Hausrat­versicherung Test

Viele Familien sitzen auf alten Hausrat­policen. Höchste Zeit, ein paar Punkte zu prüfen. Reicht die Versicherungs­summe noch? Ist alles Nötige enthalten?

War das eine schnelle Rück­fahrt aus dem Urlaub. „Bei euch wurde einge­brochen“, alarmierte der Nach­bar am Telefon Grit und Axel Schuster*. Ruck­zuck waren die beiden im Auto, runter von der Insel Usedom, zurück nach Berlin.

Sicher, das war ein Fall für die Hausrat­versicherung. Aber die Police war uralt, mindestens 20 Jahre. Waren die neuen Computer enthalten? Und die geerbten Luxus­uhren? Galt der Vertrag über­haupt noch? Das Ehepaar war vor acht Jahren umge­zogen.

Die Täter hatten ein Fenster aufgehebelt, das Haus durch­wühlt und zielsicher alles einge­steckt, was wert­voll und leicht zu tragen war: Bargeld, Schmuck, iPod, Notebook, einen Ledermantel, sogar ein Blut­druck­mess­gerät. Jeden Behälter hatten sie umge­kippt, jeden Schrank durch­sucht. Auf 12 900 Euro summierte sich der Schaden.

Beim Blick in die Hausrat­police bekam das Ehepaar einen Schreck. Sie lautete noch auf die alte Adresse. Am nächsten Tag gab der Vertreter Entwarnung. Zwar hätten Schusters den Umzug melden müssen, aber ihr Vertrag war dennoch auf die neue Wohnung überge­gangen. Nur waren Schusters unter­versichert. Der Hausrat war 80 000 Euro wert, die Versicherungs­summe betrug nur 60 000 Euro. Der Versicherer zog deshalb 25 Prozent von der Schadensumme ab.

Wichtiger Schutz

Der Fall zeigt, dass eine Hausrat­police sinn­voll ist. Schon nach einem Einbruch geht es schnell um hohe Summen. Nach einem Totalschaden durch Brand müsste gar der komplette Hausrat neu gekauft werden. Nicht nötig ist die Versicherung am ehesten für junge Leute, die keine teuren Elektrogeräte haben und mit billigen Gebraucht­möbeln glück­lich sind.

Vielen Deutschen geht es wie dem Ehepaar Schuster. Sie besitzen längst eine Versicherung, haben sie aber seit Jahren nicht an ihren steigenden Wohn­stan­dard angepasst. Flach­bild­fernseher, Kameras, Schmuck, Golf­schläger – da kommt viel zusammen. Deshalb ist es sinn­voll, den Vertrag zu checken. Reicht die Versicherungs­summe? Sind alle Risiken abge­deckt? Am Ende kann es sinn­voll sein, den Vertrag aufzusto­cken oder den Versicherer zu wechseln, weil er den Schutz der Wahl güns­tiger anbietet.

Unser Test zeigt enorme Preis­unterschiede. Teure Verträge kosten dreimal so viel wie güns­tige. Für unseren Modell­fall in Hannover machte die Docura mit 115 Euro Jahres­beitrag das güns­tigste Angebot. Das teuerste – allerdings mit mehr Leistungen – kam von der Axa mit 531 Euro.

Versicherungs­summe muss passen

Der erste Blick in den Vertrag gilt der Versicherungs­summe. Sie wird pauschal vereinbart oder der Kunde gibt einen Betrag vor, nachdem er den Hausrat geschätzt hat.

Pauschale. Die übliche Pauschale beträgt 650 Euro pro Quadrat­meter. Für unser Modell, ein 120-Quadrat­meter-Haus, macht das 78 000 Euro. Es zählt nur die Wohn­fläche, nicht Balkon, Dachboden, Garage oder Keller. Hausrat dort ist aber versichert. Vorteil der Pauschale: Anders als bei den Schusters kürzt der Versicherer nie wegen Unter­versicherung. Den ganzen Schaden bezahlt er aber auch dann nur, sofern der Schaden die Versicherungs­summe nicht über­steigt.

Wichtig: In vielen Verträgen erhöht eine Vorsorgeklausel die Summe meist um 10 Prozent. Für Kosten wie Entsorgung, Trans­port, Aufräumen gibt es weitere 10 Prozent. Aber in kleinen Wohnungen mit teurem Hausrat reicht die Pauschalsumme oft trotzdem nicht. Kunden sollten sie erhöhen.

Einige Gesell­schaften bieten statt der Pauschale eine Entschädigungs­grenze. In der Tabelle finden sich solche Wohn­flächen­tarife mit 200 000-Euro-Grenze und mehr. Nennt der Kunde die exakte Größe der Wohnung, entfällt eine Unter­versicherung, gleich­zeitig liegen die Beträge weit über den üblichen Versicherungs­summen.

Solche Tarife sind nicht unbe­dingt teuer: Der „Top-Vit“ der GVO kostet nur rund 30 bis 50 Euro mehr als güns­tige Tarife, bietet aber mehr.

Schät­zung. Bei großen Wohnungen mit wenig Hausrat führt die Pauschale zu über­höhten Versicherungs­summen. Dann ist es güns­tiger, die Summe selbst zu schätzen. Das heißt: Zimmer für Zimmer Inventur machen. Wir bieten dafür eine Wert­ermitt­lungs­liste für 2,50 Euro Checkliste Hausratversicherung. Dabei zählt der Neuwert der Sachen – das, was sie heute im Laden kosten, auch bei Möbeln oder Kleidung, egal ob neu, vom Flohmarkt oder von Oma geschenkt.

Basis­tarife decken das Wichtige ab

Nächster Punkt der Check­liste ist der Umfang der Versicherung. Ist der alte Vertrag ein Basis- oder ein Luxus­tarif? Sind Extra­leistungen enthalten, die der Kunde inzwischen vielleicht nicht mehr braucht, oder fehlen welche?

Die meisten Gesell­schaften bieten mehrere Tarife. Die teuren Angebote heißen oft Komfort, Plus oder Premium. Die Tabelle: Hausratversicherung 04/2014 zeigt unter anderem den güns­tigsten und den teuersten Tarif oder den mit den geringsten und den mit den meisten Leistungen.

Die güns­tigen Basis­tarife umfassen den Grund­schutz, der für die meisten reicht. Er greift nach Einbruch, Raub, Vandalismus, Brand, Schäden durch Leitungs­wasser, Sturm und Hagel. Versichert ist der gesamte Hausrat: Möbel, Teppiche, Elektrogeräte, Kleidung, Musik­instru­mente, Wert­sachen. Dieser Schutz deckt die wichtigen Schäden ab, sodass keiner nach einem Totalschaden vor dem Nichts steht.

Für den Modell­fall haben wir den Grund­schutz erweitert, weil wir wissen, dass viele Kunden auf zwei Extras Wert legen:

Über­spannung. Wenn Blitze zum Beispiel eine Über­land­leitung treffen, entstehen Spannungs­spitzen. Sie können Elektrogeräte beschädigen. Viele Basis­tarife versichern dies inzwischen ohne Aufpreis mit.

Fahr­räder. Die Tarife für unser Modell versichern den Diebstahl von Fahr­rädern von der Straße mit mindestens 2 000 Euro Fahrräder - Günstiger Schutz. Der Grund­schutz versichert Räder sonst nur in geschlossenen Räumen.

Wert­sachen sind im Grund­schutz meist nur bis 20 Prozent der Versicherungs­summe enthalten. Dies ist auch der Mindest­betrag bei den Tarifen im Modell­fall. Je nach Art der Wert­sachen gelten weitere Höchst­grenzen, in der Regel:

  • 20 000 Euro für Schmuck, Briefmarken, Münzen, für alles aus Gold oder Platin,
  • 3 000 Euro für Wert­papiere, Sparbücher,
  • 1 500 Euro für Bargeld.

Zu den Wert­sachen zählen auch Pelze, hand­geknüpfte Teppiche, Kunst­objekte, ebenso Antiquitäten außer Möbel­stücke.

Wer einen Grund­schutz­tarif hat, kann meist Grenzen und Leistungen gegen Aufpreis erhöhen. Im Einzel­fall kann es aber billiger sein, gleich einen umfang­reicheren Tarif zu wählen. So ist der Komfort­tarif der Helvetia mancher­orts güns­tiger als die für unseren Modell­fall um Über­spannung und Fahr­radschutz aufgestockte Basis­variante.

Die Komfort-, Plus- oder Premium­tarife bieten mehr Extras, wie die Tabelle Hausratversicherung 04/2014 zeigt. Wären dem Ehepaar Schuster zum Beispiel durch die über­stürzte Abreise zusätzliche Kosten entstanden, etwa Storno­kosten fürs Hotel , hätte ein Komfort­tarif sie erstattet. Für Auto­urlauber sind Tarife interes­sant, die Diebstahl aus einem an der Straße geparkten Kfz mitversichern. Basis­tarife greifen meist nur, wenn das Auto in einer Garage oder einem Park­haus stand.

Viele der teureren Tarife bieten höhere Entschädigungs­grenzen für Hausrat außer Haus, etwa wenn Urlaubs­gepäck aus dem Hotel gestohlen wird oder das Ferien­haus brennt. Oder sie über­nehmen für einen längeren Zeitraum die Hotel­kosten oder sogar den Umzug, wenn die Wohnung dauer­haft unbe­wohn­bar ist. Andere versichern Bank­schließ­fächer, Diebstahl aus dem Kranken­zimmer, aus Schiffs­kabinen oder Zügen, auch Diebstahl von Gartenmöbeln.

Eine nervenschonende Erweiterung ist der Einschluss grober Fahr­lässig­keit. Dann verzichtet die Versicherung darauf, mit dem Kunden zu streiten, ob dieser den Schaden grob fahr­lässig verursacht hat. Sonst darf sie die Zahlung kürzen, wenn jemand aus dem Haus geht und die Fenster offen lässt oder eine Pfanne auf dem heißen Herd vergisst.

Kürzen wollte auch der Vertreter bei Schusters. Sie hatten die Rolläden herunter­gelassen. „Das war fahr­lässig. So konnten Einbrecher sehen, dass Sie verreist waren“, erklärte der Vertreter. Doch er durfte nicht kürzen, denn grob fahr­lässig war das auf keinen Fall. Darunter verstehen Juristen einen Verstoß gegen das, was jeder Mensch für selbst­verständlich hält. Das klingt deutlich, führt aber oft zu Streit. Die Tabelle zeigt viele Tarife, in denen Versicherer auf die Kürzung verzichten, meist aber nur bis zu einer begrenzten Schadenhöhe.

Wohn­ort beein­flusst den Preis stark

Beim Preis teilen die Versicherer das Bundes­gebiet in Risikozonen auf. Städte mit hohem Einbruchs­risiko sind teurer. Die Tabellen nennen die Preise für das thüringische Altenburg, wo Einbrüche selten sind, für Darm­stadt, Hannover und das risikoträchtige Köln. Die preisgüns­tigsten Angebote für unseren Modell­fall machten in Altenburg die WGV mit 99 Euro, in Darm­stadt und Hannover die Docura mit 115 Euro, in Köln ebenfalls die Docura mit 161 Euro. Die fünf besonders preisgüns­tigen Tarife pro Stadt sind in der Tabelle gelb gekenn­zeichnet.

Belege außer Haus aufbewahren

Am Ende des persönlichen Hausratchecks stehen die Belege. Besonders bei Wert­sachen und teuren Elektrogeräten ist es wichtig, den Besitz nach­weisen zu können. Nach einem Einbruch ist das oft schwer und nach einem Brand sind die Reste häufig kaum zu erkennen.

Aussagekräftig sind vor allem Kassenbelege, Quittungen, Garan­tiescheine, Reparatur­rechnungen. Hat die Versicherung dann noch Zweifel, sind Fotos hilf­reich.

Es empfiehlt sich, diese Unterlagen separat aufzubewahren, am besten bei Freunden oder in einem Bank­schließ­fach, damit sie bei einem Brand nicht zerstört werden.

Bei Axel Schuster hatten die Einbrecher die Schatullen der Luxus­uhren zurück­gelassen. Die reichten dem Vertreter nicht. Doch Schuster hatte seine Erbstücke beim Uhrmacher schätzen lassen. Das genügte.

* Name von der Redak­tion geändert.

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