Haus­halts­nahe Dienst­leistungen Special

Der neue Wintergarten wird güns­tiger als gedacht. Das Finanz­amt begüns­tigt die Arbeiten erst­mals als haus­halts­nahe Dienst­leistungen.

Eigentümer profitieren stark von den neuen Steuer­regeln rund ums Haus. Aber auch Mieter können kräftig sparen.

Viele tausend Euro kostet der Ausbau eines Dach­geschosses, ähnlich teuer kommt der Anbau eines Wintergartens. Bislang gab es für beides keine Steuerermäßigung, denn die Arbeiten gehörten nicht zu den „haus­halts­nahen Dienst­leistungen“. Das hat sich geändert.

Ein neues Schreiben des Bundes­ministeriums für Finanzen (BMF) stellt klar: Steuer­begüns­tigt sind ab dem Jahr 2014 auch Ausgaben für Arbeiten im Haushalt, die dazu führen, dass die Wohn- oder Nutz­fläche erweitert wird (BMF-Schreiben IV C 4 - S 2296-b/07/0003).

Die Definition der „Neubau­maßnahme“ wurde neu gefasst. Als Neubau gilt nur noch die Gründung eines Haus­halts bis zu dessen Fertigstellung. Für diese Arbeiten gibt es keine Steuer­vorteile, wohl aber für viele, die danach kommen. Begüns­tigt sind zum Beispiel Arbeiten am Keller­ausbau, an neuen Außen­anlagen, Wegen, Zäunen oder Stützmauern.

Damit ist nicht mehr nur das zugelassen, was in einem Haushalt Vorhandenes ersetzt, jetzt zählen auch Tätig­keiten, durch die Neues entsteht. Steuerlich ist es deshalb ab sofort güns­tiger, erst in das neue Haus einzuziehen und dann Garage, Terrasse oder Gartenzaun anzu­bauen.

So sparen Mieter

Haus­halts­nahe Dienst­leistungen Special

Die Infografik zeigt auf einen Blick, welche Arbeiten steuer­begüns­tigt sind.

Von den Neuerungen profitieren Haus­eigentümer am meisten. Aber auch Mieter können Steuern sparen, wenn sie Ausgaben für Dienst­leistungen rund um die Wohnung richtig geltend machen.

Nach wie vor zählen alle Arbeiten, durch die Vorhandenes ersetzt wird. Dazu gehört die Reno­vierung oder Modernisierung des Bade­zimmers genauso wie das Abschleifen der Dielen oder die Reparatur der Wasch­maschine in der Wohnung. Auch die jähr­liche Neben­kosten­abrechnung enthält Posten, die sich steuerlich günstig auswirken, zum Beispiel Ausgaben für den Hausmeister, die Gebäude­reinigung und die Garten­pflege.

Bis zu 5 710 Euro Steuerermäßigung sind drin, wenn Eigentümer oder Mieter die Höchst­beträge ausschöpfen und insgesamt 28 550 Euro für Hand­werker und Haus­halts­hilfen ausgegeben haben.

Neuer Vorteil für Pflegebedürftige

Die neuen Regeln bringen auch etwas Erleichterung für Heimbe­wohner und Menschen, die zuhause gepflegt werden. Sie können jetzt Ausgaben für das Zubereiten und Servieren der Mahl­zeiten problemlos abrechnen. Bislang gab es – trotz vieler Urteile zugunsten der Pflegebedürftigen – immer wieder Ärger mit dem Finanz­amt.

Wie bisher zählen die Ausgaben für den Wäsche­service, die Reinigung des Zimmers und der Gemein­schafts­flächen. Auch die Ausgaben für die bloße Möglich­keit, bei Bedarf Pflege und Betreuungs­leistungen zu nutzen, gehen jetzt durch. Der Bundes­finanzhof (BFH) hat klar­gestellt, dass Ausgaben für das Bereit­stellen von Leistungen selbst dann zählen, wenn diese nicht genutzt werden (BFH, Az. VI R 28/08).

Tipp: Sie müssen im Heim keinen eigenen Haushalt führen, um solche Kosten abrechnen zu können. Das ist nur nötig, wenn Sie auch Kosten für Hausmeister, Gärtner und Hand­werker geltend machen wollen.

Achtung: Das Begleiten von kranken, alten oder pflegebedürftigen Personen bei Einkäufen, Arzt- und Botengängen ist nur begüns­tigt, wenn es zu den Neben­pflichten von Helfern gehört, die vor allem andere Aufgaben im Haushalt über­nehmen. Problematisch wird es, wenn diese Leistungen im Vordergrund stehen. Ist die Haus­halts­hilfe nur für Fahrten zum Arzt, fürs Einkaufen, Spazieren­gehen und für Botengänge engagiert, zählen die Kosten nicht.

Schorn­steinfeger zählt nicht mehr voll

Normale Wartungs­arbeiten, beispiels­weise am Aufzug und an der Blitz­schutz­anlage, sind nach wie vor begüns­tigt. Aber: Die Leistungen des Schorn­steinfegers werden ab 2014 nicht mehr so einfach anerkannt. Sie müssen neuerdings aufgeteilt werden: Steuer­begüns­tigt sind auch in Zukunft Hand­werk­erleistungen des Schorn­steinfegers wie Kehr-, Reparatur- und Wartungs­arbeiten. Nicht begüns­tigt sind Gutachter­tätig­keiten wie Messen und Über­prüfen, die auch in anderen Fällen nicht anerkannt werden.

Tipp: Bis einschließ­lich 2013 können Sie die Leistungen eines Schorn­steinfegers noch in voller Höhe absetzen. Erst ab 2014 müssen Sie die Kosten aufteilen.

Aktuelle Muster­verfahren

Trotz des neuen Schreibens aus dem Ministerium gibt es weitere offene Fragen rund um haus­halts­nahe Dienst­leistungen. Beim Bundes­finanzhof sind mehrere Verfahren anhängig. Er muss zum Beispiel entscheiden, ob Dicht­heits­prüfungen an Abwasser­leitungen als Hand­werk­erarbeiten zählen (Az. VI R 1/13). Strittig ist zudem nach wie vor, ob bei Leistungen auf öffent­lichem und privatem Gelände – für die es meist eine konkrete Verpflichtung für Haus­eigentümer und Mieter gibt – nur der Anteil der Kosten zählt, der auf das Privatgelände entfällt. Konkret geht es dabei um Ausgaben für Straßenreinigung und Schnee­räumen (Az. VI R 55/12) und die Kosten für den Anschluss eines Grund­stücks an die Trink- und Abwasser­versorgung (Az. VI R 56/12).

Die Entscheidung der Verfahren wird laut BFH in den nächsten Wochen veröffent­licht.

Tipp: Lehnt das Finanz­amt Ihre Ausgaben dafür ab, legen Sie unter Hinweis auf die Aktenzeichen Einspruch ein und beantragen das Ruhen des Verfahrens.

Dieser Artikel ist hilfreich. 15 Nutzer finden das hilfreich.