Haus­aufgaben sind lästig aber oft nötig, damit Schüler den Schul­stoff vertiefen und einüben können. Doch im Alltag fragen sich Eltern und Kindern oft: Welcher Umfang ist angemessen? Und: Darf der Lehrer die Aufgaben benoten? Einiges ist per Gesetz oder Verordnung auf Landes­ebene geregelt. test.de fragte bei dem auf Schulrecht spezialisierten Rechts­anwalt Rolf Tarneden aus Hannover nach.

Wie umfassend dürfen Haus­aufgaben sein?

Anwalt Rolf Tarneden aus Hannover

Schulrecht ist Sache der Bundes­länder und daher nicht einheitlich. Grund­sätzlich sollten die Anforderungen und Belastungen der Schüler durch Haus­aufgaben alters­gemäß und zumut­bar sein und ihnen ausreichend Zeit für eigene Aktivitäten lassen. So ähnlich formulieren es die meisten Schulgesetze. Einige Bundes­länder, etwa Nieder­sachsen, regeln zusätzlich per Verordnung den zeitlichen Umfang: In der Grund­schule dürfen hier die Haus­aufgaben nicht länger als 30 Minuten pro Schultag dauern, in den Klassen fünf bis zehn 60 Minuten. In Bayern gilt: Grund­schülern sind höchs­tens 60 Minuten zumut­bar. Andere Bundes­länder wie Hessen über­lassen die genaue Regelung der Schul­konferenz.

Sind Haus­aufgaben verpflichtend?

Ja, die Schüler haben die Pflicht, sie zu erledigen. Eltern dürfen ihre Kinder nicht eigenmächtig zum Beispiel mit einer schriftlichen Entschuldigung von den Aufgaben befreien. Wenn sie der Meinung sind, dass die Aufgaben ihr Kind zu sehr belasten, sollten sie dies beim Klassen­lehrer oder Eltern­abend ansprechen.

Sind Haus­aufgaben über das Wochen­ende erlaubt?

Nein, mir ist kein Bundes­land bekannt, wo das erlaubt ist. Gleiches gilt für die Ferien oder feier­tags. Ausnahmen gibt es für die Lektüre in Deutsch oder für den Fremd­sprachen­unter­richt und teil­weise in den Schul­jahren vor dem Abitur.

Wie sieht es mit der Benotung aus?

Bewerten darf ein Lehrer nur objektiv erbrachte Leistungen, die Schüler im Unter­richt oder in Klassen­arbeiten erbringen. Erlaubt wäre es aber, die aufgegebenen Aufgaben in der folgenden Unterrichts­stunde im Test abzu­fragen und zu benoten.

Und wenn Schüler die Haus­aufgaben einfach nicht machen?

Dann dürften Lehrer Erziehungs­maßnahmen ergreifen, etwa einen „blauen Brief“ an die Eltern schi­cken. Zudem könnte die Weigerung, Haus­aufgaben zu machen, in die Bewertung des Arbeits- und Sozial­verhaltens einfließen.

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