Versicherer Lemonade bietet die „Police 2.0“, eine Privathaft­pflicht- und Hausrat­versicherung im Paket. Das Angebot gibt es über App und Internetseite des Versicherers. Der Anbieter aus den USA ist in den Nieder­landen zugelassen, darf in Deutsch­land Policen verkaufen und verspricht: „Alles im Nu. Dufte Preise. Großes Herz.“ test.de hat sich das Angebot genau angesehen.

Das Angebot: Hausrat- und Haft­pflicht­schutz als Kombi

Die Police 2.0 umfasst zweifachen Schutz: Eine Hausrat­versicherung und eine private Haft­pflicht­versicherung. Nach nur wenigen Angaben und Klicks wissen Nutzer, wie viel sie pro Monat zahlen müssen.

Beispiel: Der Hausrat­schutz für eine 50 Quadrat­meter große Wohnung in einer Groß­stadt kostet einen Single 6,25 Euro im Monat, das sind 75 Euro jähr­lich – inklusive Privathaft­pflicht­schutz mit einer Versicherungs­summe bis 10 Millionen Euro für Personen- und Sach­schäden. Kunden zahlen den Beitrag monatlich und können die Police täglich kündigen.

Ein Vergleich zeigt: Das Angebot ist günstig

Das Angebot ist günstig. Nach einer Analyse der Stiftung Warentest würde der Groß­städter für separaten Hausrat­schutz im güns­tigsten Fall rund 47 Euro und für Single-Privathaft­pflicht­schutz rund 43 Euro im Jahr zahlen. Zusammen macht das 90 Euro – das sind 15 Euro mehr als bei der Police 2.0.

Tipp: Sie wollen selbst vergleichen und das für Sie beste und güns­tigste Angebot ermitteln? Dann nutzen Sie den Tarifrechner Hausratversicherung der Stiftung Warentest oder den Tarifrechner Haftpflichtversicherung.

Haustiere bei Lemonade nicht versichert

Richten Haustiere wie Katze oder Hamster einen Schaden an, ist so etwas üblicher­weise in der Privathaft­pflicht versichert. Bei der Police von Lemonade ist das allerdings nicht so. Sie zahlt nicht für Schäden durch Kleintiere.

Übrigens: Nur für größere Tiere wie Hunde oder Pferde benötigen Halter in der Regel eine Tierhalter-Haft­pflicht­versicherung. In manchen Bundes­ländern ist eine Hundehalterhaft­pflicht vorgeschrieben. Test­ergeb­nisse und Infos finden Sie auf unserer Themenseite Tierhalterhaftpflicht.

Ausschlüsse auch bei Ferien­wohnungen, Drohnen, E-Bikes

Für selbst verursachte Mietsach­schäden in Ferien­wohnungen – außer durch Feuer oder Wasser – springt Lemonade grund­sätzlich nicht ein. Ebenso wenig für Schäden durch privat genutzte Drohnen, Elektrofahr­räder oder Segways. Allein das macht den Haft­pflicht­schutz sehr löch­rig. Solche Extras gehören heute oft zum Stan­dard in der Privathaft­pflicht.

Gegen­stände über 2 000 Euro extra versichern

Geht es um den Hausrat­schutz, sollten Kunden der Lemonade akribisch sein: Gegen­stände, deren Wert 2 000 Euro über­steigt, müssen sie extra melden und gegen Aufpreis zusätzlich versichern. Den Extra-Schutz muss Lemonade zuvor genehmigen. Es gibt auch Limits. So sind beispiels­weise Fahr­räder, elektronische Geräte oder Instru­mente bis maximal 10 000 Euro versicher­bar, Schmuck immerhin bis 50 000 Euro.

Achtung: Bei jeder Neuanschaffung in dieser Preislage dürfen Kunden nicht vergessen, dies dem Versicherer nach­zumelden. Das ist umständlich. Bei Hausrat­versicherungen ist es sonst üblich, dass Gegen­stände, die zum Hausrat gehören, ganz einfach mitversichert sind – unabhängig von der Preisklasse.

Versicherer kann Leistung bei grob fahr­lässigem Verhalten kürzen

Zudem leistet Lemonade bei Schäden durch grob fahr­lässiges Verhalten nur bedingt. Grob fahr­lässig handelt etwa, wer die Wohnung verlässt und die Fenster gekippt lässt. Bei einem Einbruch­diebstahl hat er dann keinen oder nur anteiligen Anspruch auf Ersatz aus der Hausrat­versicherung. Viele gute Hausrat-Tarife bieten aber auch Schutz, wenn Kunden einen Versicherungs­fall grob fahr­lässig herbeiführen. Der Versicherer sichert den Schaden auch in solchen Fällen bis zu einem bestimmten Betrag ab – oft sogar bis zur vereinbarten Versicherungs­summe.

Schadenmeldung papierlos per Video

Muss ein Kunde einen Schaden melden, funk­tioniert das über die App von Lemonade und einen Klick auf den Schaden-Button. Der Versicherer bittet Kunden darum, den Vorfall mit eigenen Worten in einem Video zu schildern. Für Notfälle und Situationen ohne Online-Zugang gibt es eine Telefon­nummer.

Giveback: Kundenbeiträge auch für guten Zweck

Der Versicherer verspricht: „Du bekommst eine dufte Versicherung, während du dich für einen guten Zweck einsetzt und Karma-Punkte sammelst.“

Die Idee: Ein Teil des Kundengeldes wird an eine Non-Profit-Organisation gespendet.

Das funk­tioniert so: Pro Geschäfts­jahr fließen maximal 20 Prozent der Kundenbeiträge in Gehälter, den laufenden Geschäfts­betrieb und die Rück­versicherung. Der Rest wird für Schadens­zahlungen genutzt. Bleibt etwas übrig, können bis zu 40 Prozent der Kundenbeiträge gespendet werden. Kunden entscheiden mit, wohin das Geld fließt. Es steht jedoch im Ermessen des Vorstands, ob der Gewinn voll­ständig, teil­weise oder gar nicht gespendet wird.

Das wird gefördert: In den vergangenen Jahren wurden mit Kundenbeiträgen zum Beispiel ein Wasser­system in Afrika finanziert oder Häuser in Mittel­amerika gebaut. Der bislang in den USA tätige Versicherer hat laut eigenen Angaben im Jahr 2018 einen Betrag von rund 143 000 Euro gespendet und im Jahr 2019 über 500 000 Euro.

Fazit: Güns­tiger, aber nicht ausreichender Versicherungs­schutz

Lemonade bietet güns­tigen Schutz, doch weder der Hausrat- noch der Haft­pflicht­schutz erfüllen die Mindest­anforderungen, die die Stiftung Warentest an einen guten Versicherungs­schutz stellt.

Tipp: Alles, was Sie über Hausrat- und Haft­pflicht­versicherungen wissen sollten, lesen Sie in unseren kostenlosen FAQ Private Haftpflichtversicherung und Hausratversicherung.

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