Nach einem Brand ist eine Hausratversicherung Gold wert. Doch viele sind unterversichert und zahlen trotzdem zu viel Beitrag. Es lohnt sich, den Schutz zu überprüfen.

Mit Schrecken denkt Franz Bayer an den 12. Dezember im vergangenen Jahr zurück. Gegen 4 Uhr morgens brach auf dem Gelände des Wohnwagenhändlers in Stolberg bei Aachen Feuer aus. Neben mehreren Wohnwagen brannte ein Gebäude mit Gewerberäumen und der Zweitwohnung der Familie bis auf die ­Kellerdecke ab. Gesamtschaden: „Über 500 000 Euro“, überschlägt Bayer.

Für die Schäden am Gebäude einschließlich aller fest eingebauten Gegenstände wie verklebter Teppichböden oder fest installierter Badewanne muss Bayers Wohngebäudeversicherung aufkommen. Für zerstörte Möbel und Kleidung sowie für Schmuck und verbranntes Geld tritt seine Hausratversicherung ein. Denn sie schützt alle beweglichen Dinge im Wohnbereich, die von Haushaltsmitgliedern ge- oder verbraucht werden.

Franz Bayer hatte den Hausrat der Wohnung mit einer Versicherungssumme von knapp 50 000 Euro bei der Allianz versichert. Mit den Leistungen der Versicherung nach dem Feuer ist er sehr zufrieden: „Bei der Regulierung hat es keine Pro­bleme gegeben. Zunächst habe ich eine ­Abschlagszahlung bekommen, den Rest dann später.“

Besonders günstig ist er bei der Allianz allerdings nicht versichert. Sie gehört zu den teureren Anbietern in unserem Test. Sie bietet zwar mehr als viele Anbieter und ersetzt sogar gestohlene Gartenmöbel oder aus dem Auto gestohlenen Hausrat bis zur kompletten Versicherungssumme, doch wer kein Auto oder keinen Garten hat, muss die Leistungen trotzdem bezahlen. Bei günstigeren Anbietern kann der Versicherte selbst entscheiden, ob er gegen Aufpreis die Mehrleistungen versichert.

Preisvergleich lohnt sich

Wir haben die Hausrat-Tarife von 63 ­Gesellschaften anhand eines Modellhaushalts in vier Städten untersucht und enorme Preisunterschiede festgestellt.

Die LBN als einer der Anbieter, der allen Kunden offen steht, macht das günstigste Angebot für unseren Modellhaushalt in Darmstadt. Unser Kunde muss hier für eine Versicherungssumme von 50 000 Euro in einer 80 Quadratmeter großen Wohnung 68 Euro pro Jahr zahlen. Die Allianz verlangt für denselben Grundschutz 170 Euro, die Aspecta 184 Euro im Jahr.

Ähnliche Unterschiede ergeben sich in der Großstadt. Das günstigste Angebot für unseren Haushalt in Köln macht wiederum die LBN mit 108 Euro im Jahr. Die Arag verlangt 370 Euro und damit mehr als das Dreifache.

Pflicht ist eine Hausratversicherung nicht. Jeder muss selbst abwägen, ob er sie benötigt oder ob das eigene Geldpolster reicht, um etwa nach einem Wasserschaden Möbel für mehrere Tausend Euro zu kaufen. Generell gilt: Je wertvoller die Wohnungseinrichtung, desto sinnvoller ist die Versicherung.

Etwa drei Viertel der Haushalte in Deutschland besitzen eine Hausratversicherung. Nach der privaten Haftpflichtversicherung, die für selbst verschuldete oder unabsichtliche Sach- und Personenschäden aufkommt, gehört der Schutz des Hausrats zu den wichtigsten Sachversicherungen. Die Versicherung erstattet neben Brand- und Leitungswasserschäden auch Schäden durch Blitzschlag in das Gebäude, durch Einbruchdiebstahl, Raub, Explosionen oder Sturm ab Windstärke acht.

Versicherte verschätzen sich

Franz Bayer erschrak, als er nach dem Feuer den Wert der zerstörten Gegenstände addierte und feststellte, dass er die Versicherungssumme mit 50 000 Euro deutlich zu niedrig gewählt hatte. Als er einen Wert von 80 000 Euro erreicht hatte, hörte er auf zu rechnen.

So wie ihm geht es zahlreichen Versicherten. Sie verschätzen sich beim Wert von Möbeln, bei Musikanlagen und Computern oder ihrer Lederjacke. Viele vergessen auch, dass für die Versicherungssumme nicht entscheidend ist, welchen Wert die Gegenstände zum aktuellen Zeitpunkt ­haben. Es kommt stattdessen darauf an, wie viel die Neuanschaffung kosten würde.

Für Franz Bayer wäre eine deutlich höhere Versicherungssumme sinnvoll gewesen. So hat er nur die versicherten 50 000 Euro und dazu die übliche Vorsorge­pauschale von 10 Prozent bekommen. Den Rest muss er selbst tragen.

Auch einen Schaden unterhalb der Versicherungssumme muss die Versicherung nicht vollständig begleichen. Wäre zum Beispiel nur der halbe Wert des Hausrats versichert, bekäme der Versicherte von ­jedem Teilschaden nur die Hälfte ersetzt.

Davor können sich Kunden wie Franz Bayer schützen, indem sie einen Vertrag mit Unterversicherungsverzicht abschließen: Die meisten Versicherer bestrafen ihre Kunden nach einem Schaden nicht für die Unterversicherung, wenn sie pro Quadratmeter Wohnfläche eine Mindestsumme versichert haben. Je nach Anbieter liegt sie zwischen 500 und 700 Euro.

Diese pauschale Berechnung der Versicherungssumme lohnt sich aber nicht immer: Wer etwa eine spärlich eingerichtete Wohnung ohne viel technisches Gerät hat, zahlt damit zu viel Beitrag.

Verhindern kann dies, wer den Wert des Hausrats Stück für Stück addiert und so die Versicherungssumme festlegt.

Viel Mühe nach dem Totalschaden

Hilfreich ist eine solche Inventarliste in ­jedem Fall: Wer den Hausrat auflistet, ­Belege sammelt, die teuren Stücke fotografiert und alles sicher aufbewahrt, etwa bei Bekannten oder in einem Bankschließfach, hat im Schadensfall weniger Arbeit.

Franz Bayer denkt ungern an die Mühe zurück, die er nach dem Feuer hatte. Er wollte sein Geschäft so schnell wie möglich wieder in Gang bringen, und gleichzeitig musste er für die Versicherung auflisten, was Opfer der Flammen geworden war.

Um den Besitz zu beweisen, benötigte er Quittungen und Belege. „Im Keller habe ich zum Glück noch Unterlagen gefunden, die durch das Feuer nicht zerstört worden waren.“ Material zu allen Hausratgegenständen fand er allerdings nicht, sodass ihm in einigen Fällen nichts anderes übrig blieb, als der Versicherung Zeugen zu nennen, die seinen Besitz bestätigen konnten.

Die Versicherung zahlt nicht immer

Der Brand bei Franz Bayer war ein klarer Fall für die Hausratversicherung. Doch nicht bei jedem Schaden an der Wohnungseinrichtung zahlt der Versicherer. Brennt zum Beispiel Zigarettenglut ein Loch in die edle Perserbrücke, zahlt er nicht, weil die Ursache des Schadens kein Feuer ist, das sich aus eigener Kraft ausbreiten kann. So regeln es die Versicherungsbedingungen.

Vom Grundschutz der Hausratversicherung ausgeschlossen sind oft auch Fahrraddiebstahl und Überspannungsschäden – also Schäden an Elektrogeräten durch Blitzeinschlag in die Oberlandleitung. ­Finanztest empfiehlt aber, diese beiden Risiken gegen Aufpreis abzusichern.

Diese Empfehlung haben wir für unseren Modellhaushalt berücksichtigt und den erweiterten Schutz bei der Abfrage der Versicherungsbeiträge vorgegeben.

Im Modell sind Überspannungsschäden mit 5 Prozent und Fahrraddiebstahl mit 1 Prozent der Versicherungssumme eingeschlossen. Bei einer Versicherungssumme von 50 000 Euro ersetzt die Hausratversicherung im Schadensfall also maximal 2 500 Euro für Überspannungsschäden und 500 Euro fürs Fahrrad.

Mehrere Anbieter bieten weit höheren Schutz und ersetzen die Schäden bis zur vollen Versicherungssumme. Zum Teil verlangen sie dafür aber einen Selbstbehalt und oft einen höheren Jahresbeitrag.

Ob die Versicherung zahlt oder nicht, hängt nicht nur vom vereinbarten Schutz, sondern auch vom Verhalten eines Versicherten ab. Steigt etwa ein Einbrecher durch das gekippte Fenster ein oder platzt der Schlauch der laufenden Waschmaschine, wenn keiner in der Wohnung ist, ­weigern sich viele Versicherer zu zahlen. Der Kunde hat grob fahrlässig gehandelt.

Für die Versicherten ist es ein großer Fortschritt, dass jetzt Tarife angeboten werden, die auf den Einwand der „grob fahrlässigen Herbeiführung des Versicherungsfalls“ ganz oder eingeschränkt verzichten: Grundeigentümer, die Huk-­Coburg-Gruppe, die Axa sowie bei teureren Tarifen die Debeka und die Interrisk.

Schutz außerhalb der Wohnung

Über die Hausratversicherung sind die ­Gebrauchsgegenstände nicht nur in den ­eigenen vier Wänden geschützt, sondern zum Beispiel auch im Urlaub. Werden die Koffer aus dem Hotelzimmer gestohlen, zahlt die Versicherung. Oft ist die Außenversicherung aber auf etwa 10 000 Euro und auf drei Monate begrenzt.

Für die Wohnung von Auszubildenden, Studenten oder Wehr- und Zivildienstleistenden gelten diese Beschränkungen meist nicht. Wer seinen Lebensmittelpunkt noch bei den Eltern hat, kann seinen Hausrat zum Beispiel bis zum Ende der Ausbildung in der „Außenstelle“ Studentenwohnheim aufbewahren, ohne eine eigene Versicherung abschließen zu müssen.

Die Versicherer kommen auch für Hotelkosten auf, falls die Versicherten im Schadensfall nicht anders unterkommen. Diese Leistung mussten die Bayers nicht in Anspruch nehmen, da nur die Zweitwohnung der Familie vom Feuer betroffen war und nicht das eigentliche Wohnhaus. Ohne Wirkung war das Feuer aber auch hier nicht: Den Wert des Hausrats dort hat Franz Bayer neu berechnet. 

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