Geringe Mengen von Eiweiß im Harn können ein frühes Anzeichen für Nieren- und Herz-Kreislauf-Schäden sein.

Eigentlich weiß jeder Raucher, dass er seinem Körper nichts Gutes tut. Aber spürbare Beschwerden treten erst nach vielen Jahren des Zigarettenkonsums auf. Auch wer zu hohen Blutdruck hat, merkt meist nichts davon. Doch die Blutgefäße reagieren empfindlich, kleine Verletzungen und Ablagerungen verengen die Gefäße, die Durchblutung verschlechtert sich, der Druck steigt weiter an. Herzinfarkt, Schlaganfall, Raucherbein können die Spätfolgen sein.

Einfach und zuverlässig testen

Einen Motivationsschub für ein gesünderes Leben versprechen sich Internisten von einem einfachen Urintest, der Gefäßschäden schon in einem frühen Stadium anzeigt. „So ein Test hat den Vorteil, dass man sich selbst als Risikoperson identifizieren kann“, erklärt Professor Manfred Weber, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM), „er kann als Signal dienen, etwas zu ändern.“ Zur persönlichen Gesundheitsvorsorge empfiehlt die DGIM deshalb jedem ab 50 Jahren einen jährlichen Schnelltest.

Etwa sieben Prozent betroffen

Der Mikroalbumintest misst geringe Mengen von Eiweiß (Albumin) im Urin. Sie sind ein sicheres Anzeichen dafür, dass die Nierengefäße durchlässiger geworden sind. Als früher Hinweis auf Nierenschäden ist der Nachweis von Eiweiß im Urin etabliert. Der Test sei aber außerdem ein Indikator für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, so Professor Weber, denn er signalisiere, dass das gesamte Gefäßsystem geschädigt sei. „Wer erhöhte Albuminwerte hat, hat ein etwa vierfach erhöhtes Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden.“ Werde rechtzeitig die Notbremse gezogen, seien Schäden noch umkehrbar.

Während herkömmliche Urintests, die zum Beispiel im Rahmen der von den Krankenkassen finanzierten Früh­er­ken­nungsuntersuch­un­gen eingesetzt werden, erst Werte ab 250 Milligramm Albumin pro Liter Urin feststellen, ist ein Mikroalbumintest wesentlich empfindlicher. Wenn der Teststreifen keine erhöhte Eiweißkonzentration anzeigt, liegen mit großer Wahrscheinlichkeit keine Gefäßschäden vor. Doch internationalen Studien zufolge haben etwa sieben Prozent der Bevölkerung zwischen 28 und 75 Jahren erhöhte Albuminwerte – zwischen 20 und 200 Milligramm pro Liter Urin. Diabetiker sind übrigens besonders gefährdet, Nierenschäden und letztlich sogar ein Nierenversagen zu entwickeln.

Risiken identifizieren

Bei positivem Testergebnis, also erhöhten Werten, sollte der Patient einen Arzt zurate ziehen, empfiehlt Professor Weber. Er sollte untersuchen, ob die Schäden auf die Niere beschränkt sind oder ob auch andere Organe betroffen sind. Der Arzt könne zunächst eine „kleine Untersu­­ch­ungs­runde“ machen: in einem Labortest mithilfe automatisierter Messmethoden Eiweiß im Urin bestätigen, Risikofaktoren identifizieren, nach speziellen Belastungen fragen, zum Beispiel Herzschmerzen beim Laufen, und Änderungen im Lebensstil vorschlagen, um die Schäden zu reduzieren.

Schäden erkennen

Auch spezifische Untersuchungen können bei einigen Patienten angezeigt sein. An den feinen Blutgefäßen des Augenhintergrunds sind Schäden frühzeitig zu erkennen. Ein Belastungs-EKG kann auf die koronare Herzkrankheit hinweisen, die Untersuchung der Halsschlagader zeigt das Schlaganfallrisiko auf. Sind noch andere Organe als die Niere erkrankt, heißen die wichtigsten Handlungsschritte: den hohen Blutdruck regulieren, das Rauchen einstellen, das Körpergewicht reduzieren, die Cholesterinwerte senken. Nicht immer sind dafür Medikamente notwendig.

Die Früherkennung spielte auch beim diesjährigen Internistenkongress Anfang April in Wiesbaden eine wichtige Rolle. Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin wollte auch Ärzte dafür sensibilisieren, dass selbst geringe Eiweißmengen im Urin ernst zu nehmen sind und früh auf erste Schädigungen hinweisen können.

Zu Hause anwenden

Die Harnteststreifen für den Schnelltest auf Albumin können Patienten in der Apotheke kaufen und zu Hause anwenden. Ein Teststreifen kostet zwei Euro. Doch noch hat die Sache einen Haken: Bisher gibt es die Streifen nur im Zwölferpack. Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin will den Hersteller Roche von einem kundenfreundlicheren Verkauf von Einzeltests überzeugen. Eine Testkassette von Vitest (mit Pipette und Urinsammelbecher) kostet etwa 20 Euro.

Dieser Artikel ist hilfreich. 1726 Nutzer finden das hilfreich.