Stiefel auf der Fußmatte, Blumen im Treppen­haus, Fahr­räder am Brief­kasten: Wird der Flur zur Abstell­kammer, kann der Vermieter einschreiten. Alles verbieten darf er aber nicht.

Heim­kommen. Ein wunder­bares Gefühl. Wenn der Winter für kalte Füße sorgt, will jeder schnell ins Warme. Die triefenden Treter landen dann oft vor der Wohnungs­tür statt dahinter. So reiht sich auf den Fluren der Mehr­familien­häuser Schuh an Schuh. „Weg damit“, forderten die Eigentümer eines Wohn­hauses im nord­rhein­west­fälischen Lünen. Doch die ordnungs­liebenden Immobilien­besitzer konnten sich mit ihrem Wunsch nur teil­weise durch­setzen. Das Amts­gericht Lünen entschied: Die Schuhe dürfen bleiben – jedenfalls vorüber­gehend, zum Beispiel, bis sie trocken sind (Az. 22 II 264/00 WEG).

Rumpelkammer Treppen­haus

Nicht nur getragene Stiefel werden gern auf dem Flur geparkt. Eltern nutzen die Flächen, um Kinder­wagen oder Tret­roller unter­zubringen. Andere Bewohner stellen Fahr­räder, Roll­stühle oder Rollatoren ab. Und ganz Unver­besserliche lagern hier sogar ihre Abfälle.

In der Haus­gemeinschaft sorgt das oft für Streit. Viele Miet­verträge untersagen es daher, Gegen­stände im Flur oder Treppen­haus abzu­stellen. Dürfen Vermieter das? Müssen Eltern den Kinder­wagen in den dritten Stock schleppen, statt ihn im Erdgeschoss stehen zu lassen? Wen stört eigentlich ein Mountain­bike im Hausflur? Und muss die alte Dame aus dem dritten Stock ihren Rollator tatsäch­lich die Treppen hinauf­wuchten – nur damit nichts im Hausflur herum­steht? Die Antwort lautet wie so oft in der Juristerei: Es kommt darauf an.

Weniger ist mehr

Treppenhäuser gehören zu den Gemein­schafts­räumen eines Mehr­familien­hauses. „Mieter und Eigentümer dürfen sie bestimmungs­gemäß nutzen“, erläutert Norbert Schönleber, Vorstands­mitglied der Arbeits­gemeinschaft Mietrecht und Immobilien beim Deutschen Anwaltverein. „Vorrangig sind Flure und Aufgänge dazu da, inner­halb des Gebäudes von A nach B zu gelangen. Das heißt: Sie dürfen im Normalfall nur zu diesem Zweck genutzt werden – nicht als zusätzliche Stell­fläche.“

Für eine solch strikte Interpretation sprechen nicht nur ästhetische Erwägungen und die sprichwörtliche deutsche Ordnungs­liebe. Wichtige Argumente liefern auch Sicherheit und Brand­schutz: Gleicht das Treppen­haus einer Rumpelkammer, werden dort deponierte Gegen­stände schnell zur Stol­perfalle. Zudem können sie Feuer fangen, die Ausbreitung der Flammen beschleunigen und Rettungs­kräften im Ernst­fall den Weg versperren.

Ein Herz für Kinder

Kinder­wagen. Er darf in der Regel im Flur stehen.

Dennoch: Vermieter und Haus­verwaltungen müssen mit Augen­maß agieren. Regeln, die „das Aufstellen von Gegen­ständen jeglicher Art, insbesondere von Fahr­rädern, Kinder­wagen, Rollern etc. auf Vorplätzen, Gängen, Treppen­haus­absätzen und Trockenböden“ ausnahms­los untersagen, sind unzu­lässig (Land­gericht Hamburg, Az. 316 S 110/91). Haus­ordnungen werden als Bestand­teil des Miet­vertrags wie allgemeine Geschäfts­bedingungen behandelt – und dürfen keine „unan­gemessenen Benach­teiligungen“ für die Bewohner enthalten. „Ein Verbot, das keinerlei Abweichungen zulässt, wäre eine solche Benach­teiligung“, sagt Anwalt Schönleber. „Bestimmte Gegen­stände, auf die ein Mieter angewiesen ist, können daher auch entgegen einer anders­lautenden Haus­ordnung im Flur geparkt werden, wenn dieser nur groß genug ist und es keinen anderen zumut­baren Abstell­platz gibt.“

Ein Platz für Rollator und Roll­stuhl

Welche Gegen­stände das sind, darüber lässt sich in der Praxis treff­lich streiten: Eine vergleichs­weise klare Linie vertritt die Recht­sprechung bei Rollatoren, Kinder­wagen und Roll­stühlen. Sie dürften meist im Hausflur stehen bleiben. Kleinmöbel wie Schuh­schränke oder Setzkästen hingegen haben dort normaler­weise nichts zu suchen (siehe Kasten links).

Sonderfall Eigenheim

Eigentümer­gemeinschaften haben die Möglich­keit, per Mehr­heits­beschluss Sonder­regeln zu erlassen. Sie können zum Beispiel das Abstellen von Regalen oder Topf­pflanzen gestatten oder den Bewohnern erlauben, das Treppen­haus mit Fotos oder anderem Zierrat zu dekorieren.

Grenzenlos ist die Freiheit der Eigentümer aber nicht. Selbst wenn die Haus­ordnung nichts verbietet, der Flur voll­getopft ist und sich niemand daran stört – Anwalt Schönleber rät, es nicht zu über­treiben. „Die öffent­lich-recht­lichen Sicher­heits­vorgaben sind unbe­dingt zu wahren. Sonst gibts bei der nächsten Brand­schau Ärger mit den Behörden.“

Dieser Artikel ist hilfreich. 19 Nutzer finden das hilfreich.