Hausbau Meldung

Gute Planung und ein detaillierter Bauvertrag helfen beim Hausbau, Stress zu vermeiden.

Pleiten der Baufirmen und Pfusch am Bau machen Häuslebauern das Leben schwer. Tropft der Regen eimerweise durchs Dach, sollte wenigstens der Bauvertrag wasserdicht sein.

Rund 225 000 Euro lassen sich die privaten Bauherren die eigenen vier Wände durchschnittlich kosten. Für viele ist es die größte Investition ihres Lebens. Leider bringt sie oft auch den größten Ärger mit sich.

Eine aktuelle Untersuchung des Bauherren-Schutzbundes BSB zeigt, dass der Hausbau riskant ist. Der BSB hat mehr als 1 000 Bauwillige und über 300 Bauherren befragt.

Die Bauherren hatten vor allem mit Baumängeln zu kämpfen. „Die untersuchten Bauvorhaben hatten im Schnitt 10 bis 20 – oft erhebliche – Baumängel“, berichtet Rainer Huhle, Leiter des BSB-Bundesbüros.

Fenster werden zum Beispiel nicht dort eingebaut, wo der Bauherr sie haben will, oder sie sind zu klein oder werden gleich ganz vergessen. Bei der Hälfte der Befragten ging es um Bauschäden im Wert von 5 000 bis 50 000 Euro.

Wenn Bauherren vereinbart haben, dass sie erst nach einem genau beschriebenen Baufortschritt ohne Mängel den nächsten Abschlag auf die Gesamtsumme zahlen, haben sie ein Druckmittel. Das sorgt für die nötige Motivation des Unternehmers, Mängel umgehend zu beseitigen. Die Abschlagsumme sollte immer ungefähr dem Wert des Baufortschritts entsprechen.

Druckmittel sind wichtig

Doch viele geben das Druckmittel aus der Hand. „Ein typischer Fehler ist die Vereinbarung von Abschlagszahlungen während der Bauzeit, die nicht vom tatsächlichen Baufortschritt abhängen“, erklärt der Berliner Rechtsanwalt Steffen Heiduk. Dann wird die nächste Rate fällig, obwohl zum Beispiel die Fußbodenheizung nicht heizt. Der Bauherr muss dann erst einmal zahlen. Denn Vertrag ist Vertrag.

Oft macht auch eine Pleite des Unternehmens dem Bauherrn das Leben schwer. Der Bau muss dann von einer anderen Baufirma beendet werden. Das kostet zusätzlich Geld. Fast 19 Prozent der BSB-Befragten waren während des Baus mit Firmenpleiten konfrontiert. Weitere 20 Prozent konnten Mängel, die sie erst nach der Fertigstellung bemerkten, nicht beseitigen lassen, da die Baufirma inzwischen insolvent war.

Vor den Folgen einer Pleite können sich Bauherren am ehesten schützen, wenn die Baufirma eine Fertigstellungs- und eine Gewährleistungsbürgschaft vorweist. Die bekommt die Baufirma etwa von ihrer Bank. Im Fall der Pleite kommt die Bank dann für die Fertigstellung des Baus auf. Geht die Firma nach Fertigstellung Pleite, zahlt die Bank im Rahmen der Bürgschaft für die Beseitigung von Mängeln, für die sonst die Baufirma hätte geradestehen müssen.

„Schließen Sie keinen Vertrag ohne diese Sicherheiten ab“, rät Anwalt Heiduk. „Die meisten Baufirmen suchen zurzeit händeringend Kunden, sodass Ihre Verhandlungsposition stark ist.“

Verträge nicht genau genug

Doch selbst wenn die Baufirma nicht Pleite geht und sich an den Vertrag hält, gibt es oft Ärger. Denn was die Firma zu tun hat und zu welchem Preis, steht oft gar nicht so genau im Vertrag.

Viele Anbieter legen sich ungern fest und formulieren die Bauverträge im Stil unverbindlicher Werbeprospekte. „Es ist immer schwieriger zu sehen, welche Kosten im Angebot enthalten sind und welche nicht“, sagt BSB-Mann Huhle.

Selbst unverzichtbare Bauleistungen sind oft im Grundpreis nicht enthalten. Nur wer alle gewünschten Leistungen mit Preis im Vertrag unterbringt, vermeidet, dass er noch teure Zusatzverträge mit dem Anbieter abschließen muss.

„Jede zweite Leistungsbeschreibung war in Leistungsumfang, Art und Güte der Baumaterialien oder Ausstattungsgrad zu wenig exakt“, klagt Huhle.

So genügen zum Beispiel Begriffe wie „Markenfabrikat“ oder „deutscher Hersteller“ nicht, denn Bauherr und Baufirma haben oft sehr unterschiedliche Vorstellungen von einem Markenfabrikat. Der Bauherr denkt bei der Ausstattung seines Badezimmers vielleicht an edle Fliesen und Armaturen von Villeroy & Boch. Die Baufirma verwendet aber lediglich bodenständige Qualität vom Baumarkt.

„16 Prozent der Bauherrn wurden sogar mit minderwertigen Baustoffen abgespeist, obwohl Qualitätsprodukte versprochen waren“, berichtet Huhle. Wer späteren Streit vermeiden will, sollte im Vertrag ganz penibel alle Leistungen mit Angaben über Qualität, Form, Abmessung und Marke festschreiben.

Für Bauherren ist ein wasserdichter Bauvertrag das A und O. Sie können sich dabei entweder nach dem Werkvertragsrecht des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) richten oder nach der Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen, Teil B (VOB/B), die speziell auf Bauverträge zugeschnitten ist (siehe Tabelle).

Welcher Weg für den privaten Bauherrn günstiger ist, lässt sich nicht generell sagen. Es kommt auf den Einzelfall an. Hier hilft eine Beratung durch den Fachmann. Die Hauptsache ist, dass der Vertrag so konkret wie möglich ist. Denn dann kann eigentlich nicht mehr viel passieren.

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