Hausrat - hilft nicht immer

Alles oder nichts – dieses Prinzip gilt bei den meisten Versicherungen. Hat der Kunde den Schaden grob fahrlässig herbeigeführt, zahlen die Gesellschaften keinen Cent.

Beispiele: Wer die Wohnung verlässt, wenn das Fenster auf Kipp steht, die Haustür nur zugezogen und nicht abgeschlossen, oder den Zulauf der Wasch- oder Spülmaschine nicht fest abgedreht hat, handelt grob fahrlässig – zumindest in der Regel, im Einzelfall kommt es auf die jeweiligen Umstände an.

Die „Dummentarife“ sind da

Auf jeden Fall versuchen die Versicherer gern, sich nach einem Schaden auf grobe Fahrlässigkeit herauszureden. Umso über­raschender ist es, dass nun einige Hausratversicherer Policen anbieten, die auch bei grober Fahrlässigkeit zahlen:

  • DBV-Winterthur sichert es für alle drei angebotenen Hausratvarianten zu, allerdings müssen Fenster und Türen der Wohnung abgeschlossen sein.
  • Universa bietet dies für die Variante „Exclusiv“ ohne Begrenzung der Schadens­summe, für die Police „Plus“ bei Schäden bis 2 500 Euro.
  • Debeka verspricht das nur beim „Top-Paket“ und auch nur bis 4 000 Euro.

Auch wenn diese Angebote in der Branche als „Dummentarif“ verspottet werden, stellen sie einen Fortschritt dar. Sie machen Schluss mit „alles-oder-nichts“. Dieses Prinzip ist unter Experten schon lange umstritten. Bei der geplanten Reform des Versicherungsrechts soll es gekippt werden, sodass Versicherte bei grober Fahrlässigkeit zumindest einen Teilbetrag ersetzt bekommen.

Die Richtung stimmt also – schade nur, dass die neuen Angebote relativ teuer sind. Bei der Debeka zum Beispiel kostet das „Top-Paket“ etwa 20 Prozent mehr als der Standardtarif, die Hausrat „Exclusiv“ der Universa ist je nach Ort zwischen

20 und 60 Prozent teurer. Deshalb empfehlen sie sich wohl eher für besonders Unvorsichtige. Denn grobe Fahrlässigkeit bedeutet: Der Kunde hat das unterlassen, was jedermann als selbstverständlich sofort einleuchten würde.

Weil die Prämien für Hausratversicherungen erheblich variieren, bieten wir einen Computervergleich an: Günstige Tarife kosten oft weniger als ein Drittel dessen, was für teure Angebote fällig ist. Die Prämien sind auch von Region zu Region unterschiedlich, in Großstädten teurer als auf dem Land. Wir nennen nur günstige Angebote, die Preise für die neuen „Dummentarife“ sind durchweg höher.

Tarif: Kreuzen Sie an, ob sie den Normaltarif brauchen oder den Preisvorteil für Beschäftigte im öffentlichen Dienst nutzen können.

Versicherungssumme: Hier ist der Wert des Hausrats einzutragen – zu dem Preis, den der Neukauf kosten würde. Das gilt auch für Kleidung, Bücher, gebraucht gekaufte oder geschenkte Gegenstände. Je höher der Wert, desto höher ist die Prämie. Wer eine zu geringe Versicherungssumme wählt, ist unterversichert. Dann werden Schäden nur zum Teil ersetzt.

Tipp: Kalkulieren Sie pro Quadratmeter Wohnfläche 650 Euro, dann verzichten die meisten Versicherer auf den Einwand der Unterversicherung.

Wertsachen: Sie sind meist nur bis 20 Prozent der Versicherungssumme mitversichert. Diesen Anteil können Sie gegen Aufpreis heraufsetzen.

Fahrräder: Sie können gegen Aufpreis mitversichert werden.

Glas: Diesen Zusatz halten wir für verzichtbar, es sei denn Sie haben große Glasflächen wie etwa einen Wintergarten.

Selbstbeteiligung: Das lohnt sich kaum, denn sie senkt den Beitrag nur gering.

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