Hausratversicherung Test

Drei von vier Haushalten haben sie. Doch viele sind zu teuer versichert. Unser Test zeigt: Den Schutz für Hab und Gut gibt es auch zum kleinen Preis.

Audio
Audio abspielenLautstärke einstellen

Als Bauarbeiter das Gerüst für die Sanierung des Altbaus aufstellten, beschlossen Sabine Lanwerd und Manuel Fritz: „Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, endlich eine Hausratversicherung abzuschließen.“ Das Paar hatte schon viele Geschichten über Einbruchdiebstähle gehört. „Man weiß doch, wie es läuft: Die Täter klettern über das Gerüst und räumen die Wohnung aus“, sagt Fritz. Ein Hausratversicherer würde den Schaden zahlen. Doch dazu kam es glücklicherweise nicht. Die Haussanierung verlief problemlos.

Als allerdings ein Jahr später die Wohnung über den eigenen vier Wänden ausbrannte und Löschwasser ihr Schlaf- und Wohnzimmer ruinierte, waren sie froh, eine Hausratversicherung zu haben. Sie zahlte rund 8 000 Euro für neue Betten, Lampen, beschädigte Gemälde und anderen Hausrat. Allein die Reinigung der Kleidung kostete knapp 900 Euro.

„Die Abwicklung mit der Versicherung verlief nicht völlig reibungslos“, beschwert sich der Schmuckdesigner Fritz. Über den Ersatz für den Orientteppich, die Holzmöbel und Musikinstrumente mussten sie sich streiten. Der von dem Versicherer beauftragte Regulator hielt eine Reinigung der Sachen durch Fachfirmen für ausreichend. Die Möbel könnten aufgearbeitet werden. Erst nach einigem Hin und Her einigten sie sich.

Drei Monate im Hotel

Hausratversicherung Test

Hotel bezahlt. Sabine Lanwerd und Manuel Fritz wohnten nach einem Löschwasserschaden im Hotel. Der Versicherer zahlte.

Noch in der Brandnacht empfahl die Feuerwehr, wegen der Löschwasserrückstände vorerst nicht in der Wohnung zu schlafen. Lanwerd und Fritz zogen in ein Hotel. Bis die Wohnung wieder bewohnbar und instand gesetzt war, dauerte es rund drei Monate. Für das Hotel kam der Versicherer auf. Denn ihre Police beinhaltet eine Klausel, wonach Hotelkosten in Höhe von 1 Promille der Versicherungssumme für maximal 100 Tage übernommen werden. Der Tagessatz liegt bei einer Versicherungssumme von 45 100 Euro bei 45,10 Euro. Lanwerd und Fritz erhielten aus Kulanz sogar mehr erstattet.

Wichtiger Basisschutz

So wie die beiden Berliner kann heute jeder Eigentümer und Mieter plötzlich mit einem Schaden dastehen. Wer sich nicht absichert, ist ohne Rücklagen vielleicht finanziell ruiniert, wenn durch einen Brand die Einrichtung komplett zerstört wird.

Mehrere Tausend Euro Schaden kommen auch bei einem Einbruchdiebstahl schnell zusammen. Durch einen Blitzschlag kann ein Baum auf das Haus fallen, Regenwasser eindringen und Sachen beschädigen. Platzt der Zulaufschlauch zur Geschirrspülmaschine, kann die Kücheneinrichtung ruiniert sein. In solchen Fällen zahlt die Hausratversicherung den Schaden (siehe Tabelle“Hausratversicherungen“).

Geld für den Neukauf

Nach einem Schadensfall kommt der Versicherer für die Wiederbeschaffung des zerstörten oder verschwundenen Inventars auf. Wie alt die Sachen waren, spielt dabei keine Rolle. Ersetzt wird der Neuwert.

Sind die Möbel oder Teppiche beschädigt, kommt häufig eine Reparatur oder Restaurierung in Betracht.

Um für den Ernstfall gut gerüstet zu sein, sollten Versicherte den Bestand ihres Hausrats regelmäßig dokumentieren. In der Regel kommt im Laufe der Jahre immer mehr hinzu. Dabei gilt auch: Je höherwertiger die Einrichtung, umso wichtiger ist die Absicherung für den Schadensfall. Ein absolutes Muss ist eine Hausratversicherung allerdings nicht. Wer nur Sachen von geringem Wert hat, sollte prüfen, ob der Versicherungsschutz wirklich notwendig ist.

Der Hausrat von Auszubildenden, Studenten, Wehr- oder Zivildienstleistenden ist bis zum Ende der Ausbildung oder des Dienstes über die Police der Eltern mitversichert. Vorausgesetzt, der Hauptwohnsitz ist noch bei den Eltern und der Hausrat lagert nur vorübergehend im Studentenwohnheim.

Günstig versichern

Finanztest hat Tarife von 52 Versicherern geprüft. Wir wollten wissen, was der Schutz für unseren Modellfall in verschiedenen Städten kostet. Das Ergebnis zeigt, dass es in der Hausratversicherung enorme Preisspannen gibt. In Wilhelmshaven, einer mittelgroßen Stadt mit rund 80 000 Einwohnern, kostet die Absicherung bei den Direktversicherern Neckermann und KarstadtQuelle 47 Euro und bei der Bayerischen Hausbesitzer 215 Euro. In einer Großstadt wie Köln zahlen Versicherte 93 Euro bei dem Versicherer Asstel (Basis) und 377 Euro bei der Bayerischen Hausbesitzer.

Der Wechsel zu einem günstigen Anbieter kann eine Ersparnis von gut 200 Euro pro Jahr bringen. Die Top-Angebote aus unserem Test stehen in der Tabelle „Die Top-Angebote in der Hausratversicherung“.

Bargeld, Sparbuch und Schmuck

Der Jahresbeitrag für unseren Modellfall schließt auch den Schutz für Wertsachen mit ein. Dazu gehören in der Regel Bargeld, Sparbücher, Wertpapiere, Schmuck sowie Gold und Silber. Üblicherweise ist die Entschädigung auf 20 Prozent der Versicherungssumme begrenzt, wenn die Wertsachen gesichert gelagert werden, beispielsweise in einem Tresor. Sonst gibt es meistens weniger.

Mehr Schäden durch Blitze

Alle Angebote enthalten zudem den wichtigen Schutz für Überspannungsschäden. Schlägt ein Blitz direkt in die Stromleitung ein, können Geräte zerstört oder beschädigt werden. Im Jahr 2006 zahlten Versicherer für rund 450 000 Überspannungsschäden etwa 240 Millionen Euro. Aufgrund des Klimawandels rechnet die vom Gesamtverband der Versicherungswirtschaft beauftragte Arbeitsgruppe „Blitz- und Überspannungsschäden“ mit einer Zunahme solcher Schäden.

Ausreichende Versicherungssumme

Die Versicherungssumme sollte genau dem Betrag entsprechen, der für die Neuanschaffung des gesamten Hausrats nötig ist. Sonst gilt er als unterversichert und der Schaden wird nur anteilig ersetzt. Beispiel: Der Gesamtwert des Hausrats beträgt 40 000 Euro, die Versicherungssumme aber nur 20 000 Euro. Bei einem Wasserrohrbruch entsteht an einem Teppich ein Schaden von 3 000 Euro. Ersetzt wird nur die Hälfte des Schadens, nämlich 1 500 Euro, denn es wurde nur der halbe Wert des Hausrats versichert.

Damit es zu keiner Unterversicherung kommt, können Versicherte einen Tarif abschließen, bei dem der Versicherer auf den Einwand der Unterversicherung verzichtet. Meistens muss dafür eine bestimmte Summe – in der Regel 650 Euro pro Quadratmeter – versichert werden.

Nachteil: Wer seinen Hausrat zum Beispiel pauschal für 650 Euro pro Quadratmeter versichert, ist möglicherweise über- oder unterversichert. In solchen Fällen sollte
die Versicherungssumme individuell festgelegt werden.

Das teure Rad

Hausratversicherung Test

Rad weg. Dennis Kuhlow hat den Fahrraddiebstahl mitversichert. Der Versicherer hat die Zahlung zugesagt.

Die Hausratversicherung zahlt auch, wenn das Fahrrad geklaut wird. Als Dennis Kuhlow vor einigen Jahren nach Berlin zog, beschloss er, sein Trekkingrad in Höhe von 1 Prozent der Versicherungssumme, in seinem Fall mit 330 Euro, mitzuversichern. Als das mit einem teuren Schloss abgesicherte Rad eines Nachmittags aus dem abgeschlossenen Hinterhof geklaut wurde, war sein Ärger groß.

Mittlerweile hat der Versicherer die Regulierung zugesagt. „Allerdings habe ich noch keinen Cent gesehen“, sagt der Berliner Künstler. Gezahlt wird erst, wenn die Polizei das Ermittlungsverfahren einstellt und Kuhlow einen Nachweis darüber dem Versicherer vorlegt.

Immer wieder gibt es Ärger über die sogenannte Nachtzeitklausel, die viele Versicherer in ihren Verträgen haben. Dann ist das Rad nachts zwischen 22 und 6 Uhr nur versichert, wenn in verschlossene Wohnungen oder Keller eingebrochen wurde. Wird es auf der Straße abgestellt, greift der Schutz nicht. Manche Versicherer verzichten auf die Nachtzeitklausel. Für unseren Test wollten wir wissen, wie teuer die Versicherung eines Fahrrads in Höhe von 2 Prozent der Versicherungssumme oder 1 000 Euro – mit und ohne Nachtklausel – ist. Da die Versicherer auch Diebstahlstatistiken in die Kalkulation einbeziehen, ist der Schutz in Großstädten besonders teuer.

Viele Extras

Über die Basisabsicherung hinaus können viele Leistungen extra mitversichert werden. Hinter Bezeichnungen wie Kompakt-, Optimal-, Spezial-, Exklusiv- oder Topschutz verbergen sich umfangreichere Leistungspakete. Der Tarifdschungel ist für Laien manchmal schwer zu durchschauen.

Es gibt Überflüssiges, aber auch Sinnvolles. So kann der Diebstahl von Kinderwagen, Rollator oder Gartenmöbel mitversichert werden. Möglich ist auch eine Regulierung, wenn das Ceran-Kochfeld zerbricht, das Eingefrorene in der Kühltruhe infolge Stromausfalls verdirbt oder Wäsche draußen von der Leine gestohlen wird.

Nahezu unerlässlich ist ein Zusatzschutz für Wasserschäden für Aquarienbesitzer oder Wasserbettenliebhaber.

Für alle, die gerne und oft verreisen, kann auch die Erstattung von Rückreisekosten aus dem Urlaub sinnvoll sein. Muss eine Reise wegen eines erheblichen Versicherungsfalles (zum Beispiel Schaden ab 5 000 Euro) abgebrochen werden, kommt der Versicherer bis zu einer bestimmten Summe für die Mehrkosten der Rückreise auf (siehe Tabelle „Hausratversicherungen“).

Hausrat im Ferienhäuschen

Hausratversicherung Test

Einbruch in Gartenlaube. Grit und Andreas Schulze haben noch eine Hausratversicherung aus DDR-Zeiten. Ihren Schaden bekamen sie ersetzt.

Glück im Unglück hatten Grit und Andreas Schulze. Einbrecher räumten ihre Laube in einer brandenburgischen Kleingartenkolonie aus. Für die gestohlene Motorradausrüstung, Radio, Rucksäcke und diverse Kleinigkeiten erstattete der Versicherer rund 1 300 Euro. Die „Erweiterte Haushaltsversicherung“ aus DDR-Zeiten, die nach der Wende von dem Versicherer Allianz weitergeführt wurde, bietet einen „Rundumschutz“. Dieser erstreckt sich ohne Entschädigungsgrenze auch auf Lauben, Wochenend- und Sommerhäuschen.

Heute gibt es solchen umfassenden Schutz nach den neuen Bedingungen nicht mehr. Der Versicherungsort ist in der Regel auf die Wohnung, ein Nebengebäude auf dem Grundstück und Garagen beschränkt. Hausrat, der außerhalb der Wohnung vorübergehend aufbewahrt wird, ist bei vielen Versicherern im Rahmen der Außenversicherung nur für die Dauer von drei Monaten und nur bis zu einer bestimmten Summe versichert. Nicht geschützt ist der Hausrat in Wohnmobilen. Sie gehören als „rolling homes“ nicht zu den ortsgebundenen Behausungen, entschied das Landgericht Coburg (Az. 33 S 146/01).

Unterwegs im Urlaub

Hingegen greift die Außenversicherung, wenn Diebe aus einem Hotelzimmer Fotoausrüstung und Bargeld klauen. Dies gilt auch im Ausland, denn die Hausratversicherung geht bei vielen Versicherern bis zu einer bestimmten Summe weltweit mit auf Reisen. Aber Achtung: Der Einbruchdiebstahl muss polizeilich gemeldet und dokumentiert sein.

Regeln beachten

Um ihren Versicherungsschutz nicht zu gefährden, müssen Versicherte bestimmte Regeln und Verhaltenspflichten beachten. So dürfen beispielsweise die Fenster nicht gekippt sein, wenn die Wohnung verlassen wird. Die Haustür muss abgeschlossen sein. Eine für mehrere Monate nicht bewohnte Wohnung oder das Baugerüst während einer Sanierung muss als gefahrerhöhende Maßnahme dem Versicherer mitgeteilt werden.

Dieser Artikel ist hilfreich. 1815 Nutzer finden das hilfreich.