäudeversicherung schützen.

Weltweiter Schutz

Die Hausratversicherung zahlt in einem Schadensfall die Reparatur beschädigter Gegenstände. Wird Hab und Gut gar zerstört oder gestohlen, leistet sie zum Neuwert Ersatz bis zur vereinbarten Versicherungssumme. Der Versicherer zahlt dem Kunden somit den Wiederbeschaffungspreis.

Das gilt nicht nur zu Hause, sondern weltweit. Wenn zum Beispiel der Koffer während der Urlaubsreise aus dem Hotelzimmer oder der Ferienwohnung gestohlen wird, zahlt die Hausratversicherung den Schaden; allerdings nur bis zu einer gewissen Grenze von in der Regel 10 Prozent der Versicherungssumme, höchstens jedoch 10 000 Euro. Außerdem gilt dieser Schutz bei den meisten Versicherungsunternehmen nur für Auslandsaufenthalte, die nicht länger als drei Monate dauern.

Schutz nach Tarifzonen

Die Höhe des Beitrags ist von zwei Kriterien abhängig: dem Wohnort des Versicherten und dem Wert des Hausrats. In Großstädten, wo häufiger Schäden gemeldet werden, kostet eine Hausratversicherung mehr als in ländlichen Gegenden mit weniger Schadensmeldungen. Die meisten Versicherer haben das Bundesgebiet in vier Tarifzonen (H I bis H IV) unterteilt – angefangen von Orten mit niedrigem Risiko, wo der Beitrag günstig ist, bis zu Orten mit höchstem Risiko, wo die Kunden am meisten zahlen müssen.

Eine Reihe von Versicherungsunternehmen arbeitet sogar mit sechs Tarif­zonen. Bei diesen Versicherern gilt für Hamburg, Köln und Frankfurt am Main in den Stadtvierteln mit sehr häufigen Schäden die zusätzliche Zone H VI. Hier wird die Hausratversicherung dann richtig teuer. Wer in dieser Zone wohnt, wird also durch extra hohe Beiträge belastet.

Um die Auswahl eines günstigen Angebots zu erleichtern, hat Finanztest stellvertretend für alle Risikozonen vier Orte ausgewählt, in denen sich nahezu alle Haushalte in den verschiedenen Tarifzonen wiederfinden.

Pauschaler Schutz

Die Höhe des Beitrags hängt aber nicht allein vom Wohnort ab. Auch der Wert des Hausrats spielt eine wichtige Rolle. Ihn kann der Kunde entweder ganz genau mithilfe einer Liste aller Gegenstände in der Wohnung oder ganz einfach pauschal ermitteln.

Statt Preise von Stühlen, Tischen, Kaffeelöffeln und Teppichen zu addieren, wird die Versicherungssumme bei der Pauschalmethode mit einem bestimmten Betrag pro Quadratmeter Wohnfläche ermittelt. Üblicherweise beträgt diese Summe 600 Euro pro Quadratmeter. Es gibt aber auch einige Versicherer, die mit einem kleineren Betrag rechnen, andere veranschlagen sogar eine höhere Summe.

Der Vorteil der Pauschalmethode besteht darin, dass der Kunde einen Schaden bis zur Höhe der vereinbarten Versicherungssumme auf jeden Fall voll ersetzt bekommt. Bei der individuellen Wertermittlung des Hausrats ist dieser volle Schutz dagegen nur dann gewährleistet, wenn dem Kunden bei der Auflistung keine Fehler unterlaufen sind.

Wer den Wert seines Hausrats und damit die Versicherungssumme zu niedrig veranschlagt, um am Beitrag zu sparen, kann im Schadensfall eine böse Überraschung erleben: Mit der Begründung „Unterversicherung“ ersetzt die Versicherung den Schaden nur anteilig. Wenn der Wert des Hausrats zum Beispiel bei 80 000 Euro liegt, als Versicherungssumme jedoch nur 40 000 Euro angegeben sind, zahlt die Versicherung wegen der 50-prozentigen Unterversicherung nur die Hälfte. Bei einem Schaden von 6 000 Euro bekäme der Kunde also nur 3 000 Euro ersetzt.

Genauer Schutz

Je genauer der Kunde über seinen Hausrat Bescheid weiß und je besser er im Schadensfall beispielsweise mit Fotos nachweisen kann, welchen Wert er hatte, desto sicherer kommt er an sein Geld. Bei großen, aber spärlich möblierten Wohnungen hat eine persönliche Wertermittlung noch einen weiteren Vorteil: Der Kunde spart Beitrag. Bei der Pauschalberechnung zahlt garantiert zu viel, wer in einem kaum möblierten 300-Quadratmeter-Loft wohnt. Bei einer kleinen, aber mit wertvollen Möbeln vollgestellten Wohnung wäre die nach der Pauschalmethode ermittelte Versicherungssumme womöglich zu niedrig, um einen Totalschaden voll zu ersetzen.

Überhaupt keine Rolle spielt die Versicherungssumme dagegen beim Tarif des Deutschen Herold. Dieser Versicherer berechnet den Beitrag nach der Größe der Wohnung und der Tarifzone. Hinzu kommt ein Sockelbetrag, unabhängig von der Quadratmeterzahl. Die Versicherungssumme ist stets unbegrenzt. Der Kunde muss sich also keine Gedanken darüber machen, ob er den Wert seines Hausrats richtig versichert hat.

Dieses Prinzip ist zwar kundenfreundlich, hat aber seinen Preis. So liegt dieser Versicherer mit seinem Jahresbeitrag von 200 Euro für die 83 Quadratmeter große Musterwohnung in Hannover mit einer Versicherungssumme von 50 000 Euro im oberen Preisdrittel.

Schutz über dem Standard

Auch bei Aspecta orientiert sich der Jahresbeitrag nicht am Wert des Hausrats, sondern an der Größe der Wohnung. Im Unterschied zum Deutschen Herold ist die Versicherungssumme allerdings auf 200 000 Euro begrenzt. Der Jahresbeitrag für unsere Modellwohnung liegt auch hier im oberen Preisdrittel. Dafür bietet dieser Versicherer bei fünf der sieben überprüften Extras Leistungen über dem Standard.

Da die Versicherungssumme sich je nach individuellen Wohnverhältnissen und Bedürfnissen stark unterscheidet, haben wir in den verschiedenen Risikozonen die Beitragssätze pro 1 000 Euro Versicherungssumme verglichen und den Beitragssatz für die einzelnen Tarife veröffentlicht. Jeder kann so den individuellen Jahresbeitrag für den gewünschten Tarif einfach berechnen.

Um jedoch einen Eindruck von der unterschiedlichen Höhe eines Jahresbeitrags je nach Kombination der Extras zu geben, haben wir für unseren Modellhaushalt in Hannover zusätzlich zum Grundschutz folgende Extras verlangt: Wertsachen sind bis zu 20 Prozent der Versicherungssumme mit versichert, für den einfachen Fahrraddiebstahl liegt die Entschädigungsgrenze bei 1 Prozent der Versicherungssumme und wenn der Blitz ins Stromnetz einschlägt (Überspannungsschäden), ist ein Schaden mit 5 Prozent der Versicherungssumme versichert.

Für die Versicherungsunternehmen sind Hausratpolicen insgesamt ein gutes Geschäft. Im Jahr 2000 brauchten sie von den Beitragseinnahmen nur 53,4 Prozent für die Schadensregulierung. Der große Rest waren Verwaltungskosten und Gewinn. Zum Vergleich: Bei der Wohngebäudeversicherung mussten immerhin fast 72 Prozent der Beiträge für Schäden aufgewendet werden. Die Hausratversicherer zahlten insgesamt für 1,53 Millionen Schäden. In 43,3 Prozent der Fälle war Feuer die Ursache des Schadens.

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