Haus­halts­nahe Dienst­leistungen Special

Wenn der Hand­werker kommt, kann es teuer werden. Das Finanz­amt hilft mit Steuerermäßigungen. Für das Reparieren, Putzen, Pflegen in Wohnung, Haus und Garten gibt es Ermäßigungen vom Finanz­amt – bis zu 5 710 Euro sind drin. Finanztest erklärt, wie Sie mit Kosten für haus­halts­nahe Dienst­leistungen bei der Steuererklärung richtig sparen.

Nicht nur Lohn- und Arbeits­kosten zählen

Haus­halts­nahe Dienst­leistungen sind für Sparfüchse ideal: Anders als Werbungs­kosten, welche die steuer­pflichtigen Einnahmen reduzieren, gehen die anrechen­baren Ausgaben für Hand­werker und Dienst­leister im Haushalt unmittel­bar von der Steuerschuld ab. Deshalb bringen auch kleinere Beträge etwas. Es zählen Lohn- und Arbeits­kosten sowie Maschinen- und Fahrt­kosten. Außerdem Kosten für Reinigungs-, Schmier­mittel und Streu­gut. 2016 sind bis zu 5 710 Euro Abzug drin, abhängig von Art und Umfang der Tätig­keiten (siehe Grafik Steuern sparen: Handwerker und Haushaltshilfen).

Hand­werker- und Wartungs­arbeiten

Hand­werk­erarbeiten, zu denen übrigens auch Wartungs­arbeiten zählen, werden bis maximal 1 200 Euro pro Jahr ange­rechnet. Das entspricht 20 Prozent von 6 000 Euro Gesamt­ausgaben für Lohn-, Fahrt- und Maschinen­kosten. Bauherren können sich die Steuer­vorteile für Hand­werker sichern, wenn sie so früh wie möglich in ihr neues Heim umziehen. Beschäftigen sie nach dem Umzug Hand­werker, etwa für die Außen­anlagen, Bau eines Carports, Wintergarten, Dach­ausbau, Installation einer Solar­anlage, werden die Kosten gefördert. Das Amt spielt aber nur mit, wenn das Haus vor dem Umzug schon so weit fertiggestellt ist, dass Türen, Fenster, Treppen, Geländer, Innenputz, Estrich, Heizung und Bad vorhanden, Strom und Wasser ange­schlossen sind. Auch Bewohner älterer Häuser und Wohnungen profitieren, wenn sie das Bad reno­vieren oder Dielen abschleifen lassen.

Auch Kosten für Heizung und Kamin bringen Abzüge

Es geht noch mehr: Messungen und Reparaturen an Gast­herme, Ölhei­zung, Kamin­ofen oder Schorn­stein oder auch die erst­malige Abnahme einer Feuer­stätte bringen Steuer­abzug. Prüft ein Gutachter, ob Abwasser­leitungen im Haus dicht sind, wird das genauso gefördert wie routine­mäßige Wartungs­arbeiten an Aufzügen und Blitz­schutz­anlagen. Auch Arbeits­kosten für Haus­anschlüsse an die Ver- und Entsorgungs­netze senken Steuern. Selbst für die Zweit­wohnung gibt es Abzüge, auch wenn diese im Ausland liegt. Denn Rechnungen können für alle Haushalte einge­reicht werden, und zwar für alle EU-Länder, Norwegen, Island und Liechten­stein.

Achtung: Hand­werker müssen in ihren Rechnungen die Material­kosten gesondert ausweisen, denn dafür gibt es keinen Abzug. Die Kosten sollten wenigs­tens prozentual aufgeteilt sein. Bei Wartungs­verträgen akzeptieren die Finanz­ämter anteilige Arbeits­kosten, die sich aus einer Misch­kalkulation ergeben, wenn diese aus einer Anlage zur Rechnung ersicht­lich sind. Sie sollten die Rechnung nicht in bar, sondern per Über­weisung begleichen.

Günstig für Mieter

Mieter können eine Steuerermäßigung für Hand­werk­erarbeiten geltend machen, wenn auf ihre Kosten Wände gestrichen, Türen oder Dielen abge­schliffen oder andere Schön­heits­reparaturen durch­geführt werden. Viel bringt die jähr­liche Neben­kosten­abrechnung, in der alle Kosten aufgeschlüsselt sind. Mieter können ihre Anteile für Garten­arbeit, Reinigung, Hausmeister, Wartung des Fahr­stuhls und Schorn­steinfeger beim Finanz­amt geltend machen. Der Anteil an Hand­werk­erarbeiten wird erst in dem Jahr anerkannt, in dem er in der Abrechnung ausgewiesen ist.

Pflege und Betreuung

Für Pflege­dienste und Haus­halts­hilfen sind pro Haushalt Ausgaben bis zu 20 000 Euro im Jahr anerkannt. Abzugs­fähig sind davon 20 Prozent, maximal 4 000 Euro. Das Finanz­amt fordert weder den Nach­weis einer Pfle­gestufe noch eine ärzt­liche Verordnung. Leistungen der Pflege­versicherung darf es nur für Sach­leistungen abziehen. Das Pflegegeld bleibt außen vor. Kommen Pfle­gekräfte oder Betreuer in die Wohnung oder ins Heim, zählen

  • Leistungen ambulanter Dienste,
  • Grund­pflege wie Fußpflege oder Leistungen aus dem Katalog der Pflege­versicherung wie Zubereiten und Servieren der Mahl­zeiten, Wäsche­service, Reinigung des Zimmers und der Gemein­schafts­flächen,
  • Ausgaben für die jeder­zeitige Möglich­keit, bei Bedarf Pflege und Betreuung in Anspruch zu nehmen,
  • Begleitung zum Arzt und bei Einkäufen, wenn es sich dabei lediglich um eine Neben­pflicht des Pflegenden oder Betreuenden handelt.

Selbst für Haustiere gibt es Nach­lass

Das Amt fördert zudem Notrufsysteme, mit denen kranke oder behinderte Menschen im betreuten Wohnen rund um die Uhr nach Hilfe rufen können. Steuerboni können sogar Tierfreunde einstreichen, wenn sie ihre Haustiere in den heimischen vier Wänden versorgen lassen.

Pflege­kosten auch als haus­halts­nahe Dienst­leistungen absetz­bar

Wer die Pflege eines Menschen bezahlt, kann die Rechnungen als haus­halts­nahe Dienst­leistung absetzen, wenn die Angabe als außergewöhnliche Belastung nichts bringt. Die Kosten zählen zusätzlich zum 924-Euro-Pflegepausch­betrag. Das gilt unabhängig davon, ob der Gepflegte bei sich oder im Haushalt des Zahlers lebt.

Achtung: Bei Behin­derungen gilt eine Ausnahme: Weil der Behindertenpausch­betrag bereits alle mit der Behin­derung zusammenhängenden Kosten abdecken soll, gibt es für haus­halts­nahe Dienste keinen Steuerrabatt. Alternativ können Sie Pflege­kosten als außergewöhnliche Belastung abrechnen.

Haus­halts­hilfen abrechnen

Für sozial­versicherte Haus­halts­hilfen und 450-Euro-Minijobber wird steuerlich anerkannt: der Brutto­lohn oder das Arbeits­entgelt, Sozial­versicherungs­beiträge, Lohn- und Kirchen­steuer, Soli­zuschlag, Unfall­versicherung und Umlagen nach dem Aufwendungs­ausgleichs­gesetz. Für Minijobber im Haushalt, die putzen, kochen, bügeln oder Essen zubereiten, lassen sich bis zu 510 Euro (20 Prozent von 2 550 Euro Kosten) Steuern sparen.

Ausnahms­weise sogar Barzahlung erlaubt

Privatleute müssen am sogenannten Haus­halts­scheck­verfahren teilnehmen, also die Hilfe bei der Minijob-Zentrale anmelden. Wer sich privat eine Hilfe holt, darf die sogar bar bezahlen. Für eine Voll­zeit­kraft gibt es ebenfalls Unterstüt­zung vom Finanz­amt. Zusammen mit den Kosten für andere Haus­halts­hilfen zählen 20 Prozent ihrer Kosten bis maximal 20 000 Euro. Mögliche Steuerermäßigung: 4 000 Euro pro Jahr. Voraus­setzung ist, dass die Hilfe Aufgaben über­nimmt, die gewöhnlich Mitglieder des Haus­halts erledigen, wie Waschen, Bügeln, Putzen, Kochen und andere Arbeiten, die anfallen. Auch Pflege- und Betreuungs­leistungen werden gefördert, unabhängig vom Pfle­gegrad – egal, ob sie zu Hause oder im Heim anfallen.

Einspruch einlegen

Sehr penibel schauen die Beamten hin, ob Arbeiten tatsäch­lich im Haushalt durch­geführt wurden. Werden PC oder Fernseher von Hand­werkern zu Hause abge­holt und in einer Werk­statt repariert, gibt es keinen Abzug. Gleiches gilt für das Reinigen in einer Wäscherei oder den Service „Essen auf Rädern“. Aber es gibt ein positives Urteil: Finanz­richter erkannten die Kosten für die Erneuerung einer reno­vierungs­bedürftigen Haustür an, die in einer Schreinerei erfolgte (FG München, Az. 7 K 1242/13). Wenn das Finanz­amt Kosten ablehnt: Einspruch einlegen und dabei auf das Urteil berufen. Das ist zwar keine Garantie, aber der Versuch kann sich lohnen.

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