Haus­apotheke Mittel fürs Notfall-Schränk­chen

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Haus­apotheke - Mittel fürs Notfall-Schränk­chen
Zuhause gut versorgt. Mittel gegen Fieber und Durch­fall gehören in jede Haus­apotheke. © Fotofinder / Your Photo Today

Plötzlich Halsweh, Kopf­schmerz, Schürfwunde? Da ist eine Haus­apotheke Gold wert. Wir nennen güns­tige und geeignete Mittel, die ins Notfall-Schränk­chen gehören.

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Tipps für die Grund­ausstattung

Die Grund­ausstattung besteht aus verschiedenen Verbands- und Hilfs­mitteln sowie rezept­freien Medikamenten, die erfahrungs­gemäß oft nützlich sind – etwa gegen Schmerzen und Fieber, zur Behand­lung von Durchfall oder zur Wunddesinfektion. Bei weiteren Mitteln ist die persönliche Krank­heits­anfäl­ligkeit zu beachten – beispiels­weise, wenn jemand an Allergien leidet, oft Sodbrennen oder Verstopfung hat.

Besondere Personen­gruppen: Kinder, Schwangere, Ältere

Wer eine Haus­apotheke zusammen­stellt, sollte an die ganze Familie denken und nach Bedarf weitere rezept­freie Medikamente einbeziehen. Kinder brauchen oft andere oder anders dosierte Medikamente als Erwachsene (Die 80 besten Medikamente für Kinder). Dabei sind je nach Alter nochmals Unterschiede möglich, etwa zwischen Babys, Klein­kindern und Schul­kindern. Auch für Schwangere, Stillende und Senioren gelten teil­weise Besonderheiten.

Haus­apotheke nicht in Bad oder Küche aufbewahren

Viele Deutsche haben ihre Haus­apotheke im Bade­zimmer. Doch genau das ist keine gute Wahl, ebenso wenig die Küche. An beiden Plätzen herrscht häufig ein feucht-warmes Klima, was die Arzneiqualität mindern kann. Besser eignen sich etwa das Schlaf­zimmer, der Flur oder eine Abstell­kammer, also recht kühle, dunkle, trockene Räume.

Wichtig: Heben Sie Medikamente immer in der Original­verpackung auf, inklusive Beipack­zettel. So sind im Akutfall alle Angaben verfügbar. Der Schrank oder die Box sollten abschließ­bar sein – vor allem, wenn im Haushalt Kinder wohnen.

Medikamente nie in die Spüle oder Toilette werfen

Wer eine Haus­apotheke hat, sollte sie regel­mäßig kontrollieren. Ist alles Wichtige drin? Hat sich der Bedarf der Familie geändert? Sind Verfalls­daten abge­laufen? Und was dann – wegwerfen oder verwenden?

Wichtig: Tabletten, Tropfen und sons­tige Medikamente dürfen nie über die Spüle oder Toilette beseitigt werden. Teils ist die Entsorgung über den Restmüll möglich, teils gelten kommunal abweichende Regeln. Wir geben Tipps, wie Sie den passenden Entsorgungsweg finden.

Warnzeichen nicht aussitzen

Die Haus­apotheke ist vor allem zum kurz­zeitigen Einsatz für eher leichte Beschwerden gedacht. Länger andauernde und schwere Symptome erfordern einen Arzt­besuch. In Extremsituationen – stark blutende Wunden, ernste Verbrennungen, Kreis­lauf­zusammenbruch, Anzeichen auf Herz­infarkt oder Schlag­anfall – sollten Sie nicht zögern und sofort den Notruf 112 wählen.

Tipp: Haben Sie weitere Telefon­nummern parat – von Ihrem Haus­arzt, vom ärzt­lichen Bereit­schafts­dienst (116 117) und vom Giftnotruf in Ihrem Bundes­land.

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Arznei­mittel, die für viele nützlich sind

Gegen Schmerzen und Fieber

Die Wirk­stoffe Ibuprofen, Paracetamol, Acetylsalicylsäure (ASS) und Diclofenac lindern leichte bis mäßige Schmerzen und senken Fieber. ASS, Diclofenac, Ibuprofen und Naproxen können etwa bei Kopf-, Gelenk-, Regel- und Zahn­schmerzen einge­setzt werden.

Ibuprofen und Paracetamol sind bereits fürKinder unter zwei Jahren geeignet – alters­gerecht dosiert. Es gibt spezielle Kinder-Präparate, darunter Säfte und Zäpf­chen.

Tipp: Um Neben­wirkungen zu vermeiden, sind die Dosier­empfehlungen laut Beipack­zettel unbe­dingt einzuhalten. Paracetamol etwa kann bei Über­dosierung die Leber schädigen.

Zur Wund­des­infektion und -heilung

Desinfektions­mittel töten Bakterien, Pilze und Viren, die Entzündungen verursachen können. Wurde die Wunde mit sauberem, lauwarmem Wasser abge­spült, genügt in aller Regel ein einmaliges Desinfizieren unmittel­bar nach der Verletzung.

Geeignete Haut­des­infektions­mittel sind die Alkohole Ethanol und Isopropanol. Gut etwa für Kinder sind die Wirk­stoffe Povidon-Jod und Octenidin/Phenoxyethanol – sie brennen nicht so stark. Bei Säuglingen sollte auf die Anwendung von Povidon-Jod aber verzichtet werden.

Wunden heilen oft von allein. Teils lässt sich der Prozess unterstützen, etwa durch Cremes und Salben mit Dexpanthenol oder Zinkoxid, die auf wunde Haut, oberflächliche Schürfwunden oder die Ränder von offenen Wunden aufgetragen werden.

Gegen Schnupfen

Sprays oder Tropfen mit abschwellenden Stoffen wie Xylometazolin oder Oxymetazolin machen die Nase frei. Präparate ohne Konservierungs­mittel sind besonders zu empfehlen. Der Zusatz von Dexpanthenol kann die Pflege der Nasen­schleimhaut unterstützen, insbesondere wenn diese sehr empfindlich oder leicht entzündet ist.

Kinder unter sechs Jahren brauchen dem Alter entsprechend nied­riger dosierte Präparate. Bei Neugeborenen und Säuglingen mit Schnupfen sind generell Kochsalzlösungen zu bevor­zugen.

Tipp: Nicht häufiger als dreimal täglich und länger als 5 bis 7 Tage anwenden, sonst gewöhnt sich die Nasen­schleimhaut daran und schwillt beim Absetzen wieder an (Nasentropfen richtig anwenden).

Gegen Hustenreiz

Der Wirk­stoff Dextromethorphan ist geeignet, um trockenen Reizhusten zu dämpfen – etwa um nachts besser zu schlafen. Ohne Arzt nur wenige Tage nehmen. Manche nied­rig dosierten Präparate können bereits Schul­kinder bekommen.

Sobald Husten schleimig wird, ist es sinn­voll, das Abhusten zu unterstützen, beispiels­weise durch Tee oder Inhalieren. Viel genutzt werden auch Hustenlöser, etwa mit Ambroxol, Acetylcystein, Efeu oder Thymian in Erwachsenen- und Kinder­dosis. Ihre Wirk­samkeit sollte noch besser belegt werden. Daher bewerten unsere Experten sie nur als mit Einschränkung geeignet. Kinder unter zwei Jahren sollten noch keine Hustenlöser einnehmen.

Gegen Hals­schmerzen

Wer Hals­schmerzen hat, braucht viel Speichel. Er befeuchtet die Rachen­schleimhaut, das erleichtert das Schlu­cken. Zudem enthält er Abwehr­stoffe gegen Erkältungs­erreger. Anregen lässt sich der Speichelfluss beispiels­weise durch Hals- oder Hustenbonbons oder durch Pastillen mit Emser Salz.

Ganz egal, welches Mittel zum Lutschen gewählt wird – es sollte zuckerfrei sein. Manche Hals­schmerz­tabletten enthalten betäubende, schmerz­stillende oder desinfizierende Stoffe, etwa Mittel mit Lidocain oder Ambroxol. Diese bewerten wir als mit Einschränkung geeignet: Die Wirk­samkeit sollte besser belegt werden.

Gegen Durch­fall

Elektrolytmischungen werden in Wasser aufgelöst und ersetzen Stoffe, die bei Durch­fall verloren gehen. Das ist wichtig, sonst können Patientinnen und Patienten austrocknen. Vor allem Kinder und Senioren sind gefährdet. Bei zusätzlichem Erbrechen am besten oft, aber nur löffelweise schlu­cken.

Denk­bar ist möglicher­weise auch noch ein Mittel mit Loperamid. Der Wirk­stoff stellt den Darm ruhig und kann bei schwerem, krampf­artigem Durch­fall helfen. Ohne Arzt maximal zwei Tage nehmen und bei Kindern unter 12 Jahre nur nach ärzt­licher Absprache. Kinder unter zwei Jahren dürfen Loperamid grund­sätzlich nicht bekommen.

Wichtige Verbands- und Hilfs­mittel

Neben rezept­freien Medikamenten sind in der Haus­apotheke auch Verbands- und Hilfs­mittel sinn­voll:

  • Wund­pflaster
  • Mull­binden und -kompressen
  • Verbands­klammern und Sicher­heits­nadeln
  • Rollenpflaster
  • Dreieck­tuch
  • Einmalhand­schuhe
  • Kalt/Warm-Kompresse (oft im Gefrierfach zu lagern)
  • Pinzette
  • Schere
  • Zeckenzange, -karte oder ähnliches.

Arznei­mittel für den individuellen Bedarf

Der eine hat es mit dem Magen, die andere kann nachts schlecht einschlafen. Je nach persönlicher Leidens­biografie kann es sinn­voll sein, die Haus­apotheke mit weiteren rezept­freien Medikamenten gegen häufige Erkrankungen zu bestü­cken – beispiels­weise:

Gegen Übel­keit

Gegen Übelkeit und Erbrechen sowie Reisekrankheit hilft Erwachsenen und Jugend­lichen Diphenhydramin. Bei akutem Erbrechen sind Zäpf­chen vorteilhaft.

Kindern im Alter von zwei bis zwölf Jahren wird häufig übel auf Reisen. Eltern sollten ihnen Medikamente etwa mit Dimenhydrinat nur dann geben, wenn andere Maßnahmen – wie vorn aus dem Fenster zu schauen – nichts bewirken. Grund: Keiner der verfügbaren Wirk­stoffe und Mittel ist für jüngere Kinder wegen des Risikos für Neben­wirkungen uneinge­schränkt geeignet.

Gegen Verstopfung

Viele verschiedene rezept­freie Abführ­mittel sind geeignet. Die Wirk­stoffe Bisacodyl und Natriumpicosulfat beispiels­weise reizen die Darmwand. Lactulose und Macrogol helfen, weil sie vermehrt Wasser im Darm binden. Weitere geeignete Mittel enthalten Flohsamen, Glyzerin, Magnesiumsulfat (Bittersalz), mineralhaltige Mischungen oder Sennesblätter und -früchte.

Auf Dauer können Abführ­mittel den Darm noch träger machen. Daher ohne Arzt höchs­tens zwei Wochen nehmen (Abführmittel richtig anwenden). Kinder mit Verstopfung am besten ohne ärzt­lichen Rat gar nicht mit Medikamenten behandeln – auch nicht mit alters­gerechten.

Gegen Sodbrennen

Sogenannte Antazida wie Hydrotalcit und Magaldrat lindern vorüber­gehend auftretendes Sodbrennen, indem sie über­mäßige Magensäure binden. Säureblocker wie Omeprazol und Pantoprazol unterdrücken die Produktion und eignen sich bei anhaltenden oder wieder­holt auftretenden Beschwerden. Sie wirken später, aber dafür länger als Antazida. Auf eine Langzeiteinnahme beider Wirkstoffe sollte verzichtet werden: Sie bergen Risiken wie ein möglicher­weise erhöhtes Risiko für Speise­röhrenkrebs.

Grund­sätzlich gilt: Arznei­mittel gegen Sodbrennen ohne Arzt nicht länger als zwei Wochen nehmen und sie Kindern besser gar nicht auf eigene Faust geben.

Gegen Schlaf­probleme

Die Wirk­stoffe Diphenhydramin und Doxylamin können kurz­fristig gegen Schlafstörungen helfen. Sie sollten nur wenige Tage, maximal zwei Wochen zum Einsatz kommen – weil auf Dauer die Wirkung oft nach­lässt und um Neben­wirkungen wie Schwindel und Verwirrt­heit zu vermeiden.

Bei vielen weiteren Schlafmitteln ist die Wirk­samkeit nicht ausreichend belegt. Auch Melatonin wird nicht grund­sätzlich zur Behand­lung von Schlafstörungen empfohlen. Einige Mittel mit Baldrian sind immerhin mit Einschränkung geeignet: Als Vorteil gilt, dass sie kaum Neben­wirkungen verursachen.

Gegen Allergien

Wer allergisch beispiels­weise auf bestimmte Pollen reagiert, kann vorsorglich zu Hause Medikamente bereithalten. Akut wirk­sam sind etwa Tabletten mit Antihistaminika wie Loratadin, Cetirizin, Desloratadin und Levocetirizin. Diese Stoffe blockieren Bindungs­stellen für den Boten­stoff Histamin, der bei Allergien eine Schlüssel­rolle spielt.

Teils sind die Tabletten bereits bei Kindern einsetz­bar: Beipack­zettel beachten. Es gibt noch viele weitere geeignete Präparate, darunter Augen­tropfen und Nasen­spray gegen Heuschnupfen.

Gegen Juck­reiz

Einer der Wirk­stoffe, die entzündliche Reaktionen dämpfen, ist Hydrocortison. Er zählt zu den Glucocorticoiden. Der Haut hilft er etwa bei Ekzemen und Juck­reiz. Manche Cremes sind rezept­frei erhältlich – ohne Arzt höchs­tens zwei Wochen und nicht groß­flächig nutzen. Bei Kindern unter sechs Jahren immer den Arzt fragen. Ist der Ausschlag sehr heftig und juckt er sehr stark, sind äußerlich anzu­wendende cortisonhaltige Mittel geeignet (So werden Cortinsalben richtig aufgetragen). 

Strand, Berge oder Stadt: Tipps für die Reise­apotheke

In den Urlaub braucht niemand seinen Arznei­schrank mitnehmen. Doch einige Mittel gehören in die Reiseapotheke – welche genau, das hängt unter anderem von Vorerkrankungen und Krank­heits­anfäl­ligkeiten sowie vom Ziel und den geplanten Aktivitäten ab. Für so ziemlich jede Reise zu empfehlen sind Medikamente gegen Schmerzen und Fieber, Durchfall oder zur Wunddesinfektion – und etwas Verbands­material wie Pflaster, Schere, Mull­binden. Gegebenenfalls nicht vergessen: Sonnencreme sowie Mittel gegen Zecken und Mücken.

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Profilbild Stiftung_Warentest am 26.11.2019 um 13:31 Uhr
Link hinter Povidon-Jod

@reinoldus: Wir danken sehr herzlich für den Hinweis und haben den Link korrigiert. (bs/cr)

reinoldus am 26.11.2019 um 12:10 Uhr
Link hinter Povidon-Jod führt nicht zu Salben

Warum führt der Link hinter Povidon-Jod nicht zu Betaisadona (oder ähnlichen Produkten), obwohl dieses Medikament von Ihnen empfohlen wird?
Gruß
RF

Profilbild Stiftung_Warentest am 21.11.2019 um 11:22 Uhr
Link

@wernboeh: Vielen Dank für Ihren Hinweis! Wir haben den Link korrigiert. (cr)

wernboeh am 20.11.2019 um 12:56 Uhr
Link fehlerhaft

@test: Bitte prüfen Sie diesen Link nach Loperamid:
https://www.test.de/suche/