Haus­halts­nahe Dienst­leistungen Special

Wenn der Hand­werker kommt, kann es teuer werden. Das Finanz­amt hilft mit Steuerermäßigungen. Für das Reparieren, Putzen, Pflegen in Wohnung, Haus und Garten gibt es Ermäßigungen vom Finanz­amt – bis zu 5 710 Euro sind drin. Finanztest erklärt, wie Sie mit Kosten für haus­halts­nahe Dienst­leistungen bei der Steuererklärung richtig sparen.

Nicht nur Lohn- und Arbeits­kosten zählen

Haus­halts­nahe Dienst­leistungen sind für Sparfüchse ideal: Anders als Werbungs­kosten, welche die steuer­pflichtigen Einnahmen reduzieren, gehen die anrechen­baren Ausgaben für Hand­werker und Dienst­leister im Haushalt unmittel­bar von der Steuerschuld ab. Deshalb bringen auch kleinere Beträge etwas. Es zählen Lohn- und Arbeits­kosten sowie Maschinen- und Fahrt­kosten. Außerdem Kosten für Reinigungs-, Schmier­mittel und Streu­gut. 2017 sind bis zu 5 710 Euro Abzug drin, abhängig von Art und Umfang der Tätig­keiten (siehe Grafik Steuern sparen: Handwerker und Haushaltshilfen).

Unser Rat

Rechnung. Hand­werker dürfen Sie in keinem Fall bar bezahlen. Sie sollten Belege sorgfältig aufbewahren. Vereinbaren Sie mit dem Dienst­leister, dass er die Lohn- und Fahrt­kosten von den Material­kosten getrennt ausweist. Denn nur für Lohn- und Fahrt­kosten gibt es einen Steuer­abzug.

Frei­betrag. Sie können für Ihre Ausgaben schon während des Jahres einen Antrag auf Lohn­steuerermäßigung stellen, anstatt erst mit der Steuererklärung abzu­rechnen.

Hand­werker- und Wartungs­arbeiten

Hand­werk­erarbeiten, zu denen übrigens auch Wartungs­arbeiten zählen, werden bis maximal 1 200 Euro pro Jahr ange­rechnet. Das entspricht 20 Prozent von 6 000 Euro Gesamt­ausgaben für Lohn-, Fahrt- und Maschinen­kosten. Bauherren können sich die Steuer­vorteile für Hand­werker sichern, wenn sie so früh wie möglich in ihr neues Heim umziehen. Beschäftigen sie nach dem Umzug Hand­werker, etwa für die Außen­anlagen, Bau eines Carports, Wintergarten, Dach­ausbau, Installation einer Solar­anlage, werden die Kosten gefördert. Das Amt spielt aber nur mit, wenn das Haus vor dem Umzug schon so weit fertiggestellt ist, dass Türen, Fenster, Treppen, Geländer, Innenputz, Estrich, Heizung und Bad vorhanden, Strom und Wasser ange­schlossen sind. Auch Bewohner älterer Häuser und Wohnungen profitieren, wenn sie das Bad reno­vieren oder Dielen abschleifen lassen.

Noch umstritten: Erschließungs­kosten für Straßen absetzen

Anwohner müssen oft mehrere Tausend Euro zahlen, wenn Gemeinden Straßen bauen oder sanieren. Die Finanz­verwaltungen erkannten die Kosten aber steuerlich nicht als Hand­werk­erleistungen an. Seit November ist eine Klage gegen diese Praxis vor dem Bundes­finanzhof (BFH) anhängig (Az. VI R 50/17). Die Kläger, Eheleute aus Brandenburg, hatten in ihren Steuererklärungen für 2015 den Anteil der Arbeits­kosten für den Ausbau einer Straße angesetzt. Ihr Finanz­amt lehnte dies ab, das Finanzge­richt Berlin-Brandenburg gab ihm recht (Az. 3 K 3130/17): Der räumliche Zusammen­hang zum Haus fehle. Der Bund der Steuerzahler verwies darauf, dass das Finanzge­richt Nürn­berg die Kosten für eine Straßensanierung in einem Fall bereits als Hand­werk­erleistung bewertet habe (Az. 7 K 1356/14).

Tipp: Machen Sie den Anteil der Arbeits­kosten für den Straßen­ausbau geltend. Lehnt das Finanz­amt ab, erheben Sie mit Verweis auf die Klage beim BFH Einspruch.

Auch Kosten für Heizung und Kamin bringen Abzüge

Es geht noch mehr: Messungen und Reparaturen an Gast­herme, Ölhei­zung, Kamin­ofen oder Schorn­stein oder auch die erst­malige Abnahme einer Feuer­stätte bringen Steuer­abzug. Prüft ein Gutachter, ob Abwasser­leitungen im Haus dicht sind, wird das genauso gefördert wie routine­mäßige Wartungs­arbeiten an Aufzügen und Blitz­schutz­anlagen. Auch Arbeits­kosten für Haus­anschlüsse an die Ver- und Entsorgungs­netze senken Steuern. Selbst für Arbeiten in einer Zweit­wohnung gibt es Abzüge, auch wenn diese im Ausland liegt. Denn Rechnungen können für alle Haushalte einge­reicht werden, und zwar für alle EU-Länder, Norwegen, Island und Liechten­stein.

Achtung: Hand­werker müssen in ihren Rechnungen die Material­kosten gesondert ausweisen, denn dafür gibt es keinen Abzug. Die Kosten sollten wenigs­tens prozentual aufgeteilt sein. Bei Wartungs­verträgen akzeptieren die Finanz­ämter anteilige Arbeits­kosten, die sich aus einer Misch­kalkulation ergeben, wenn diese aus einer Anlage zur Rechnung ersicht­lich sind. Sie sollten die Rechnung nicht in bar, sondern per Über­weisung begleichen.

Günstig für Mieter

Mieter können eine Steuerermäßigung für Hand­werk­erarbeiten geltend machen, wenn auf ihre Kosten Wände gestrichen, Türen oder Dielen abge­schliffen oder andere Schön­heits­reparaturen durch­geführt werden. Viel bringt die jähr­liche Neben­kosten­abrechnung, in der alle Kosten aufgeschlüsselt sind. Mieter können ihre Anteile für Garten­arbeit, Reinigung, Hausmeister, Wartung des Fahr­stuhls und Schorn­steinfeger beim Finanz­amt geltend machen. Der Anteil an Hand­werk­erarbeiten wird erst in dem Jahr anerkannt, in dem er in der Abrechnung ausgewiesen ist.

Wie Mieter mit Lohn­kosten Steuern sparen

Nun können mehr Mieter als bisher die Lohn­kosten rund ums Haus aus ihrer Betriebs­kosten­abrechnung in der Steuererklärung angeben und so Steuern sparen. Nach einem Urteil des Land­gerichts Berlin muss der Vermieter eine Bescheinigung ausstellen, in der Lohn­kosten von Hauswart, Garten­arbeitern und Putz­kräften aufgeschlüsselt sind (Az. 18 S 339/16). Bisher fehlten diese Informationen oft.

Über ihre Betriebs­kosten­abrechnung bezahlen Mieter den Hauswart und vieles mehr rund ums Miets­haus. Den Lohn­kosten­anteil, der ihnen über die Betriebs­kosten­abrechnung in Rechnung gestellt wird, können sie steuerlich geltend machen. Finanztest schätzt, dass Mieter einer 100-Quadrat­meter-Wohnung in Deutsch­land im Schnitt 600 Euro Lohn­kosten über die Betriebs­kosten zahlen. Dafür ist ein Steuerbonus von 120 Euro drin.

Wermuts­tropfen: Für die aufgeschlüsselte Bescheinigung verlangen einige Vermieter Geld. Die Meinung der Gerichte ist uneinheitlich: Nach Ansicht des Amts­gerichts Lichten­berg muss die Bescheinigung kostenlos sein (Az. 105 C 394/10). Laut Amts­gericht Hamburg können Vermieter 25 Euro verlangen (Az. 49 C 157/09). Die Lohn­kosten plus Fahrt­kosten und Umsatz­steuer lassen sich bei der Steuererklärung als haus­halts­nahe Dienst­leistungen (Zeile 71 bzw. 72 des Mantelbogens) geltend machen – wie bei einer Putz­kraft. 20 Prozent der Ausgaben bekommt der Steuerzahler von seiner Steuerschuld abge­zogen.

Pflege und Betreuung

Für Pflege­dienste und angestellte Haus­halts­hilfen sind pro Haushalt Ausgaben bis zu 20 000 Euro im Jahr anerkannt. Abzugs­fähig sind davon 20 Prozent, maximal 4 000 Euro. Das Finanz­amt fordert weder den Nach­weis einer Pfle­gestufe noch eine ärzt­liche Verordnung. Leistungen der Pflege­versicherung darf es nur für Sach­leistungen abziehen. Das Pflegegeld bleibt außen vor. Kommen Pfle­gekräfte oder Betreuer in die Wohnung oder ins Heim, zählen

  • Leistungen ambulanter Dienste,
  • Grund­pflege wie Fußpflege oder Leistungen aus dem Katalog der Pflege­versicherung wie Zubereiten und Servieren der Mahl­zeiten, Wäsche­service, Reinigung des Zimmers und der Gemein­schafts­flächen,
  • Ausgaben für die jeder­zeitige Möglich­keit, bei Bedarf Pflege und Betreuung in Anspruch zu nehmen,
  • Begleitung zum Arzt und bei Einkäufen, wenn es sich dabei lediglich um eine Neben­pflicht des Pflegenden oder Betreuenden handelt.

Selbst für Haustiere gibt es Nach­lass

Das Amt fördert zudem Notrufsysteme, mit denen kranke oder behinderte Menschen im betreuten Wohnen rund um die Uhr nach Hilfe rufen können. Steuerboni können sogar Tierfreunde einstreichen, wenn sie ihre Haustiere in den heimischen vier Wänden versorgen lassen.

Pflege­kosten auch als haus­halts­nahe Dienst­leistungen absetz­bar

Wer die Pflege eines Menschen bezahlt, kann die Rechnungen als haus­halts­nahe Dienst­leistung absetzen, wenn die Angabe als außergewöhnliche Belastung nichts bringt. Die Kosten zählen zusätzlich zum 924-Euro-Pflegepausch­betrag. Das gilt unabhängig davon, ob der Gepflegte bei sich oder im Haushalt des Zahlers lebt.

Achtung: Bei Behin­derungen gilt eine Ausnahme: Weil der Behindertenpausch­betrag bereits alle mit der Behin­derung zusammenhängenden Kosten abdecken soll, gibt es für haus­halts­nahe Dienste keinen Steuerrabatt. Alternativ können Sie Pflege­kosten als außergewöhnliche Belastung abrechnen.

Haus­halts­hilfen abrechnen

Für sozial­versicherte Haus­halts­hilfen und 450-Euro-Minijobber wird steuerlich anerkannt: der Brutto­lohn oder das Arbeits­entgelt, Sozial­versicherungs­beiträge, Lohn- und Kirchen­steuer, Soli­zuschlag, Unfall­versicherung und Umlagen nach dem Aufwendungs­ausgleichs­gesetz.

Bei Mini-Jobbern ausnahms­weise sogar Barzahlung erlaubt

Für Minijobber im Haushalt, die putzen, kochen, bügeln oder Essen zubereiten, lassen sich bis zu 510 Euro (20 Prozent von 2 550 Euro Kosten) Steuern sparen. Privatleute müssen am sogenannten Haus­halts­scheck­verfahren teilnehmen, also die Hilfe bei der Minijob-Zentrale anmelden. Wer sich privat eine Hilfe holt, darf die sogar bar bezahlen.

Voll­zeit­kraft absetzen

Für eine Voll­zeit­kraft gibt es ebenfalls Unterstüt­zung vom Finanz­amt. Zusammen mit den Kosten für andere Haus­halts­hilfen zählen 20 Prozent ihrer Kosten bis maximal 20 000 Euro. Mögliche Steuerermäßigung: 4 000 Euro pro Jahr. Voraus­setzung ist, dass die Hilfe Aufgaben über­nimmt, die gewöhnlich Mitglieder des Haus­halts erledigen, wie Waschen, Bügeln, Putzen, Kochen und andere Arbeiten, die anfallen. Auch Pflege- und Betreuungs­leistungen werden gefördert, unabhängig vom Pfle­gegrad – egal, ob sie zu Hause oder im Heim anfallen.

Einspruch einlegen

Sehr penibel schauen die Beamten hin, ob Arbeiten tatsäch­lich im Haushalt durch­geführt wurden. Werden PC oder Fernseher von Hand­werkern zu Hause abge­holt und in einer Werk­statt repariert, gibt es keinen Abzug. Gleiches gilt für das Reinigen in einer Wäscherei oder den Service „Essen auf Rädern“. Aber es gibt ein positives Urteil: Finanz­richter erkannten die Kosten für die Erneuerung einer reno­vierungs­bedürftigen Haustür an, die in einer Schreinerei erfolgte (FG München, Az. 7 K 1242/13). Wenn das Finanz­amt Kosten ablehnt: Einspruch einlegen und dabei auf das Urteil berufen. Das ist zwar keine Garantie, aber der Versuch kann sich lohnen.

Finanztest Spezial Steuern 2017

Haus­halts­nahe Dienst­leistungen Special

Alle wichtigen Informationen sowie zahlreiche Tipps rund um die Steuererklärung für 2016 finden Sie im Finanztest Spezial Steuern 2017. Das Heft mit den praktischen Formularen zum Heraus­trennen gibt es für 8,80 Euro am Kiosk und im test.de/Shop.

Dieses Special ist erst­mals am 14. Februar 2017 auf test.de erschienen. Es wurde am 11. Dezember 2017 aktualisiert.

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